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1. Korinther 15,58

1. Korinther 15,58

Andachten

Ihr wisst, dass eure Arbeit nicht vergeblich ist in dem HErrn.
Ein Arbeiter ist seines Lohnes wert. Dieses sagte Christus Luk. 10,7. und der Heilige Geist durch Paulus 1 tim. 5,18. Der Lohn eines Ackermanns ist die Ernte, der Lohn eines Taglöhners die Speise und das Geld, so er bekommt, usw. Und so wird Vieles in der Welt freiwillig oder vermöge eines Vertrags belohnt. Allein ein Christ tut Vieles, wofür er von Menschen keinen Lohn verlangt und erwartet. Er schaffet für sich selbst mit Furcht und Zittern, dass er selig werde. Er sucht Andere mit Worten und Werken zur Buße und zum Glauben zu reizen. Er übet Barmherzigkeit und Geduld, und teilt den Armen von seinem Vermögen mit. Er enthält sich aller Dinge, die seiner Seele schädlich, und seinem Christenlauf hinderlich sind, obschon viele derselben ihm nach den bürgerlichen Rechten und Gebräuchen erlaubt wären. Und so übernimmt er in seinem Hausstand, in seiner Kinderzucht, in seinem Amt und in seinem Umgang mit dem Nächsten immer mehr Arbeit, als ihm von Menschen befohlen ist, und auf Erden belohnt wird. Ja, er tut auch dasjenige, wofür er einen irdischen Lohn empfängt, in der Lauterkeit und Einfältigkeit seines Herzens um des HErrn willen, und sieht dasjenige, was er auf Erden dafür empfängt, nicht für seinen völligen Lohn an.

Ist aber nicht ein Arbeiter seines Lohnes auch bei Gott wert? Ja, aber nicht so, dass ihm Gott etwas schuldig wäre: denn weil Alles Sein ist, was unter allen Himmel ist, weil das Wesen des Arbeiters und seine Kraft, womit er arbeitet, von Ihm ist, weil Alles nur durch Ihn gelingt, und zu Seiner Ehre Alles geschehen soll, so kann er sagen: wer hat Mir etwas zuvorgegeben, dass Ich’s ihm vergelte? Hiob 41,2. Röm. 11,35.36. Und weil alles Gute, das von Gott auf die Menschen fließt, aus Gnaden kommt, so ist’s nicht aus Verdienst der Werke: sonst würde Gnade nicht Gnade sein. Wäre es aber aus Verdienst der Werke, so wäre die Gnade nichts: sonst wäre Verdienst nicht Verdienst. Röm. 11,6. Aus Gnaden also hält der gütige und reiche Gott den Arbeiter seines Lohnes wert, und gibt ihm diesen Lohn zur rechten Zeit. Wann ist aber diese Zeit? Sie ist in gewissem Maße immerdar: denn zu allen Zeiten vergilt Gott die Arbeit, die man um Seines Namens willen übernimmt, mit Seinem Segen. Doch der Tag Jesu Christi ist die Zeit der völligen Vergeltung. An demselben wird Er kommen, und sein Lohn mit Ihm, zu geben einem Jeglichen, wie sein Werk bei der Entdeckung und Schätzung desselben sein wird. Offenb. Joh. 22,12. Wer dafür hält, dass er diesem HErrn diene, wird von Herzen tun, was er tut, und wird mehr tun, als ein Jeder, der nur als ein Menschenknecht handelt. Er wird aber auch von dem HErrn die Vergeltung des Erbes empfangen. Was ein Erbe heißt, folglich vermöge des Kindschaftsrechts umsonst gegeben wird, wird zugleich auch eine Vergeltung der Arbeit sein, die man im Dienst des HErrn, welcher zugleich Vater ist, übernommen hat. Man erwäge, was Paulus Kol. 3,22.23.24. zu den leibeigenen Knechten, die Christen waren, sagte, und mache daraus den Schluss, dass nur derjenige lässig und unmutig in der Ausübung seiner Pflichten sei, und immer über den Undank der Menschen klage, der die Vergeltung des himmlischen Erbes oder den göttlichen Gnadenlohn nicht hoffet und als sein Ziel vor Augen hat. (Magnus Friedrich Roos)


Darum, meine lieben Brüder, seid fest, unbeweglich, und nehmt immer zu in dem Werk des Herrn, sintemal ihr wisst, dass eure Arbeit nicht vergeblich ist in dem Herrn.
Das muss des Streiters erste Sorge sein, dass er fest sei, dass er sich wohl ausrüste. Wohl uns, dass wir die Waffen haben, die uns schützen wider die feurigen Pfeile des Bösewichts: den Gurt der Wahrheit, den Schild des Glaubens, den Helm des Heils, das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes. Diese Rüstung lasst uns anlegen, dass wir fest werden. Seid fest und unbeweglich. Verlasst den Bosten nicht, auf den Gott euch gestellt hat. Seid getreu bis an den Tod. Weicht nicht zurück, wenn es gilt, dem Bösen zu widerstehen, die Heiligtümer Gottes zu verteidigen. Sieber ehrenvolle Wunden, lieber sich opfern als fliehen und zurückweichen; lieber Schmach und Hohn, als das Heilige preisgeben; lieber fallen auf dem Posten, als Den verlassen, zu dessen Fahne ihr geschworen. Und nehmt immer zu in dem Werke des Herrn. Vorwärts, das ist des Christen Losung. Niemals fertig, und niemals stille stehen. Nehmt immer, nehmt heute zu in dem Werte des Herrn, in der Heiligung, in der treuen Pflichterfüllung, in der Geduld mit den Schwächeren, in der selbstvergessenden Liebe. Nehmt heute zu in der Mitarbeit am Reiche Gottes - sintemal ihr wisst, dass eure Arbeit nicht vergeblich ist in dem Herrn. Manche Arbeit scheint vergeblich. Oft ist Grund dazu der Klage: Wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gewonnen. Aber was wir im Herrn getan, ist nie umsonst. Diese Werke folgen uns nach. Jede Entsagung, jeder Sieg über uns selbst; jede Aussaat in Liebe und Glauben, ob auch vor Menschenaugen völlig vergeblich, trägt eine ewige Freudenernte. (Adolf Clemen)


Sei fest und unbeweglich und nimm immer zu in dem Werke des Herrn.
Zu welchem heiligen Ernste ruft der heutige Tag mich auf! Es ist der vorletzte des Kirchenjahres. An den abermals vollendeten Kreis der Feste und heiligen Tage, in denen mir die Kirche des Herrn wieder ein Jahr hindurch alle die herrlichen Güter des Himmelreichs darbot, schließt in wenigen Stunden ein neuer sich an. So prüfe dich, o Seele, mit ernstem Nachdenken, dass du ergreifst das Eine, was not ist!

Das Wort des Lebens ist dir an heiliger Stätte verkündigt worden: hast du es auch heilsbegierig gesucht, mit freudigem Glauben aufgenommen und mit unerschütterlicher Treue festgehalten? Es ist ein festes prophetisches Wort, erbaut auf dem Grund der Propheten und Apostel, davon Jesus Christus der Eckstein ist: hast du, mein Herz, auch freudig an ihm festgehalten und es zur Richtschnur deiner Bestrebungen gewählt? Es ist das Licht der Welt, wer ihm anhängt, der wird nicht wandeln in Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben: hat es auch dich, mein Geist, erleuchtet und jede Nacht des Irrtums und jede dunkle Wolke des Zweifels und des Unglaubens von dir verscheucht? O, wie erblicke ich doch in dieser Zeit immer noch so viel Aberglauben und Zweifelsucht unter den Gliedern der Herde Christi! Wehe mir, wenn der verderbte Geist der Zeit auch mein Herz ergriffe und der eitle Wahn der Menschen auch mich in meinem Glauben irre machte! Wehe mir, wenn das einfache, reine und lautere Wort des Herrn meinen verweltlichten Gefühlen nicht mehr zusagte und ich im Dünkel eigener Weisheit das seligmachende Wort des Herrn verschmähte! Habe ich redlich gekämpft gegen den verderblichen Geist der Schwärmerei, wenn er von innen oder von außen mir entgegentrat? Habe ich mit wahrem Eifer danach gestrebt, am eigenen Herzen die beseligende Kraft des lauteren Evangeliums zu erfahren? Herr, ich will Dir treu bleiben. Sei Du mit mir. Ringen will ich täglich mehr und mehr nach der Erkenntnis Deines Willens, ich will zunehmen an Einsicht und Glaubenskraft, ich will feststehen und mit jedem Tage an jener männlichen Würde wachsen, wo ich nicht mehr von jeglichem Winde der Lehre mich wiegen und wägen lasse. O Herz, mein Herz, du sollst behaupten, was du hast, du sollst dir von Niemand deine Krone rauben lassen!

Und hat die Kraft des Geistes in dem heiligen Worte und Werke des Herrn sich auch in Wahrheit bewährt an meinem inneren und äußeren Menschen? Habe ich durch sie mich tüchtig machen lassen, dass ich dem Herrn würdig zu allem Gefallen wandelte und fruchtbar war an guten Werken? O, wohl mir, wenn mir solches gelungen ist! Heil und Friede mir, wenn ich, durch das Wort des Herrn erweicht, in aufrichtiger Reue und Buße nach der Gnade gerungen, im Frohgefühl des göttlichen Erbarmers von den Banden der Sünde mich losgemacht und zu dem neuen Leben der Heiligung mich aufgeschwungen habe! Heil mir und reiche Beseligung, wenn ich stets mit dem recht zubereiteten Herzen in Dein Heiligtum, o Herr, gekommen bin, so dass jedes Samenkorn des göttlichen Wortes in mir keimen und wurzeln und bleibende und gesegnete Frucht bringen konnte! Heil mir und reiche Beseligung, wenn ich jedes Mal neue Kraft gefunden habe, mit größerer Treue und Innigkeit die Pflichten meines Lebens zu er füllen, mit neuem Eifer dem Unvergänglichen und Himmlischen nachzuringen und mich in jener Bruderliebe zu befestigen, die im Aufopfern und Hingeben ihr schönstes Glück findet! Wie muss ich Euch glücklich preisen, Euch, die Ihr an der heiligen Stätte es lerntet, täglich bessere Gatten, liebendere Eltern, frömmere Kinder, zärtlichere Geschwister, gewissenhaftere Dienende, unwandelbarere Freunde, dienstwilligere Nachbarn, gehorsamere und aufopferndere Bürger zu werden! Ach, mit welchem Schmerzgefühl muss ich aber bekennen, dass ich die guten Regungen, die mir im Heiligtum des Herrn zu Teil geworden sind, nicht immer so benutzt habe, wie ich sollte! Wie so manches Samenkorn des Guten ist auf den Acker meines Herzens gefallen, ohne Frucht zu bringen! Wie gar manche fromme Rührung ist wieder dahingeschwunden und wie mancher gute Vorsatz abgewelkt, wie eine früh verblühte Blume! Ich habe oft Buße getan, und immer fiel ich wieder in die alten Sünden zurück. Ich hatte so oft schon den Weg der Besserung betreten, und wenn die Versuchungen kamen, so strauchelte und fiel ich wieder. O darum, Herr, will ich von heute an mit neuem freudigen Mute vorwärts ringen. Ich fasse aufs Neue den Entschluss, täglich weiser, besser und standhafter im Guten zu werden, damit, wenn einst der Tag der Rechenschaft vor Dir erscheint, ich getrost und freudig vor Deinem Angesichte stehen möge. Sei Du mit mir und stärke mich!

Und es gibt für mich in dem Pilgerleben dieser Zeit raue und steile Pfade zu übersteigen; es gibt hienieden angstvolle Trauertage und dunkle Trauernächte, wo ich mich vergebens nach Hilfe umschaue; es gibt schwere Stunden, wo selbst Freunde mit ihrer treuen Hilfe mir nimmer zu helfen vermögen. In solchen bangen Stunden tröstet mich allein das Wort des Herrn, meines Gottes, und Niemand sonst. In solchen bangen Stunden finde ich daheim im Kämmerlein der Anbetung, finde ich in deinen heiligen Hallen, o Haus meines Gottes, den Frieden, in welchem ich ausruhen lerne. Aber bin ich auch stets, leidend, zagend und schmerzbeladen, zu euch hingegangen, ihr stillen Friedensstätten, um das sorgenvolle Herz vor dem Besten der Väter aus zuschütten und die Hilfe bei dem Mächtigsten aller Helfer zu suchen? Oder habe ich mich umgeschaut nach anderen Wegen, die keine Rettung bringen, und nach anderen Tröstern, die keine Ruhe geben konnten? Und wenn ich zu euch hineilte, hast du dich auch, mein Herz, dem Troste geöffnet, welcher dir hier entgegentönte? Hast du auch, meine Seele, in dich aufgenommen alle die herrlichen Verheißungen von jener göttlichen Allmacht, die mit einem Winke des Auges Himmel und Erde bewegt, und von Seiner Weisheit, die auch das Grauen der tiefsten Finsternis durchschaut, und von Seiner Güte, die ewig nicht müde wird, dich zu erfreuen und zu beglücken und für den Himmel zu erziehen? Und bin ich hinweggegangen beruhigter beim Hinblick auf 'drohende Gefahren, getroster und mutiger im Tragen der Lasten, welche auf mir lagen, und stark und siegreich selbst bei den Schrecken des Todes und dem Grauen des Grabes? Ach, wie ist es meine Schuld, wenn nicht alle der Friede, die Freude und Seligkeit im Heiligen Geiste, welche in Deinem Heiligtume wohnen, o Herr, sich auch über meine Seele ergossen haben! Wie ist es meine Schuld, wenn nicht jede heilige Stunde der Anbetung mich über die Dürftigkeit dieser Erde, über den Kampf des Lebens und den Schmerz der Trübsal hinangehoben und mit dem Vorgeschmack göttlicher und himmlischer Wonne mich beseligt hat!

Herr, siehe, vor Dir erneuere ich heute den frommen Vorsatz, dass ich mit jedem Tage, mit jedem Jahre, welches Deine Güte mir schenkt, in Dir reicher, völliger und vollendeter werden will. Erhalte mir Deines Lichtes hellen Schein, rüste mich aus mit Deines Geistes wunderbarer Kraft, stehe mir bei in den Stunden der Versuchung und des Kampfes und hilf mir einst selig überwinden! Amen. (Gerhard Friederich)

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