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1. Korinther 1,25

1. Korinther 1,25

Andachten

Die göttliche Torheit ist weiser, denn die Menschen sind, und die göttliche Schwachheit ist stärker, denn die Menschen sind.

Die Griechen nannten das Evangelium von dem Gekreuzigten eine Torheit. Im höchsten Grade töricht und lächerlich kam es ihnen vor, dass ein Gekreuzigter sollte der sein, an den man glauben müsste, um Heil und Leben für Zeit und Ewigkeit zu finden. Die Juden nannten's eine Schwachheit, und nahmen großes Ärgernis daran, weil sie einen gewaltigen König erwarteten und nur von einem solchen etwas Großes glaubten sich versprechen zu dürfen. So sahen sie es als eine Gotteslästerung an, dass man einen so armseligen Heiland ihnen anpreisen wolle, der als Missetäter gestorben und da in seiner ganzen Ohnmacht dargestellt worden sei. Nun ist aber doch solch Evangelium vom Gekreuzigten eine göttliche, von Gott befohlene Predigt; und so nennt es Paulus, indem er Gottes Rat und der Menschen Urteil darüber zusammenstellt, eine göttliche Torheit und eine göttliche Schwachheit.

Diese göttliche Torheit aber, sagt er, sei weiser, denn die Menschen sind, d. h. es liege mehr Weisheit darin verborgen, als alle Menschen miteinander ersinnen könnten. Die Klugen dieser Welt wollen's freilich heute noch nicht fassen, schütteln über Vielem den Kopf, und meinen, es sei mit der Vernunft nicht sehr im Einklange, was man von JEsu predige, namentlich auch, was man von der Bedeutung Seines Todes sage. Es wird sich aber einmal herausstellen, welche Tiefen der Weisheit in diesem göttlichen Heilsplan verborgen liegen; und auch jetzt schon kann man Weisheit genug darin finden, wenn man nur die Augen auftun wollte, so viel Weisheit, dass ein darin erfahrener Christ nun umgekehrt nur lächeln kann über die menschliche Torheit, die sich in der Weisheit der Weisen herausstellt.

Nennen's die Juden Schwachheit, so sagt Paulus, sei diese göttliche Schwachheit stärker, als die Menschen sind, stärker als Alles, was menschliche Macht und Größe zu Stande bringen mag. Man will freilich dem Evangelium oft wenig Macht zutrauen; und gar manche andere Predigt halten Viele für wirksamer, als die Predigt vom Kreuze. Aber wir können's ja sehen, wie die Kirchen immer voller werden, wo man vom Kreuze Christi redet, und immer leerer, wenn man davon schweigt, ein Beweis, dass jenes eine Macht hat über die Herzen, wie sonst nichts Anderes. Ein Blick zum Kreuze hat schon die härtesten Herzen gebrochen. Was anders als das Kreuz Christi, hat die alte Welt in kurzer Zeit umgewandelt? Was anders hat dem Evangelium Bahn gemacht in unsern Tagen in allen Ländern, als seine Lehre vom Kreuze? Mit der Schwachheit des Fleisches, die allerdings beim Kreuzestode Christi hervortrat, ist eine neue Zeit der Kraft angebrochen; und weil Er ja doch wieder auferstanden ist, gewinnt's nun die Schwachheit des Kreuzes über die ganze Schöpfung, bis ein neuer Himmel und eine neue Erde da stehen.

Wollen wir denn auch uns, die wir daran glauben, gerne Toren und Schwache nennen lassen; denn wir sind mit solchem Glauben gleichfalls weiser und stärker, als die Menschen sind. Solcher Glaube macht uns weiser, um richtig zu wandeln in einer Welt voll Dunkel und Ärgernissen, und stärker, um Alles siegreich zu überwinden, an dem Andere jämmerlich unterliegen. (Christoph Blumhardt)


Die göttliche Torheit ist weiser, denn die Menschen sind; und die göttliche Schwachheit ist stärker, denn die Menschen sind.

Nicht wahr, das klingt gar widersinnig, was da der Apostel sagt? Wie kann denn bei dem Allweisen von Torheit, wie kann bei dem Allmächtigen von Schwachheit die Rede sein? Nun, wir verstehen schon diese großartige, heilig ironische Paradoxie. Er meint ja nicht, dass Gott wirklich je und dann schwach und töricht sei, aber dass Er es nach der Meinung der Welt, ja auch nach der Meinung seiner besten Jünger oft sei. Dennoch, sagt der Apostel, wird es sich ausweisen, dass diese scheinbare göttliche Schwäche stärker ist als alle Stärke der Menschen, und seine Torheit weiser als alle Weisheit der Welt.

Es ist wohl nicht zu viel gesagt, dass jeder Christ, der wirklich ein inneres Leben kennt, für diese apostolischen Sätze schlagende Belege bringen könnte; ja, man könnte die ganze Welt- und Kirchen-Geschichte nach diesem Thema schreiben. Einen glänzenden Kommentar dazu liefert aber auch grade das heutige freudenreiche Evangelium von der Auferstehung Christi.

Wie ich wach war doch Gott geworden auf Golgatha! wie töricht schien es, dass Er sein Kind so unterliegen ließ! Wie glänzend hatte die Welt über Gottes Sache gesiegt! Ja, sie hatten sich einmal Alle zusammengetan, um zu zeigen, was sie vermöchten, die Herren vom Weltregiment aus Rom, die Würdenträger der Kirche, Priester, Soldaten, Theologen, Straßenjungen, Verbrecher, abgefallene Jünger, Könige, Sklaven, - sie alle hatten sich zusammen getan. Alle ihre Weisheit, Gewalt, Kraft, Verstand, Spott und Hass hatten sie vereinigt gegen den König der Wahrheit. - Und wie fein war ihnen ihr Anschlag gelungen! Sie haben ihn wirklich unter die Füße gekriegt, ja, sie haben ihn unter ihren Füßen zertreten. Sie haben ihren Spott mit ihm getrieben, wie mit einem Narren, und nicht das sie ihn nur so im Sturm der Leidenschaften in den Tod gerissen haben, nein, sie haben es fertig gebracht, ihn unter allen Formen Rechtens zu verdammen, ja sogar zweimal zum Tode zu verdammen. So haben sie ihn abgeschlachtet. Jesus ging den Weg alles Fleisches, nur viel elendiger und jämmerlicher wie andere Menschen.

Auf den Grabstein Jesu drücken die klugen Kirchenfürsten ihr Amtssiegel, ans Grab lagern sie eine Soldatenwache, - nur zum Überfluss noch. „Sieg! Sieg! vollkommener Sieg!“ schreit man in den Palästen der Gottlosen sowohl wie in den Wohnungen der Heuchler. In der Tat, das Grab Christi war der höchste Erweis der Macht und Weisheit der Welt und nicht minder der höchste Erweis dessen, was Paulus die „Torheit und Schwachheit Gottes“ nennt. Dreimal haben sich die Feinde Jesu mit dem beruhigenden Gefühl schlafen gelegt: „Nun, mit Dem sind wir fertig! Man sieht doch, was man kann, wenn man erst einmal energisch zugreift!“ Die Freunde und Jünger Jesu aber schlichen traurig einher, ratlos, glaubenslos, hoffnungslos.

So ist der Ostermorgen gekommen. Da auf einmal erweist sich die wunderbare Macht der göttlichen Ohnmacht. Wie, was ist das? Hat sich doch keine menschliche Hand für die Sache Gottes geregt! Nein, aber Gottes eigene Hand. Siehe, die Erde rührt sich, man spürt das Walten unsichtbarer Mächte. Da, schneller wie der Gedanke, ist der deckende Stein weggestürzt; die Kriegsknechte fliehen entsetzt; Jesus, der Gekreuzigte, ist zum Auferstandenen geworden; in unbeschreiblicher Verklärungsherrlichkeit geht Er leuchtend hervor aus der Grabesnacht. Auf dem abgewälzten Stein sitzen Boten der himmlischen Welt mit freudestrahlendem Antlitz; sie verkünden den zitternden Jüngern und Jüngerinnen: „Jesus lebt! Jesus lebt für euch!“ Triumphierend geht die Sonne auf über dem Garten Josephs und verkündet der Welt den Aufgang der Sonne, die in Ewigkeit nicht mehr untergehen kann.

So schnell, so leicht hatte Gott gesiegt, als seine Stunde gekommen war. Woran die Vertreter der geistlichen und weltlichen Gewalten so lange sich gequält hatten, mit so viel langen Sitzungen bei Tag und bei Nacht, mit so viel Kopfzerbrechen, Überlegungen, Listen, Schlichen, Ränken, Bestechungen, Verleumdungen, Komplotten, Schmeicheleien und Drohungen, das Alles ist nun mit einem Schlag, in einer Sekunde, als eitel Nichts offenbar geworden. Die göttliche Schwachheit und Torheit hatten ihre glänzende Übermacht über die Weisheit und Stärke der Welt bewiesen.

Merkt ihr wohl, liebe Leser, wie uns Gott der Herr tröstet durch dieses Osterevangelium? Merkt ihr, wie Er den rechten Christen auch grade in dieser unserer Zeit das Herz dadurch stärken will? Au, auch heutzutage muss das wahre Christentum bei den meisten Wortführern und Werkführern unseres Geschlechts ein überwundener Standpunkt sein. Die alte Bibel ist durch die Resultate einer fortgeschrittenen Wissenschaft längst widerlegt. Das, was seit 1800 Jahren als Christentum galt, wird als Ballast über Bord geworfen; es sind altfränkische Sachen, „die kein vernünftiger Mensch mehr glaubt“. Die meisten Sprecher unseres Geschlechtes sagen das, und einer schwätzt es dem Anderen nach. Jeder dünkt sich gebildeter zu werden, wenn er nur recht auf die Pietisten, Orthodoxen und frommen Dunkelmänner schimpft. So ist der Ton in der „Christenheit“, und nach diesem Ton tanzt alle Welt.

Und Gott schweigt; Er ist schwach geworden. Und noch schwächer scheint Er uns, wenn wir in die Kreise Derer schauen, die noch ein Herz haben für das Christentum. Da ist allermeist Unklarheit, Mutlosigkeit, Kleinglaube und, was das Schlimmste ist, Zank und Zwietracht. Und nun gar zwischen Staat und Kirche ein Gestreite und Gewirre; das wird immer finsterer; man sieht keinen Ausweg aus diesem Labyrinth. Was aber die Knechte Christi auf Erden in treuem Sinn unternehmen, darauf trifft Schlag auf Schlag. Sie müssen mit Tränen säen und können so selten mit Freuden ernten. Und Gott lässt das Alles so gehen; Er schweigt, als ob's ihn nichts anginge. Und dabei soll man noch glauben, dass sich alle Knie beugen werden und alle Zungen bekennen, dass Jesus Christus der Herr sei?! Da verlieren dann viele den Mut und fragen: Herr, wo will's hinaus?

Aber nur stille; denkt an die Ostergeschichte! Gott wartet, es ist noch nicht Zeit an seiner Uhr; wenn's da schlägt, wird er sich regen. Wann das ist? Wir wissen es nicht, aber jedenfalls zur rechten Zeit. Wir brauchen nicht auf den Untergang der Welt zu warten; es kann morgen sein, es kann auch noch lange währen, - dann wird Jesus wieder einmal seine Herrlichkeit offenbaren Allen, die mit ihm beharrt haben in seinen Anfechtungen. Verflucht sei nur im Reich unseres Herrn alle Verzagtheit, Halbheit, Mattherzigkeit, Faulheit und alles Ärgernis an der vermeintlichen Schwäche Gottes!

Arbeiten, wirken, dulden, lieben und noch einmal lieben in der Nachfolge Christi, und das alles mit freudigem Geist, mit dem Sieg im Herzen, (wie Christus mitten im Unterliegen den Sieg im Herzen trug.) - das ist heute aller wahren Christen Beruf. Gottes Sachen sind in Gottes Händen, das soll unser Trost sein. Wer weiß, wie bald, (gleichwie in den Tagen Reformation) ein neuer wonnevoller Ostertag erscheinen wird, da Er selbst, der himmlische Durchbrecher, seinem Reich auf Erden neue unerwartete Wege bahnen, alle scheinbar unlösbaren Wirrnisse zerteilen, alle Berge ins Meer werfen wird? Dann werden sich seine Jünger freuen mit unaussprechlicher Freude, dann werden sie erkennen, dass sie keine Träne umsonst geweint haben, dass kein Wert der Liebe verloren worden ist; dann werden auch Unzählige, die jetzt aufrichtig suchen und doch nicht finden können, wegen der großen Trübnis dieser Zeit, - mit Entzücken finden und den Sieg verkünden. (Otto Funcke)

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