1. Petrus 4,7
Andachten
Es ist nahegekommen das Ende aller Dinge
Das Wesen dieser Welt vergeht, und ihr flüchtiger Genuss verkehrt sich in ewigen Verlust. Wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit. Nichts bewahrt uns so vor übermäßiger Wertschätzung des Irdischen, als der Gedanke an die Nähe des Endes. Die gewisse Erwartung der baldigen Wiederkunft des Herrn stärkte die ersten Christen zu schwersten Opfern und erhielt sie in größten Leiden geduldig und freudig. Eine Hauptursache der Verweltlichung der Christen in jener Zeit war gewiss die Erschlaffung und schließlich das Verschwinden dieser Erwartung. Freilich hat die Sehnsucht der apostolischen Zeit sich in der Zeitbestimmung dieses frohen Ereignisses geirrt, wie dies schon Paulus - mit Hindeutung auf notwendig vorhergehende Entwicklungen - den Thessalonichern nachweist; aber der unverrückte Blick auf diese selige Zukunft war doch für sie kein Schade; er war vielmehr die Grundlage eines echt himmlischen Wandels für sie - und bleibt es auch für uns. Vor dem Herrn sind tausend Jahre wie ein Tag und ein Tag wie tausend Jahre; Zeit und Stunde seiner herrlichen Wiedererscheinung wissen wir nicht. Das ist uns aber gesagt, dass er kommen wird wie ein Dieb in der Nacht, und dass der Knecht selig ist, den sein Herr wachend findet.
Und ob wir auch den großen Tag dieses Endes hienieden nicht erleben, dennoch bleibt es für jeden einzelnen dabei: Das Ende ist nahe! Das Ende meines und deines Lebens. In tausendfacher Wiederholung predigt uns das Leben: Es ist dem Menschen gesetzt, einmal zu sterben; „und danach das Gericht“, fügt die Bibel hinzu. Lieber Leser, tritt täglich vor diese ernste Wahrheit hin; lass sie dich in alle Bewegung deiner Berufsarbeit, in allen Genuss deiner Erholungen begleiten und dir so oft vom Heiligen Geist zurufen, bis sie dir Gegenstand der Freude und des hohen Trostes wird und du mit Paulus sagen kannst: „Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn.“ (Phi. 1,21) (Hermann Heinrich Grafe)
Es ist aber nahe gekommen das Ende aller Dinge.
Woher kommt es doch, dass dieses Wort von dem herannahenden Ende aller Dinge so wenig Aufmerksamkeit unter den Menschenkindern findet? Vielen ist es eben ein gar unbequemes Wort; die Dinge, deren Ende herbeikommen soll, gefallen ihnen noch zu sehr; sie sind in der Lust zu denselben gefangen; ihr Herz hängt daran; darum mögen sie die Heilige Schrift nicht vom Untergange dieser Dinge reden hören, und weil sie dieselbe nicht hören mögen, so hören sie sie auch nicht. Was meint ihr wohl, wenn man einem Menschen, der sich glücklich fühlt in dem Besitz dieses oder jenes Guts, das Ende seines Glücks verkündigen würde, oder wenn man einem Geizigen, dessen Blick sich an seinem Geld und Gut weidet - doch dürft ihr nicht glauben, dass nur Solche Geizige sind, die Geld und Gut die Fülle haben; es gibt noch viel mehr Geizige, bei welchen es bei der Begierde oder bei dem Wunsche zu besitzen bleibt, aber gesetzt, man sagte einem Geizigen: nimm dich in Acht, dein Geld wird dir unter den Händen zerrinnen, ehe du es dich versiehst; die Diebe werden nachgraben und es dir stehlen; das Feuer wird dein Besitztum verzehren, - was meint ihr wohl, mit welcher Miene er das aufnehmen würde? Würde er nicht unwillig die Ohren wegwenden, und nur um seine Seele hineinfressen lassen, und nur umso fester und mit desto ungeteilterem Herzen und mit brennender Begierde das Gut umfassen, an dem seine Seele hängt, je mehr er befürchten müsste, dass es ihm entrissen werde? O, eben dieser Umstand hemmt die Kraft des Wortes dar Wahrheit an den Herzen der Menschen viel mehr, als man glaubt; darum verschließen sie die Ohren der Wahrheit, und öffnen sie den Fabeln; das rum, weil die Fabeln den Menschen lassen wie er ist, das Wort der Wahrheit aber alle falsche Liebe und Anhänglichkeit in seinem Herzen zerstören will. Deswegen hört er lieber solche Worte, die ihn nicht beunruhigen, die ihn in seinem Sumpfe, in den er sich hineingearbeitet hat, liegen lassen, als solche Worte, die ihn erschrecken und mit gewaltiger Hand rütteln und schütteln. Solchen Leuten also ist es zu unbequem, sich durch das Wort vom Ende aller Dinge in ihrer behaglichen Ruhe stören zu lassen. (Ludwig Hofacker)