3. Johannes 1,2
Andachten
Wie es deiner Seele Wohl geht.
„Mein Lieber,“ schreibt der Apostel 3. Joh. 2. seinem lieben Gajus, „ich wünsche in allen Stücken, das dir's wohl gehe und gesund seist, wie es denn deiner Seele wohl geht.“ Die Frage: „Wie geht es dir?“ und der Wunsch: „Es möge du wohl gehen!“ wird häufig unter den Menschen gehört, bezieht sich aber meistenteils nur auf den Leib und das, was des Leibes Wohlsein betrifft. Wenn ein Mensch leiblich gesund ist, wenn er äußerlich Frieden hat, wenn sein Geschäft ihm gut von Statten geht, sein Nahrungszweig grünt und blüht und Frucht bringt, so sagt man: „Es geht dem Menschen wohl.“ Wie es seiner Seele geht, danach fragt man nicht, oder setzt voraus, dass es ihr wohl gehe. Die Frage: „Geht es auch deiner Seele wohl?“ würde sich mancher höchlich befremden lassen. Und doch ist gerade dieses die Hauptfrage. Sind sie nicht Sünder allzumal? Ist nicht die Sünde eine Krankheit, die weder Kraut noch Pflaster heilt; ein Schade, der verzweifelt böse ist? Kann es der Seele wohlgehen, so lange sie von dieser Krankheit noch nicht genesen, von diesem Schaden noch nicht geheilt ist? Nein, das ist unmöglich. Erst dann, wenn eine Seele bei dem großen Arzt der Kranken, bei dem Herrn Jesu, Rat und Hilfe gesucht, wenn sie im Glauben angenommen, was von ihm zu ihrer Heilung und Reinigung zuvor bereitet ist, und sich seiner Vorschrift in Gehorsam unterzogen hat, fangt ihr Wohlsein und Wohlergehen an, Sie bekommt je mehr und mehr erleuchtete Augen des Verständnisses; Ohren, die da hören und gehorchen; Geschmack an Gottes Wort, Willen und Wegen; ihr Riechen ist in der Furcht des Herrn; und ihre Zunge sagt Lob dem, der ihr alle Sünde vergibt und heilt alle Gebrechen, der ihr Leben vom Verderben erlöst, und sie krönt mit Gnade und Barmherzigkeit. Nun richten sich auch allgemach auf die lässigen Hände und die müden Knie zu gottgefälligem Werk und fröhlichem Wandel, dass man's sieht, wie wohl es der Seele geht. O mein Lieber, ich wünsche in allen Stücken, dass dir's wohl gehe und gesund seist am Leibe; aber vor allem, dass es deiner Seele wohl gehe. Fehlt es dir da - siehe hier ist Christus, der Arzt der kranken Seelen. Hier ist sein Blut zur Vergebung der Sünden, zur Reinigung von den toten Werken, und zur Kraft, alles zu überwinden. Hier ist sein Geist, sein Wort, seine Sakramente. Hier sind Heilmittel, Stärkungsmittel, Bewahrungsmittel für die Seele. Glaube, traue, folge diesem Arzte. Genieße und gebrauche, was er dir gilbt. Was er dir sagt, das tue, was er dir untersagt, das meide. Wahrlich, du wirst es inne werden, wie es deiner Seele wohl geht. (Carl Johann Philipp Spitta)
Mein Lieber, ich wünsche in allen Stücken, dass dirs wohl gehe und du gesund seiest, wie es denn deiner Seele wohl geht.
Dies Wort ist ein Ausdruck der herzlichen Liebe des Johannes und der geistlichen Fürsorge für die Seele seines Freundes Gajus. Wo Leib und Seele gesund sind, da stehts wohl; doch wenn eines krank sein müsste, so ist es besser, eine gesunde Seele und einen kranken Leib, als in gesundem Leib eine franke Seele zu haben. Die Frage ist daher unabweisbar: Wie steht es mit unsrer Seele?
Von Natur ist sie krank, denn das Gift der alten Schlange, der Zweifel an Gottes Wort, die Lüge und der Hochmut hat sie durchdrungen, ihre Kräfte geschädigt und eine Neigung zum Bösen in sie gebracht, die sie dem Tode entgegen führt. Gesund wird die Seele, wenn sie sich durch Buße und Glauben an den Herrn Jesum Christum wendet und bei ihm Vergebung der Schuld, Gerechtigkeit und neues Leben sucht und sich von ihm schenken lässt. Der Anfang hierzu ist Gottes Tat und geschieht durch die heilige Taufe, in welcher dem einzelnen die von Ewigkeit her beschlossene Berufung nahe gelegt und wirksam gemacht wird. Zur Gesundheit gehört ferner eine richtige Erkenntnis der Hauptlehren des Christentums, die Erkenntnis des Ganges der Offenbarung Gottes, des Weges zum Heil, zur Heiligung und zur Seligkeit. Ohne gesunde Erkenntnis kann auch ein von Gott gewirktes Leben leicht in die Irre gehen.
Auf alles, was die Gesundheit der Seele fördert, hat ein Christ wohl zu achten. Ein gesunder Körper kann durch Einatmen schlechter Luft oder durch Genießen untauglicher Speise geschädigt werden. Ebenso leidet die Seele Schaden, wenn sie nicht in der Himmelsluft des Gebetes lebt, sondern die verpestete Luft des Zeitgeistes einatmet, wenn sie statt des Lebensbrotes sich von leichtfertigen Erzeugnissen des Menschengeistes nährt. Anfänglich wird solches in Stunden der Abspannung getan, aber es betäubt, verhindert die Wachsamkeit und lässt einen endlich Wohlgefallen daran finden. Vieles andre möchte angeführt werden, aber ich nenne nur noch zweierlei: den Mangel an Ordnung und Pünktlichkeit in den Dingen des irdischen Lebens, was einen lähmenden Einfluss auf die Seele ausübt, und die Schwärmerei, mit welcher junge Christen sich an Menschen hängen oder schöne Künste einseitig treiben, oder allerlei Kurzweil mit Eifer pflegen, als ob dies zu ihrem Heile diente. Auf diesen Pfaden kommt viel unnüchternes Wesen und Selbstgefälligkeit, darum Lüge und nicht ausbleibende Enttäuschung in die Seele und macht sie krank; sie verliert ihre Ruhe und ihren Halt an Jesum wird unstet, empfindlich und eine Beute der Stimmungen; sie kränkelt, bis sie sich wieder aufrafft, Buße tut und nach empfangener Vergebung dem Worte gemäß handelt: „Rein ab und Christo an!“
Herr, du bist des Leibes und der Seele Arzt! Lass dein Antlitz über uns leuchten, so genesen wir. Bewahre uns in der Nüchternheit. Nimm dich besonders der Jugend in ihrem unsteten Wesen an. Du brauchst in diesen Tagen gesunde Streiter, so heile uns, unfehlbarer Arzt! Amen. (Rudolf Wenger)