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Offenbarung 22,20

Offenbarung 22,20

Andachten

Es spricht, der solches zeuget: Ja, Ich komme bald. Amen.
Der HErr wolle Seinen Segen geben, dass recht viele Seelen ermuntert werden mögen, zu warten auf den HErrn, der es verheißen hat: „Ich komme bald!“ und solches zu tun in der gewissen und festen Zuversicht, dass auch an ihnen dann in Erfüllung gehen wird das alte Wort der Verheißung (Spr. Sal. 10,28): „Das Warten der Gerechten wird Freude werden!“ (Carl Joseph von Lemm)


Es gibt eine dreifache Zukunft Jesu - ein dreifaches Advent. Er kam, er kommt, er wird kommen, das sagt, der da ist, der da war, der da kommen wird. (Offenbarung 1,8.) Er kam bei seiner Menschwerdung und Geburt in die Welt, und war da für die Menschen. Er kommt täglich in die Menschen durch den Glauben und die Wiedergeburt des innern Menschen, wohnt und lebt im Herzen. (Offenbarung 3,20. Johannes 14,23.) Er wird kommen am Tage seiner Offenbarung wider die Welt und Ungläubigen, sie zu strafen und zu richten und die Frommen zu belohnen. Die erste Ankunft hilft uns nicht, und die dritte wird uns fürchterlich, wenn wir uns der zweiten nicht teilhaftig machen. Kommt er nicht in uns, so ist er zuerst nicht für uns gekommen und wird am Ende wider uns kommen. An seinem Kommen in uns ist daher Alles gelegen; wie Paulus sagt: Ist Christus nicht in euch, so seid ihr verworfen und verdüstert. (2. Korinther 13,5.) Da nun seine dritte Ankunft sehr nahe scheint und wir ohnehin nie wissen, wie schnell und plötzlich sie den Erdkreis überfallen wird, da er kommen wird, wie ein Dieb in der Nacht, so sollen wir ja vor allem uns um seine zweite Ankunft in unsere Herzen bestreben. Wer wird bestehen vor seinem Zorn, wenn er ihn nicht selbst in sich wohnend hat? Kein Mensch wird die letzten Prüfungen, die große Versuchungsstunde aushalten, der Christum nicht in seinem Herzen aufgenommen hat und nicht durch ihn selbst erhalten wird, vor Gottes Zorn wird kein Gottloser, keiner ohne Gott, ohne Christus bestehen. Nicht auf der Zunge, nicht im Kopfe - im Herzen muss er wohnen, oder er hilft dir nicht vor seinem Gerichte. Wer ihn nicht in sich hat, wird als Spreu ohne den Kern zu leicht erfunden und ins Feuer geworfen. Wer ihn nicht in sich wohnend hat, kann nicht sagen: Komm! komm, Herr Jesu! Oder, er ruft seinen Feuerflammen, dass sie ihn verzehren. O Herr Jesu, komm erst in unser Herz, dass wir dich auch mit Freuden kommen sehen können, zum Gericht und zur Vergeltung. (Johannes Evangelista Gossner)


Es spricht, der solches zeugt: Ja, ich komme bald. Amen. Ja, komm, Herr Jesu! Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi sei mit euch Allen. Amen.
O, wo er kommt, da kommt mit ihm das Heil, Gerechtigkeit, Friede und Freude in dem Heiligen Geiste, da werden die Herzen errettet von der Obrigkeit der Finsternis und zu Königen und Priestern gemacht im Reiche Jesu Christi. Herr Jesu, sei denn unserem Herzen willkommen! Wir wollen dich gerne und willig haben, du bist uns ja der Allerliebste vor andern Heiligen, Engeln und Menschen. Lass unser Herz dein königlich Adventschloss sein, ziehe hinein als in deinen Palast und in dein selbst erworbenes Eigentum, regiere da wie ein gebietender Herr, gebeut allen unsern Gedanken, Reden, Gebärden, Tritten, Adern, Blutstropfen und Gliedmaßen, dass sie dir dienen. Trage in unser Herz deine königlichen Schätze, Gerechtigkeit, Hilfe, Sanftmut und Liebe! Verleihe uns ein recht bußfertiges Herz. Hilf, dass wir unser Sündenkleid in Demut ablegen, dich für unsers Glaubens und Lebens gebietenden Regenten erkennen, und dir ein fröhliches Hosianna singen, so lang ein Atem in uns ist. Herr Jesu, wir schwören noch einmal zu deiner königlichen Krone; mit Leib und Seele alleine dein wollen wir, du König der Ehren, Jesu, in Ewigkeit sein!


Es spricht, der solches zeugt: Ja, ich komme bald! Amen. Ja, komm, Herr Jesu.
Christus ist ganz besonders Der da kommt. Vor seiner Erscheinung im Fleisch war er schon viertausend Jahre lang der Welt angekündigt worden, immer bestimmter und klarer, als der da kommen sollte. Schon die Glaubenshelden im alten Bunde fanden ihre Glaubensstärke bloß in ihren messianischen Hoffnungen. Aber auch von seiner Menschwerdung an ist das Kommen Christi ein fortdauerndes. Wie er in die Weltgeschichte gekommen ist als der Erfüller der Weissagungen, so kommt er auch fortwährend noch in die Herzen, die nach ihm verlangen. Sein herrlichstes Kommen steht uns aber noch bevor. Nach dieser letzten Wiederkunft des Herrn seufzt in der Offenbarung fortwährend seine Brautgemeinde. Er selbst bezeugt ihr: Ja, ich komme bald. Amen. Und seine Kirche antwortet: Ja, komm, Herr Jesu! Sind auch schon Jahrhunderte vergangen nach diesem Versprechen des Herrn: Ja, ich komme bald, so ist dennoch seine Wiederkunft, wann sie eintrifft, eine baldige. Alles drängt sich zum Ende; alle Zwischenzeit ist nur Vorbereitung. Ein Wanderer, hat er auch einige hundert Meilen vor sich, fliegt doch seiner Heimat mit Gedankenschnelle entgegen, und weil sein Herz dort lebt, ist seine Ankunft auch eine baldige. So kann auch die kämpfende Kirche ihrem himmlischen Haupt mit Glaubensgewissheit entgegen rufen: Ja, Herr, du kommst bald. Jeder von uns kann erkennen, wie er zu dem Kommen des Herrn steht. Der Herr muss zuerst in unser Herz kommen, ehe wir uns seiner letzten Wiederkunft freuen können. Das Kennzeichen seines In-uns-Kommens ist die Sehnsucht nach ihm. Wo ein Herz schreiet nach Jesu, wie der Hirsch nach frischem Wasser, da ist auch schon ein Kommen des Herrn, ein anfängliches, zu finden. Das Verlangen nach Jesu ist mehr, als eine Leere, es liegt darin schon der Anfang einer verborgenen Seligkeit. Es ist schon eine Mitteilung des Herrn selber, der sich dann immer mehr will zu erkennen geben als den Adventskönig, dessen Kommen auch der Strom des ewigen Lebens ist. (Friedrich Lobstein)


Es spricht, der solches zeugt: Ja, ich komme bald. Amen. Ja, komm, Herr Jesu! Die Gnade unsers Herrn Jesu Christi sei mit euch allen! Amen.
So schließt das heilige Bibelbuch. So wollen wir das Kirchenjahr heute beschließen. „Siehe ich komme bald!“ So spricht der, welcher ist „das A und das O, der Anfang und das. Ende“ (Offb. Joh. 22, 13). „Jesus Christus, gestern und heute und derselbige in Ewigkeit“ (Ebr. 13, 8). „Siehe, ich komme bald, und mein Lohn mit mir“ (Offb. Joh. 22, 12). O, kannst du dich freuen auf sein Kommen, wenn er erscheinen wird in seiner Herrlichkeit, die Seinen zu lohnen für ihre Treue und sie einzuführen in sein ewiges Reich? Kannst du dich freuen, wenn er zu dir kommt im letzten Stündlein, damit du seist, wo er ist, ihn zu schauen von Angesicht? Kannst du der seligen Verheißung: „Siehe, ich komme bald, Amen“, das ist gewiss wahr, fröhlich antworten: „Ja, komm, Herr Jesu?“ Du kannst es, wenn du anders die Gnade und den Heiligen Geist empfangen hast, wenn du los bist von dem bösen Gewissen, wenn seine Liebe ausgegossen ist in dein Herz, dass du dich nach ihm sehnst, wie sich die Braut sehnt nach dem Bräutigam, wenn du in der gewissen Hoffnung stehst des ewigen Erbes. Dann kannst du fröhlich sprechen: „Ja, komm, Herr Jesu!“ Herr, unser Heiland, gib uns solche Freudigkeit zu dir. Die Gnade unsers Herrn Jesu Christi sei mit uns allen. Amen.

Lasst uns beten: Herr Jesu Christe, gestern und heute und derselbige in Ewigkeit, wir danken Dir für alle Gnade und Wohltat, die Du in dem nun verflossenen Kirchenjahre uns erwiesen hast. Wir danken Dir, dass Du Dein Wort und Sakrament uns lauter und rein erhalten hast. Wir danken Dir für jedes Gotteswort, das Du uns so reichlich gegeben hast. Vergib uns, wo wir Dein Wort nicht recht geachtet haben. Führe Dein Werk hinaus, das Du in uns angefangen hast. Du hast uns ja von Anfang erwählt zur Seligkeit in der Heiligung des Geistes und im Glauben der Wahrheit. So komm, Herr Jesu, zerstöre das Reich der Finsternis, das nicht aufhört, sich gegen Dich zu erheben. Komm, und erlöse uns von allem Übel, und verkläre uns ganz in Dein Bild. Komm, und bringe uns das Reich des ewigen Friedens und der ewigen Freude. Komm, und zeige Dich uns, wie Du bist, und führe uns zu Deinem Vater, der Dich uns gegeben hat, dass wir ewig bei ihm wohnen. Amen. (Alfred Meyer)


Es spricht, der solches zeugt: ja, ich komme bald.
Wie Viele werden wohl hier sein, die das von Herzen glauben, was ich bisher gesagt habe? Und wie Viele unter denen, die es glauben, werden vielleicht in ihrem Inwendigen denken: ach, das kann noch lange anstehen; ich will indessen in den Weinberg gehen; ich will indessen kochen und waschen und andere häusliche Arbeiten verrichten, schlafen, essen und trinken, da und dort predigen, genießen, was zu genießen ist; es ist heute noch nicht gerade aller Tage Abend. Lieber Mensch! Höre doch, was der Apostel sagt: „das Ende ist nahe herbeigekommen.“ Dies jagte er vor achtzehnhundert Jahren, wie viel näher muss es uns jetzt sein! Der Apostel Petrus wusste so wenig als wir, welche Stunde der Vater seiner Macht vorbehalten habe. Aber das hat er gewusst, dass der HErr vor der Tür stehe, und jeden Augenblick kommen könne; das hat er gewusst, was wir auch wissen, dass des HErrn Tag kommen wird wie ein ein Dieb in der Nacht, dass er gerade dann erscheinen wird, wenn Jedermann spricht: „es ist Friede und hat keine Gefahr,“ wenn sie es machen wie zu der Zeit Noahs, wo sie in der tiefsten Sicherheit begraben lagen, und aßen und tranken, und freiten und ließen sich freien, und scherzten und lachten und spielten, und dachten nicht an das Ende und an die Drohungen des Predigers der Gerechtigkeit, und machten es ebenso, wie man es in unsern Tagen im Großen und Kleinen auch macht. Der Apostel Johannes ruft in seinem Briefe aus: „Liebe Kindlein! Es ist die letzte Stunde.“ Es ist dies zwar eine lange Stunde; aber eine Stunde ist eine Zeit, und eine Zeit läuft zu Ende, und es ist gegenwärtig die letzte Zeit in der großen Weltuhr. Denn zwischen der Himmelfahrt Christi und zwischen der zweiten Erscheinung des Heilands liegt nichts mitten inne, was man einen Zeitlauf nach göttlichem Maßstabe nennen könnte. Es ist das die Zeit des Neuen Bundes, die Zeit des Kreuzreichs, die Zeit der Bekehrung der Sünder, die Zeit, in der man noch Buße tun, und seine Seligkeit schaffen kann mit Furcht und Zittern. Wann aber diese Stunde abgelaufen ist, so kommt der HErr, und mit ihm das Ende aller Dinge. Darum siehe zu, dass du von des HErrn Tag nicht übereilt werdest in der Sünde; siehe zu, dass das Ende aller Dinge nicht herbeikomme, während du dich in dieselben vertieft hast; siehe zu, dass dir deine Freude, dein Schab, dein Gut nicht unter den Händen verbrenne, und dich selbst mit ins Verderben reiße. (Ludwig Hofacker)

Predigten

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