Offenbarung 14,13

Offenbarung 14,13

Andachten

Und ich hörte eine Stimme vom Himmel zu mir sagen: Schreibe! Selig sind die Toten, die in dem HErrn sterben von nun an. Ja, der Geist spricht, dass sie ruhen von ihrer Arbeit, denn ihre Werke folgen ihnen nach.
Wir brauchen nicht zu verzagen. Unser Trost ist, dass Christi Vollkommenheit unsere Unvollkommenheit deckt, wo nur Sein Geist uns regiert und Seine Liebe im Herzen lebt. Diesen Geist unseres ganzen Lebens, aus dem wir das Große und das Kleine, das Tun und Lassen, das Arbeiten und und Ruhen, das Essen und Trinken, das Wachen und Schlafen, ob auch unter viel Schwachheit und Unvollkommenheit gelebt und gewirkt haben, den lässt Gott nachfolgen unserer Arbeit dieses Lebens und gibt im Anschauen dieses Geistes die Krone denen, welche die Erscheinung Christi lieb haben. Was auch die scheidende Macht des Todes von uns ablöst, was wir, im Geist lebend, auf den Geist gesät, kann nicht vergehen, sondern trägt die Frucht des ewigen Lebens und macht uns zu Genossen Christi in der Auferstehung des Lebens. Auf diesen Trost hin, und nur auf diesen, wissen wir unsere im HErrn JEsu Entschlafenen selig geborgen. Auf diesen Trost wollen wir selbst fortringen in Christo Jesu, und uns damit stärken, wenn uns der Mut entfallen will, dass wir ruhen werden von unserer Arbeit und unsere Werke uns nachfolgen. O, was wird es sein, wenn wir von diesem Leib des Todes erlöst, von aller Schwachheit, von aller Sünde, von aller Anfechtung und Versuchung der Welt und des Fleisches, von allem Kampf frei, einziehen in die Ruhe nach der Arbeit; wenn nichts mehr zwischen uns und unseren Heiland tritt, wenn alle Bande sich lösen und wir den ganzen Jammer dieses Lebens abwerfen wie ein abgetragenes Kleid; wenn alles Sehnen des Herzens gestillt, und wir in der Gemeinschaft aller Vollendeten dem HErrn ins Angesicht schauen. O, es ist der Mühe und des Kampfes wert. „Wann der HErr die Gefangenen Zions erlösen wird, dann werden wir sein wie die Träumenden; dann wird unser Mund voll Lachens und unsere Zunge voll Rühmens sein. Dann werden wir sagen: Der HErr hat Großes an uns getan, des sind wir fröhlich!“ Zu solcher Freude segne uns der HErr dieses Totenfest! Amen. (Bernhard Kählbrandt)


Selig sind die Toten, die in dem HErrn sterben, von nun an. Ja der Geist spricht, dass sie ruhen von ihrer Arbeit, denn ihre Werke folgen ihnen nach.
Es muss an diesem Spruch besonders viel gelegen sein, weil Johannes durch eine Stimme vom Himmel einen ausdrücklichen Befehl bekam, ihn zu schreiben. Diejenigen sterben in dem HErrn, welche als Reben an Ihm den Weinstock haben, oder als Glieder Seines Leibes mit Ihm dem Haupt verbunden sind. Es gibt törichte Leute, welche für ein Kennzeichen der Seligkeit halten, wenn man sanft oder ohne schmerzhafte und langwierige Bewegungen des Leibes stirbt, oder auch den Gebrauch des Verstandes bis ans Ende behält, allein hier gilt das Wort Salomons, Pred. 9,2.: es begegnet Einem wie dem Anderen, dem Gerechten wie dem Gottlosen. Ein Gerechter kann eines sanften oder schmerzlichen Todes sterben: ein Gottloser auch; ein Gerechter kann seine letzten Tage oder Stunden unter dem Gebrauch, oder auch unter der Verwirrung seines Verstandes zubringen: ein Gottloser auch. Es kommt, wenn von der Seligkeit die Rede ist, Alles nur darauf an, dass der Tote in dem HErrn gestorben, oder bei dem Sterben in Christo Jesu erfunden worden sei. Solche sind selig von nun an, wie die himmlische Stimme sagte. Sie waren schon auf der Erde in gewissem Maße selig, folglich sind sei gewisslich auch selig, wenn das Band zwischen ihrem Leib und ihrer Seele getrennt ist, und genießen die Seligkeit von der Zeit dieser Trennung an reichlicher als vorher. Doch ist hier von derjenigen Zeit die Rede, welche durch die Reihe der aufeinanderfolgenden Weissagungen bestimmt wird; denn die himmlische Stimme sagt nicht: von da an, oder von der Zeit des Sterbens an, sondern: von nun an, da dasjenige erfüllt wird, was im vierzehnten Kapitel der Offenbarung Johannis und in den folgenden Kapiteln geweissagt wird. In dieser Zeit, welche schon jetzt ist, entgehen diejenigen, die in dem HErrn sterben, einer schweren Versuchung und einer großen Trübsal, welche von dem Drachen durch das erste und zweite Tier, die Kap. 13. beschrieben sind, auf Erden angerichtet werden, und gelangen dagegen alsbald, oder doch ohne langes Warten, zu der Hochzeit des Lammes, von welcher eine himmlische Stimme Kap. 19,7. sagt, dass sie im Himmel gekommen sei; da dann V. 9. abermals zu dem Johannes gesagt wurde: schreibe: selig sind, die zu dem Abendmahl der Hochzeit des Lammes berufen sind. Von da an geht Alles schnell der Vollendung zu, welche der erwünschte Tag des HErrn mit sich bringen wird. Die himmlische Stimme beschreibt hernach die Seligkeit derer, die in dem HErrn sterben, weiter, indem sie sagt: der Geist, nämlich der Heilige Geist, spricht, dass sie ruhen von ihren Mühseligkeiten. Dieses ist der Anfang der Ruhe Gottes, oder des ewigen Sabbats, wovon Paulus Hebr. 4. handelt. Gleichwie dieses eine gemeine Glückseligkeit derjenigen ist, die zu aller Zeit in dem HErrn gestorben sind: ist also dieses ein besonderes Glück derjenigen, die von nun an so sterben, dass ihre Werke ihnen stracks nachfolgen, und sie auf den Tag des HErrn, vor dem die Hochzeit des Lammes hergeht, nicht lange warten dürfen, folglich den Gnadenlohn für ihre Werke bald empfangen werden. (Magnus Friedrich Roos)


Und ich hörte eine Stimme vom Himmel zu mir sagen: Schreibe: Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben, von nun an. Ja, der Geist spricht, dass sie ruhen von ihrer Arbeit; denn ihre Werke folgen ihnen nach.
Wir nennen im täglichen Leben oft alle Verstorbenen, welche mit uns auf Erden lebten und umgegangen sind, Selige; aber wie sehr auch diese Redeweise unserer Liebe zu den Verstorbenen wohltut, aus Gottes Wort genommen ist sie nicht. Gottes Wort preist nur die Toten selig, die in dem Herrn sterben, im Glauben an ihn und in lebendiger Gemeinschaft mit ihm. Die andern nicht, die ihre Gnadenzeit versäumten, sich im Unglauben gegen das Wort Gottes verschlossen, denen die Grundbedingungen alles Einganges in das Reich Gottes, Armut im Geiste, Leid um die Sünde, Hunger und Durst nach der Gerechtigkeit, Glaube an den Heiland der Sünder, Gemeinschaft ihres Lebens mit ihm abgingen. Die nicht in dem Herrn lebten, starben auch nicht in ihm; auch sie gingen an ihren Ort, aber nicht der Ruhe von ihrer Arbeit, sondern der Qual; auch ihre Werke folgen ihnen nach, aber um wider sie zu zeugen; auch sie warten auf den Tag der Herrlichkeit des Herrn und der Vollendung seines Reiches, aber es ist ein Warten des Gerichts; und wenn der Tag ihrer Auferstehung kommt, ist es ihnen eine Auferstehung nicht des Lebens, sondern zum ewigen Tode.

Das ist der eine große und entscheidende Unterschied in der Art unseres Todes. Alle andern zeitlichen Unterschiede, früh oder spät, inmitten eines beglückten und beglückenden Daseins oder einsam und von menschlicher Liebe und Hilfe verlassen, plötzlich oder nach langem Siechtum und Leiden, daheim oder fern im Schoße des Meeres und im Getümmel der Schlachten, - wie schwer und schmerzlich wir sie hier auch eine Weile empfinden, sind nichts gegen diesen Unterschied von ewiger Entscheidung, ob unselig, oder aber selig in dem Herrn.

So schaffe denn deine Seligkeit mit Furcht und Zittern! Was weißt du, wie lange es noch Zeit für dich ist, und ob es nicht, wenn deine Sinne und Gedanken schwinden, unter den Kämpfen, in welchen die Seele von ihrem Leibe sich losringt, im Angesichte des Gerichts und der Ewigkeit zu spät für dich ist, an Gnade zu glauben und dich der rettenden Hand des Sünderheilands zu vertrauen! Wie viel getrösteter, weil ihrer Seligkeit gewiss, dürfen wir über den Gräbern derer trauern, deren Leben in dem Herrn war und nun auch ihr Sterben in ihm! Liebt ihr eure Lieben, so lasst euch diese Liebe auch reizen, euch, weil es noch Zeit ist, von der Welt zu lösen, damit der Geist des Herrn an euch Kraft gewinne, euch in Buße und Glauben zu erneuern und zur Gemeinschaft seines Lebens ihm zu verbinden! Dann dürfen, die euch lieb haben in eurem Leben, auch über euren Gräbern nicht traurig sein, wie die andern, die keine Hoffnung haben, weil sie es wissen und sich in Hoffnung dessen getrösten dürfen: Siehe, wir preisen selig, die erduldet haben? denn: Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben von nun an! Ja, der Geist spricht, dass sie ruhen von ihrer Arbeit; denn ihre Werke folgen ihnen nach! (Friedrich Peter Ludwig Luger.)


Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben. Ja der Geist spricht, dass sie ruhen von ihrer Arbeit, und ihre Werke folgen ihnen nach.
In der Welt treibt man mit dem Seligsprechen viel Eitelkeit, wobei es aber oft recht blind und parteiisch her geht. Es gibt wie im Leben, so auch im Sterben viel Unterschied unter den Menschen; der wichtigste aber ist, ob einer in dem Herrn stirbt. Die sind selig von nun an; sie waren es schon vor ihrem Sterben, aber durch das frohe Nu ihres Abscheidens ist noch eine namhafte Freiheit von allem Übel, von dem Jammer ihrer Zeit, und Eintritt in ein gutes Los der Ewigkeit dazu gekommen. - Ihre Werke folgen ihnen nach ; „die Welt“, sagt ein Lied, „vergisset unsrer bald, auch unsrer Werke und Verdienste mannigfalt“. Lass auch solche Ehre bei den Menschen gerne fahren! Was dir in die Ewigkeit nachfolgt, ist edler! (C. G. Rieger.)


Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben, von nun an. Ja der Geist spricht, dass sie ruhen von ihrer Arbeit. **
Während ihre Leiber im Tode schlafen, haben die Seligen beständige Gemeinschaft mit dem Herrn; ja, eine viel innigere Gemeinschaft als sie uns zu Teil wird. Wir sehen sein Antlitz nur wie im Vorübergehen, sie sehen es immer. Wir sehen ihn wie durch ein trübes Glas, sie sehen ihn von Angesicht zu Angesicht. Wir nehmen einen Schluck vom Bach auf dem Wege, sie tauchen sich in das Meer der grenzenlosen Liebe. Wir blicken zuweilen auf und sehen unsern Vater lächeln, ihnen lächelt sein Angesicht immer. Wir bekommen einige süße Tropfen des Trostes, sie haben die ganze Fülle der Süßigkeit. Ihr Becher ist voll und fließt über von immerwährendem, ungetrübtem Glück. Sie haben Frieden und Freude die Fülle und für immer. Sie schlafen in Jesu. O selige Stunde, wenn eine Erdscholle unser Kissen wird. Es ist wohl hart, aber wir schlummern doch so süß, wie Jakob in Bethel. Glückliche Zeit, wenn die Erde unser Bett ist. Es ist ein kaltes Bett, aber wir fühlen es nicht, wir schlafen im Frieden. Die Verwesung kann nur das Verwesliche verzehren; nur das Sterbliche kann des Todes Beute werden. Der selige Geist ist dem Bereich des Todes und der Verwesung entrückt. (Charles Haddon Spurgeon) —- **Und ich hörte eine Stimme vom Himmel zu mir sagen: Schreibe: Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben, von nun an. Ja der Geist spricht, dass sie ruhen von ihrer Arbeit, denn ihre Werke folgen ihnen nach.

Du hast uns, den Trost nicht vorenthalten, Herr Gott, himmlischer Vater, welchen wir aus deiner Barmherzigkeit haben und aus dem unaussprechlich teuren Verdienste deines lieben Sohnes, unsers Herrn Jesu Christi, sowie aus dem gewissen Zeugnisse deines Heiligen Geistes in uns von unserer Kindschaft bei dir und von dem künftigen seligen Erbe, das uns im Himmel bereitet ist. So willst du, dass wir nicht traurig seien, wie die Andern, die keine Hoffnung haben, wenn unsere Lieben und Freunde das Zeitliche segnen und durch ihr Scheiden von uns unsere Herzen schmerzlich betrüben. Du hast uns freilich allen ein Ziel gesetzt, das wir nicht werden überschreiten, und der Mensch ist in seinem Leben wie Gras; er blühet wie eine Blume auf dem Felde; wenn der Wind darüber geht, so ist sie nimmer da und ihre Stätte kennt sie nicht mehr. Das haben wir immer gesehen, darum wir es gar nicht anders wissen. Das haben tausend und abertausend von neuem in diesem Jahre, das haben ja auch wir schon zu großem Schmerze an unseren Freunden und Bekannten erfahren, deren heute gedacht wird als der Vollendeten. Die Trauer darüber kommt als wie von selber. Die den Herzen geschlagenen Wunden reißen wieder auf und Klagen werden heute genug gehört. Mit vielen Tränen wandeln die Betrübten, die Bekümmerten unter den Gräbern derer, um welche sie Leid tragen. So bitten wir dich, kehre doch unsere Herzen und die Herzen aller Betrübten dem Troste zu, welchen wir haben aus deiner Gnade. Nach deinem Worte sind wir ja doch die Traurigen, aber allezeit fröhlich, die Gezüchtigten, aber nicht ertötet, die Sterbenden und stehe, wir leben. Die richtig vor sich gewandelt haben, die kommen zum Frieden und ruhen in ihren Kammern; denn der Tod ist verschlungen in den Sieg, weil Christus dem Tode die Macht genommen hat und unvergängliches Leben ans Licht gebracht. Ach, der du Wunden schlägst und Wunden wieder heilst, stille durch solchen Balsam deines Wortes unsere Schmerzen. Lass uns in deinem Rat und Willen ruhen und bei dem: „Was Gott tut, das ist wohlgetan“ demütig verbleiben. Weil uns das Sterben aber nur zu einem Gewinn wird, so Christus wahrhaftig unser Leben ist, und weil es nur heißt: Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben, so lehre uns doch nicht allein ernstlich bedenken, dass wir sterben müssen, sondern hilf uns auch, dass wir unsere Buße nicht sparen und im Glauben uns fest halten an ihn, der unsere Auferstehung und unser Leben ist. Mache uns bereit, zu kämpfen den guten Kampf des Glaubens, durch den, ob unser äußerlicher Mensch verwese, der innerliche doch von Tage zu Tage erneuert wird. Die wir leben, die wollen wir dem Herrn leben, dass wir auch, so wir sterben, dem Herrn sterben. Dann wird unser Gedächtnis als das der Gerechten im Segen bleiben und die um uns weinen, werden, getröstet über uns, auch von uns sagen können: Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben. Amen. (Carl Gottlieb Just)


**Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben, von nun an. Ja, spricht der Geist, sie ruhen von ihrer Arbeit, ihre Werke aber folgen ihnen nach. **
Wie stille ist es doch an diesem Ort! Wie sie so sanft ruhen, alle die Toten, nach des Lebens unruhvoller Wanderung; wie sie so sanft ruhen, die des Lebens schwere Bürde getragen, sich mit Arbeit und Sorgen müde gerungen, die in langem, schwerem Leiden geseufzt haben nach des Leibes Erlösung! Wie sind auch sie zur Ruhe gekommen, die rastlos gestrebt, Vieles gewirkt, Ansehen und Reichtum gewonnen haben; ihnen ward plötzlich ein Halt zugerufen und ihrer Hand ist das Werkzeug entsunken. Und auch sie, die das Leben leicht genommen haben, die viel geirrt und gefehlt und sich und Andern Schaden zugefügt, auch sie haben ihres Lebens Schuld gesühnt. In Frieden ruhen sie Alle neben einander, Hohe und Niedrige, Reiche und Arme. Auch solche, die sich im Leben schroff gegenüber gestanden, sie haben Alle ihre Ruhe gefunden in demselben Erdenschoß. Nichts stört nunmehr ihren Frieden; in der Ferne verhallt der Lärm des Tages, die Natur selbst scheint hier stiller zu sein, als sonst irgendwo, nur der Wind im Baume rauscht ein leises Schlummerlied. Diesen Frieden will auch ich nicht stören, nein, Friede sei den Toten allen! Was ich einst im Leben gegen Diesen oder Jenen zu klagen hatte, es sei begraben, vergeben und vergessen; es ist Alles gesühnt von dem Augenblick an, da sich dieser Grabhügel über dem Fehlbaren schloss. Nicht stören will ich den Frieden der Toten, auch nicht durch die Klage, dass Dieser oder Fener mir zu frühe entrissen worden. Ja, viel liebe, traute Gestalten sind mir schon in diese Gräber gesunken; aber könnte ich im Ernst einen dieser teuren Menschen wieder ins Leben zurückwünschen, könnte ich wirklich wünschen, dass sie noch einmal die Last dieses Daseins mit seinen Sorgen, Täuschungen und Schmerzen auf sich nehmen müssten! nimmermehr! Bei allem Schmerz, den die Trennung in sich birgt, wie schön, wie heilsam, wie versöhnend ist doch die große Ordnung Gottes auch im Sterben, wie sanft und selig diese Ruhe der Toten nach des Lebens unruhvollem Tagwerk!

Ja, nicht nur nicht klagen will ich an diesen Gräbern, nein, mit einem Herzen voll freudiger Hoffnung und Zuversicht will ich emporschauen und von dieser Stätte zurückkehren zu den Aufgaben und Sorgen meines eigenen Lebens. Was haben wir denn eigentlich hierher gebettet? Doch wahrlich nur der Staub ist's, den wir dem Staube wiedergaben, das Wahre und Höhere im Menschen, o das war schon vorher entflohen. In jenem Augenblick, da dieses Auge sich zum letzten Schlummer schloss, da dieses treue Herz aufhörte zu schlagen, da entfloh der Odem Gottes mit Allem, was er Großes und Edles in sich barg, mit aller Liebe und Treue, mit all' den edlen Gaben des Geistes und des Herzens, die mir den Menschen teuer, unvergesslich teuer gemacht. Alles das haben wir nicht dem Grabe, nicht der Verwesung übergeben, das Alles ist entflohen der Gefangenschaft dieses sterblichen Leibes, in unsichtbare, ewige Höhen, zur seligen Gemeinschaft mit Gott, zur seligen Gemeinschaft mit all' den teuren Verklärten, die uns schon herausgegangen, und die dort auch unserer Ankunft warten. diese Blumen auf den Gräbern, sie reden eine sinnige, beredte Sprache, sie verheißen uns einen unvergänglichen Frühling. Diese frommen Sprüche des Glaubens und der Hoffnung, sie weisen alle nach einem und demselben Ziel, dahin, wo das Sterbliche wird anziehen das Unsterbliche. Dieses Kreuz, das ich auf so vielen Grabstätten aufgepflanzt sehe, es erinnert mich an ihn, den gottgesandten Lehrer und Erlöser der Menschen, an unsern Heiland, der durch Leiden zur Herrlichkeit eingegangen, und der auch uns Allen die Verheißung gibt, dass wir, so wir anders mit ihm leiden, auch mit ihm zur Herrlichkeit erhoben werden. So will ich denn auch nicht bloß an diesen Gräbern haften bleiben und mich versenken in den Schmerz der Trennung und der Endlichkeit, sondern aufwärts schauen will ich mit hoffnungsfreudigem Herzen zu unserm gemeinsamen seligen Ziele im Himmel. Gewiss, es ist unsere Pflicht, die Pflicht der Liebe und der Dankbarkeit, dass wir auch diese äußere Ruhestätte unserer Heimgegangenen in Ehren halten, dass wir ihre Gräber pflegen und mit Blumen schmücken, dass wir auch schon im Äußerlichen zeigen, wie uns Alles, was mit ihrem Andenken zusammenhängt, nicht gleichgültig, sondern teuer ist. Aber wichtiger noch ist es, und wahrlich eine größere Pflicht unserer Liebe und Dankbarkeit, dass wir im Geiste mit unsern Heimgegangenen verbunden bleiben, dass ihr Bild und Wort und Beispiel in uns lebt, uns mahnt und bewahrt, uns erhebt und tröstet auf unserm Lebensweg, dass wir das, was wir gegen sie verfehlt, an den Lebenden wieder gut zu machen suchen und gegen diese die Liebe, Rücksicht, Versöhnlichkeit an den Tag legen, die wir jenen leider in so beschämender Weise versagt haben, dass wir das, was sie Gutes begannen, aber unvollendet zurücklassen mussten, in ihrem Sinn und Geist fortzusetzen suchen, dass wir in ihrem Namen und zu ihrem ehrenden Gedächtnis gute, menschenfreundliche Werke stiften und unterstützen, in welchen ihr Andenken lebendig und im Segen fortwirkt. Diese Art von Erinnerung ist reiner, wertvoller, christlicher, als auch die schönsten und kostbarsten Denkmäler, welche Kunst und Reichtum auf die Gräber sehen mögen, sie beweist erst die Reinheit, Wahrheit und Treue unserer dankbaren Liebe. So will ich denn zurückkehren zu meines Lebens Arbeit und Sorge, Kampf und Kreuz, neu ermutigt und getröstet durch die Erinnerung an meine lieben Toten, und wohlgemut meinen Pilgerweg fortsetzen, bis auch ich zur seligen Ruhe gelange. (Robert Grubenmann)


**Selig sind die Toten die in dem HErrn sterben von nun an. **
O wie mag es einer Seele sein, die sich durch viele Leiden für den Himmel zubereiten und demütigen ließ, wenn ihr nun die Erlösungsstunde schlägt! Es mag ihr sein, wie einem Vogel, der aus seinem Gefängnisse ausfliegt, und auf den ersten Baum sich setzt, um ein Loblied anzustimmen. So wird es der Seele des armen Lazarus ergangen sein; sie wird dem HErrn Lob und Anbetung dargebracht haben, dass sie nun von allem Übel und leiden befreit war. Ein Gläubiger stirbt nicht, sein Elend stirbt nur. Da kommt auf das Kreuz Freude, auf die Unruhe Ruhe, auf die Tränensaat Freudenernte, auf die Trübsal dieser Tage eine ewige Wonne, auf die kurze Nacht ein ewiger Morgen, auf die kurze Gefangenschaft eine ewige Freiheit; das ist eine große, herrliche Veränderung. Lazarus durfte ausruhen in Abrahams Schoß; so war es im Alten Testament. Im Neuen Testament ist es eine Friedensfahrt zu Christo, unserm HErrn; da lebt man bei ihm und in seiner Gemeinschaft. Er hat sich dies ja erbeten von seinem himmlischen Vater. „Vater, ich will“ sagte Er, „dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, auf dass sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast.“ o ihr Lieben! Wenn der Himmel noch so schön, noch so herrlich wäre, und es wäre nicht Jesus darinnen, was hätte eine Seele davon, die ihn liebt? Ich will nicht sagen, dass es eine Hölle wäre; aber es wäre doch auch kein Himmel. Aber das ist das Größte, dass eine Seele, die ihn in diesem Leben nicht gesehen und doch geliebt hat, ihn nun fortlieben und sehen darf, so wie er ist. Das geht über Alles, zu Jesu zu kommen, von ihm gnädig angesehen zu werden und ihn zu schauen, den ewigen Liebesmagnet einer gläubigen Seele, die Sonne der Gerechtigkeit, den guten, treuen Hirten, und ihm zu dienen in seinem Reiche in ewiger Gerechtigkeit, Unschuld und Seligkeit. Wann wir werden in den Himmel eingehen, so werden wir freilich auch nach den alten Vätern fragen, nach einem Abraham, Moses, Elias und den anderen Propheten, und auch nach den Aposteln; aber die Hauptfrage wird sein nach dem, den die ganze Seele liebt, nach Jesu Christo. (Ludwig Hofacker)

Predigten

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