Epheser 5,6
Andachten
Lasst euch niemand verführen mit vergeblichen Worten; denn um dieser willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Unglaubens. Darum seid nicht ihre Mitgenossen.
Der Apostel weiß wohl, wie die Welt die von ihm genannten Sünden ansieht, und wie sie bemüht ist, die Gewissen für die Übertretung des sechsten und siebenten Gebotes abzustumpfen und zu er töten und jeder Begierde das Recht der Erfüllung zuzusprechen. Er weiß, wie die Diener der Lüste als Verführer an dem Lebenswege anderer stehen und sie zu sich herüberzuziehen suchen. Er weiß, wie viele der Lockung erliegen, die Drohung des Zornes Gottes verlachen und die Predigt von der ewigen Pein als ein Märchen verhöhnen. Der Unglaube weiß alle diese Sünden so zu verteidigen und zu schmücken, dass sie wo nicht gar wie Tugenden, so doch wie erlaubte Freiheiten und zum mindesten wie verzeihliche Schwachheiten aussehen. Der Apostel nennt das vergebliche Worte, denn so dreist und sicher sie auch hervortreten, und so viele Anhänger sie auch finden, es wird ihnen doch nicht gelingen, das Saure süß und die Finsternis licht zu machen. Man sage auch nicht, ein Christ brauche sich nicht mehr vor dem Zorn Gottes zu fürchten, denn er habe die Gnade, und Gott wolle von seinen Kindern gar keine knechtische Furcht. Auch das sind vergebliche Worte, denn wir sind in diesem Leben beides, Knechte nach dem alten und Kinder nach dem neuen Menschen, und wenn der heilige Sänger spricht: „ich fürchte mich vor Dir, dass mir die Haut schaudert“, so weiß er wohl warum. Wer sich vor der Hölle noch nie gefürchtet hat, der hat sich auch auf den Himmel noch nie gefreut, denn so gewiss ist keiner seiner Seligkeit, dass es unmöglich wäre, sie zu verlieren.
Lieber himmlischer Vater, lass uns allezeit fest und getreu bei Deinem klaren Worte bleiben, damit wir nicht verführt werden durch vergebliche Worte. Behüte uns, dass wir nie sicher werden, noch des zukünftigen Gerichtes vergessen, sondern lass uns allezeit wacker sein und beten und stehe uns bei mit Deinem Heiligen Geist, dass wir mit heiligem Wandel und gottseligem Wesen bereit seien, wenn Dein lieber Sohn kommt, Ihn mit Freuden zu empfangen, auf dass wir dann durch Ihn aus der Sterblichkeit in die Unsterblichkeit, aus der Schwachheit in die Kraft, aus dem Leid in die Freude, aus dem Irdischen in das Himmlische versetzt werden mögen. Amen. (Hermann Haccius)