1. Petrus 2,12
Andachten
Führt einen guten Wandel unter den Heiden, auf dass die, so von euch afterreden als von Übeltätern, eure guten Werke sehen und Gott preisen, wenn es nun an den Tag kommen wird.
Warum stehlen so viele nicht? Warum betrügen sie nicht? Warum morden sie nicht? Warum brechen sie nicht die Ehe? Warum fluchen und schelten sie nicht? Was hindert sie daran? Die bürgerliche Ordnung. O! wenn die lieben Gelege nicht wären, die Welt würde eine wahre Mördergrube und Hölle werden! Es ist wahr, es gibt auch andere Menschen, welche durch einen besseren Sinn von diesen Sünden abgehalten werden; sie denken edler, sie genossen eine bessere Erziehung, sie würden sich solcher Sünden schämen; die Rücksicht auf ihre Ehre, auf ihr Vermögen, auf ihr Ansehen, auf ihr Amt, auf ihre Reputation, oder ihr von Natur stillerer und sanfterer Charakter hält sie von groben und schändlichen Wandlungen ab. Solche Beweggründe, ob sie gleich in der Stunde der Versuchung, wenn es darauf ankommt, nicht Stand und Stich halten, sind allerdings edler als die ersten; aber das ist doch noch nicht die rechte Triebfeder, warum wir einen guten Wandel führen sollen unter den Menschen. Ein wiedergeborener Mensch hat in sich ganz andere Grundgedanken von dem äußeren frommen Wandel.
Ein Christ hat einen anderen Beweggrund; der Apostel nennt ihn: „auf dass die, so von euch afterreden als von Übeltätern, eure guten Werke sehen und Gott preisen, wenns nun an den Tag kommen wird.“ Ein Christ will und tut Alles zur Ehre Gottes, zur Verherrlichung des großen Namens Jesu, der ihn erkauft und geliebt hat mit ewiger Liebe. Und ob er auch durch die Schwachheit des Fleisches aus dieser Übung fiele, so rafft er sich doch immer wieder auf und sucht den Heiland aufs Neue, und legt sich ihm mit allen seinen Übertretungen immer wieder zu Füßen, und sucht ein ganz neues Herz zu erhalten durch die Kraft des teuren Jesusnamens, durch sein Verdienst und Leiden. So überwindet er auch die äußern Reizungen zur Sünde in der Liebe Christi, dass diesem keine Schande, sondern vielmehr Ehre gemacht werde in einer argen Welt, die ihn verachtet, die ohnedies geschäftig genug ist, alle Fehler, die sie an den Jüngern des Heilands bemerkt, aufzuzählen. (Ludwig Hofacker)