Offenbarung 3,14

Offenbarung 3,14

Andachten

Laodicäa ist das Bild der Lauheit im Christentum oder des Herzenszustandes, wo die anfänglich warme, innige, lebendige Liebe zu Jesu abgenommen hat, wo sie zwar nicht ganz verschwunden, aber so matt und schwach geworden ist, dass das Herz von dieser Liebe nicht mehr erwärmt und beseelt wird. Der Glaube ist dem Herzen dann nur noch eine Meinung, keine feste Herzensüberzeugung, die Liebe zu Jesu nur noch im Äußern sich zeigende, steife Achtung, kein Drang, für Ihn zu zeugen und seine Liebe zu Ihm auszusprechen; man fühlt wohl gar eine Abneigung gegen die lebendigen Christen; das Andenken an Jesum erlischt je mehr und mehr; das Lesen des göttlichen Worts ist teilnahmslos, das Kirchengehen tote Gewohnheit, das Abendmahl wird höchstens einmal des Jahres noch gefeiert, und wenn es gilt, Opfer der Liebe für Jesum zu bringen, so werden sie karg abgemessen. Ein gefährlicher Zustand! Er macht den Menschen unwahr, falsch, heuchlerisch; er bildet ihm ein, es stehe viel besser mit ihm, als es wirklich ist, und lässt ihn in seiner traurigen Lage; er macht ihn unfähig, Andere zu erwärmen und zu erwecken; er ist dem Herrn ein Gegenstand des Ekels und des Widerwillens. Jesus möchte aber gern helfen und retten; darum deckt Er erst den Grund des Uebels auf, dann gibt Er die Heilmittel. Der Grund des Uebels ist der leidige Eigendünkel, die Selbstgefälligkeit und Selbstbespiegelung, der geistliche Hochmut. Die Heilmittel sind das Gold heiliger, lauterer Liebe, das Kleid der Gerechtigkeit Jesu Christi und die Selbsterkenntnis der Buße. Bist du auch lau, meine Seele? dann befolge den gegebenen Rat und lass dich heilen. Quälst du dich aber nur mit der Furcht, du könntest es sein? dann höre: ist dir die Sprache bis zum Tod zuwider: „ich bin reich und gar satt und darf nichts,“ kommst du dir in deinen eignen Augen erbärmlich vor, so gehörst du noch nicht zu den Lauen, der Herr wird sich dein erbarmen und dich weiter fördern. Amen. (Friedrich Arndt)


Amen.“
Das Wort Amen bestätigt feierlich, was vorausgeht; und Jesus ist der große Bestätiger, unwandelbar, denn alle Verheißungen sind „Ja und Amen“ in Ihm. Sündenbeschwerte Seele, ich möchte dir aus diesem Gedanken Trost bringen. Der Herr Jesus hat gesagt: „Kommet her zu Mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, Ich will euch erquicken.“ Wenn ihr zu Ihm kommt, so spricht Er Sein „Amen“ in eure Seele; Seine Verheißung soll an euch wahr werden. Er sprach in den Tagen Seines Fleisches: „Das zerstoßene Rohr will Ich nicht zerbrechen.“ O du armes, zerschlagenes, zerstoßenes Herz, wenn du zu Ihm kommst, so spricht Er Sein „Amen“ zu dir, und das wird in deiner Seele so wahrhaftig sein, wie in vergangenen Jahren bei Hunderten, die auch in deinem Falle waren. Lieber Christ, ist das nicht auch für dich sehr tröstlich, dass der Heiland kein einziges Wort, das je aus Seinem Munde gekommen ist, wieder zurückgenommen hat? Die Worte Jesu werden bestehen, wenn Himmel und Erde vergehen. Wenn du dir eine Verheißung auch nur halb aneignen kannst, so wirst du sie wahrhaftig erfinden. Gott behüte uns vor dem Erzbösewicht, der mit seiner Zweizüngigkeit uns um den Trost des Wortes Gottes betrügen möchte.

Der Herr Jesus ist ja und Amen in allem Seinem Amt. Er war ein Priester zur Reinigung und Vergebung; auch als Priester ist er Amen. Er war ein König zu leiten und zu regieren Sein Volk, und es zu verteidigen mit Seinem mächtigen Arm; Er ist ein Amen-König, immer derselbe. Er war einst ein Prophet, der da Gutes verkündigte; Sein Mund war voller Lieblichkeit und trieft noch immer mit Honigseim; Er ist ein Amen-Prophet. Er ist Amen im Verdienst Seines Blutes; Er ist Amen in Seiner Gerechtigkeit. Dies Heilige Kleid wird noch immer hell und glänzend strahlen, wenn die Welt zerfällt. Er ist Amen - in jedem Namen, den Er trägt; dein Bräutigam, der sich nimmer von dir trennt; dein Freund, der dich mehr liebt denn ein Bruder; dein Hirte, der bei dir ist im finstern Tal; dein Helfer und dein Erlöser; dein Fels und deine Burg; das Horn deiner Macht, deine Zuversicht, deine Freude, - Dein Alles, Dein Ja und Amen in allen Dingen. (Charles Haddon Spurgeon)


Und dem Engel der Gemeine zu Laodicea schreibe: Das sagt Amen, der treue und wahrhaftige Zeuge, der Anfang der Kreatur GOttes: Ich weiß deine Werke, dass du weder kalt noch warm bist. Ach, dass du kalt oder warm wärest! Weil du aber lau bist, und weder kalt noch warm, werde Ich dich ausspeien aus Meinem Munde. Du sprichst: Ich bin reich, und habe gar satt, und bedarf Nichts; und weißt nicht, dass du bist elend und jämmerlich, arm, blind und bloß. Ich rate dir, dass du Gold von Mir kaufest, das mit Feuer durchläutert ist, dass du reich wirst; und weiße Kleider, dass du dich antust, und nicht offenbar werde die Schande deiner Blöße; und salbe deine Augen mit Augensalbe, dass du sehen mögest. Welche Ich lieb habe, die strafe und züchtige Ich. So sei nun fleißig, und tue Buße. Siehe, Ich stehe vor der Tür und klopfe an. Jemand Meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde Ich eingehen, und das Abendmahl mit ihm halten, und er mit Mir. Wer überwindet, dem will Ich geben, mit Mir auf Meinem Stuhl zu sitzen; wie Ich überwunden habe, und bin gesessen mit Meinem Vater auf Seinem Stuhl. Wer Ohren hat, der höre, was der GEist den Gemeinen sagt.

Die letzte Gemeinde ist die Gemeinde zu Laodicea; sie ist die Gemeinde der Endzeit. Nicht ungläubig, aber weder kalt noch warm; sie hat Christum nicht verleugnet, aber sie ist stolz auf ihr äußeres Christentum, da ist kein wahres Leben, da sind Worte ohne Werke, da ist Schein ohne Sein; sie hält sich für reich, und weiß nicht, wie arm sie ist. Darum erinnert der HErr sie daran, dass Er der Wahrhaftige ist, Der nicht nach dem Schein, sondern nach der Wahrheit richtet, und dem Wahrhaftigen sind die Lauen die allerwiderlichsten Christen. Sieh, mit den Kalten kann Er noch Etwas anfangen, da ist noch Hoffnung, dass sie sich bekehren, wie ja aus dem Saulus ein Paulus ward; aber die Lauen, die Halbchristen, sind immer mit sich selbst zufrieden und bedürfen nichts Besseres, als sie haben. Darum will der HErr, dass ihnen zuerst einmal die Augen geöffnet werden, dass sie ihren Jammerstand erkennen und einsehen, dass ihre Lumpen kein Kleid sind, in welchem man vor Ihm erscheinen kann; dass ihr Reichtum kein Reichtum ist, der auch im Himmel gilt. Darum empfiehlt der HErr der Gemeine zu Laodicea dreierlei: 1) soll sie sich Gold kaufen vom Feuer durchläutert, d. i. der Glaube, welcher in der Trübsal bewährt wird; 2) soll sie sich weiße Kleider kaufen, dass nicht ihre Schande offenbar werde, d. h. sie soll ihre Selbstgerechtigkeit fahren lassen und Christi Blut und Gerechtigkeit annehmen; 3) soll sie sich Augensalbe anschaffen, damit sie sehen möge, d. h. sie soll um den Heiligen Geist bitten, damit sie ihren Jammerstand und GOttes Gnade erkenne, dann werde sie auch einsehen, dass die Strafgerichte, welche der HErr über die Seinen ergehen lässt, eitel Heil und Gnade sind, denn wo der HErr noch züchtigt, da ist auch noch Hoffnung auf Besserung. Der reiche Mann ward nicht mehr von der Trübsal heimgesucht, aber er kam auch nicht in den Himmel. Und nun ermahnt der HErr noch einmal Laodicea, fleißig zu sein in der Buße. Das ist ja freilich eine Aufforderung, welche in unsern Tagen mit Hohn beantwortet wird, und doch sollten gerade wir sie zu Herzen nehmen, denn die Kirche in unsern Tagen ist die Gemeinde zu Laodicea, welche weder kalt noch warm ist.

Ach, möchten wir doch die Ermahnung zu Herzen nehmen: Ich stehe vor der Tür und klopfe an! ist dies doch so recht eine Advents-Einladung. Wie oft hat Er nicht bei einem Jeden von uns angeklopft in Freud und Leid, aber wer hat die Tür geöffnet und zu Ihm gesagt: Warum willst Du draußen stehen, Du Gesegneter des HErrn? komm doch in mein Herz, denn Alles verlangt darin nach Dir!? Und sieh', wer so den HEiland hier aufnimmt, den will Er droben aufnehmen, und nach der Adventszeit des Lebens will Er ihm geben die selige Himmelsfreude, will ihn nicht nur zu Sich in den Himmel nehmen, nein, Er will ihn sitzen lassen bei Sich auf Seinem Throne. Höre es, o Herz, und staune, denn wer kann diese Aussicht fassen? O, darum öffne schnell, schnell die Herzenstür und rufe deinem HEilande entgegen: Warum willst Du draußen stehen? eile, bei mir einzugehen! Amen. (Johannes Paulsen)

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