Kolosser 3,15
Andachten
Der Friede Gottes regiere in euren Herzen, zu welchem ihr auch berufen seid in Einem Leibe, und seid dankbar.
Nach Frieden sehnen sich Alle. Aber was zum wahren Frieden dient, danach fragen sie nicht. Friede ist nur bei denen, die sanftmütig und von Herzen demütig sind. Nur durch Geduld kannst du Frieden erlangen. Wenn du Christo nachfolgst, dann wirst du großen Frieden haben. Wähne nicht, den wahren Frieden erlangt zu haben, wenn du keine Beschwerde empfindest. Aber wenn du dich selbst verleugnest, wenn du dich ganz dem Willen Gottes hingibst, nicht das Deine suchst, weder im Großen, noch im Kleinen, dann wirst du so überschwänglichen Frieden haben, als es in dieser zerbrechlichen Hütte möglich ist. Lass fahren die eitlen Sorgen. Mische dich nicht in das, was deines Amtes nicht ist. Was geht es sich an, wie der und jener ist, wie er redet und handelt? Nicht für Andre, für dich, für dich selbst wirst du einst zur Rechenschaft gefordert werden. Habe Gott vor Augen, und jammere nicht. Schaue auf zu dem im Himmel, der die Macht hat, dich aller Bedrängnis zu entreißen. Demütige dich vor ihm. Er wird dir Frieden geben. Verleugne dich; entsage dir; unterwirf dich gern; demütige dich in Allem. Der ganze Friede in diesem armen Leben ist mehr demütige Geduld, als Verschontbleiben von dem Widerwärtigen. Je mehr Einer zu ertragen versteht, desto größeren Frieden besitzt er. Erleuchte mich, o Herr, mit deinem hellen Licht und vertreibe aus meiner Seele alle Finsternis. Töte in mir alle Luft der Welt, damit ich durch dich Frieden erlange, und dein Lob in deinem Tempel, meinem Herzen, erschalle. Bedrohe die Winde und Stürme von Außen. Sprich zum Meere: Sei stille, und zu dem Winde: Lege dich, - so wird mir Ruhe werden. Sende mir von deinen heiligen Höhen Licht und Wahrheit, dass sie mich erleuchten; gieß von oben herab deine Gnade, weil mein Herz sonst ein leeres, wüstes Land ist. Lenke mein Verlangen nach dem, was droben ist. Kette mich an dich mit unlösbaren Banden der Liebe und lass mich nichts von deiner Liebe scheiden. Amen. (Adolf Clemen)
Und der Friede Gottes regiere in euern Herzen, zu welchem ihr auch berufen seid in Einem Leibe, und seid dankbar.
Eine gläubige Seele seufzet: mein Friedensfürst, sprich deinen Frieden auch in mein Herz. Lass mich von meinem Frieden mit Gott kräftig überzeugt werden, und zu dem Frieden in Gott durch deinen Geist kräftig gezogen werden. Wie dein lieber Vater nun ein gnädiges Wohlgefallen an mir hat, nachdem ich durch dich, den Geliebten, mit ihm versöhnet worden: so lass mich wiederum an ihm ein herzliches Wohlgefallen haben. Lass mich in ihm, wie ein Kind in dem Schoß seiner Mutter, ruhen, und mich dergestalt in seine ewige Liebe und Gnade versenken, dass ich durch nichts, was außer mir vorgeht, beunruhigt und gestört werden könne. (Aus Rambachs auserlesenen heilsamen Worten Jesu.)
Und der Friede Gottes regiere in euren Herzen, zu welchem ihr auch berufen seid in Einem Leibe, und seid dankbar.
Wenn es auch im Grunde nicht einen mehrfachen Frieden geben kann, sondern der Friede des Christen immer nur einer ist, so hat er doch verschiedene Eigenschaften. Bald macht er uns stille in der Gewissheit unserer Versöhnung mit Gott, dass er alle Sorgen und Fragen des Herzens, alle Angst und Unruhe des Gewissens zum Schweigen bringt, und wir uns vertrauensvoll dem hingeben, der unser Heil und höchstes Gut ist und nichts anderes als Friedensgedanken über uns haben kann. Bald ist er ein mächtiger Friedensstifter und Regierer in der Gemeinde und im Herzen, dass er keinerlei Streit noch Unfrieden duldet, die Ordnung macht, nach der man leben, und Preis und Ziel bestimmt, nach welchem man ringen soll. In diesem Sinne ermahnt hier der Apostel zum Frieden und weiset darauf hin, dass wir dazu berufen sind in einem Leibe. Denn wir sind ein Leib in Christo JEsu, unter Ihm, als unserm Haupt, zusammengefügt zu einer heiligen und seligen Gemeinschaft, da einer dem andern dienen, einer sich dem andern ein- und unterordnen und so mitwirken und arbeiten soll zum gemeinsamen Besten. Wo aber der Friede Gottes eingekehrt ist im Herzen und hat seine Herrschaft darin aufgerichtet, dass das Herz gar keine Lust mehr fühlt, sich der Aufregung irgendeiner Leidenschaft hin zugeben, da sucht es auch Frieden um sich her zu schaffen, und wo sich Streit erhebt, da zeigt der Friede Gottes, dass die Gemeinde zum Frieden berufen ist, und nur die Friedfertigen das Kleinod erlangen.
Du hast uns Deinen Frieden verheißen, lieber HErr, und willst ihn allen denen geben, die sich danach sehnen und Deine Segenshand im Glauben fassen. Schenke auch uns diesen Frieden, denn uns verlangt von ganzem Herzen danach. Bringe zum Schweigen das unruhige Gewissen durch den Trost Deiner Vergebung, mache still die unruhige Seele und lass uns ganz und gar in Deinem Willen ruhen, der allewege der Beste ist. Aber lass auch Deinen Frieden in unsern Herzen regieren, dass er keinen Streit duldet, sondern Frieden schafft und Frieden stiftet mit allen denen, die mit uns durch den Glauben an Dich zu einem Leibe verbunden sind, damit wir die Verheißung erlangen, die Du den Friedfertigen gegeben hast und den Segen der Kindschaft empfangen. Amen. (Hermann Haccius)
Seid dankbar.
Das Danken ist ein himmlisch Werk und hebt den Menschen weit über Berg und Wolken, hinauf in die Ewigkeit. Das Danken hat der Apostel Paulus recht verstanden. Wenn er eine Epistel schrieb, so hat er sie fast immer mit einem Dank gegen Gott angefangen. Und wenn uns die Offenbarung Sankt Johannis in die Seligkeit schauen lässt, so finden wir die Scharen der Erlösten um den Thron Gottes stehen und mit fröhlicher Stimme singen: „Halleluja! Heil und Preis, Ehre und Kraft sei Gott, unserm Herrn.“ Und wenn Menschenkinder danken, dann legt sich etwas von himmlischer, seliger Lust ins Herz, und das tut uns wohl. Darum werden wir himmelan gerufen, wenn uns aus unsrer Epistel die Mahnung kommt: Seid dankbar. Himmlisches Locken ist es, wenn Gottes Wort uns zuruft: „Danket dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte währt ewig.“ Ach, und himmlisch sollen und wollen wir doch gesinnt sein, und in der Seligkeit soll und will doch unser Herz ausruhen.
Aber wir leben in dieser Welt, und unsre Füße stehen noch nicht in der himmlischen Heimat. Bei uns ist das Flehen mächtig: „Gott sei mir Sünder gnädig!“ Bei uns ist die Bitte gewaltig: „Sorge, Vater, sorge Du, sorge für mein Sorgen.“ Bei uns ist die Sehnsucht immer lebendig: „Ach, dass die Hilfe aus Zion über Israel käme!“ Da will das Danken nicht so recht hindurchbrechen. Und hat Gott die Sünde vergeben und die Sorge gewendet und die Hilfe gebracht, dann ist schon wieder neue Sünde auf dem Wege und neue Sorge vor der Tür und neue Sehnsucht im Herzen. Da will das Danken nicht aus dem Herzen dringen. Das ist nicht recht. „Seid dankbar“ so ruft unser Herr uns zu und weckt uns auf, dass wir nicht vergessen, aus wie viel Sündenleid, aus wie viel Kreuzesweh, aus wie viel Sehnsuchtsschmerz er uns errettet hat. Seele, vergiss es ja nicht! Christenherz, sei dankbar!
Lasst uns beten: Zu Dir, Du Vater der Barmherzigkeit und Gott alles Trostes, kommen wir in der Frühe dieses Sonntags und danken Dir, dass Du uns in der vergangenen Nacht nahe geblieben bist und hast Schaden und Leid von uns gewendet. Lass heute diesen Tag einen rechten Tag des Dankens werden. Zich uns himmelan und hebe unser Herz heraus aus dem Leid und Wehe dieses Lebens, dass wir uns fein sanft im Geist über den Staub dieser Erde erheben und Dir unsre Wege befehlen und Dir danken, dass Du unsres Angesichts Hilfe und unser Gott bist. Treibe doch den trüben Geist aus uns heraus und schenke uns Deinen Heiligen Geist, der Lust und Freude bringt, damit wir nicht vergessen, dass Du so Großes an uns getan hast. Lass himmlischen Jubelton in unserm Leben laut wiederhallen. Amen. (Wilhelm Hunzinger)