1. Korinther 11,27

Andachten

Welcher nun unwürdig von diesem Brote isst, oder von dem Kelch des Herrn trinkt, der ist schuldig an dem Leib und Blut des Herrn. Der Mensch prüfe aber sich selbst, und also esse er von diesem Brot und trinke von diesem Kelch.
Der Genuss des heiligen Abendmahles ist das Höchste, was die christliche Kirche im Namen des Herrn uns darzureichen hat; denn er ist die Darreichung Christi und seines ganzen Werkes, zusammengefasst in einer einzigen Handlung. Und wer dasselbe in der rechten Verfassung empfängt, der setzt sich in die innigste Gemeinschaft mit dem verklärten Christus, welcher unter der Gestalt des Brotes und Weines bei ihm einkehrt und ihm eben dadurch seinen Gnadenstand versiegelt, Denn, wie es ein Zeichen hoher Gewogenheit eines Landesherrn ist, wenn derselbe in das Haus eines seiner Untertanen einkehrt, so ist es ein Beweis Allerhöchster Gnade, ein Beweis, dass alle Sünden vergeben, alle Feindschaft aus dem Mittel getan ist, wenn der Gottmensch bei uns Einzug hält. Er kann ja nichts anders mitbringen, als Friede, Freude, Kraft zum Leben und Seligkeit, denn dies Alles haftet an seiner Person. Je höher aber das Gut ist, welches uns mitgeteilt wird, desto schrecklicher ist auch sein Missbrauch, und je heiliger die Person, die uns besucht, desto verhängnisvoller ihre Verachtung. Groß war die Sünde der alten Juden, welche die Propheten des Herrn verachteten und töteten. Größer aber war die Sünde der Hohenpriester, welche den Herrn selbst verwarfen und umbrachten; denn es gehört eine stärkere Verhärtung des Gemüts dazu, und eine dichtere Verfinsterung des Herzens, um der gnadenreichen Erscheinung des Herrn, der Sonne der Gerechtigkeit selbst, Widerstand leisten zu können. Keiner der einzelnen Strahlen, welche vom Evangelio ausgehen und uns ins Herz fallen, kann ohne Schaden für unsere Seele zurückgewiesen werden. Aber wenn der Herr nun in eigener Person vor unsres Herzens Tür erscheint und anklopft und Einlass begehrt, und wir öffnen Ihm auch die Tür, aber nicht, um Ihn zu ehren, sondern um Ihn zu beschimpfen und aufs Neue zu geißeln und zu töten, wie groß muss diese Versündigung sein! Welche vernichtende Folgen muss sie für den Rest des Göttlichen in uns haben! Und eben dies ist die Sünde, welche der begeht, welcher unwürdig von dem Brote des Abendmahls isst und von dem Kelche des Herrn trinkt. Denn es ist nicht gewöhnliches Brot und gewöhnlicher Wein, sondern es ist solches Brot und solcher Wein, mit dem der Herr Christus sich verbunden hat und unter dem Er sich denen darreicht, die es genießen. Wie, sprichst du, reicht sich der Herr Christus auch denen dar, die seiner nicht wert sind? Aber wenn dem nicht so wäre, würde der Apostel sagen können, dass der unwürdig Genießende schuldig sei an dem Leibe und Blute des Herrn, d. h. dass er in sich selbst die Tat aufs Neue vollzieht, die den Herrn ans Kreuz gebracht? Und gibt der Herr nicht denen Gelegenheit, Ähnliches zu tun, welchen Er sich im Worte Gottes darbietet, und durch dieses Mittel bei ihnen Einzug halten will? Ach, des Herrn Gnade ist so groß, dass Er sich auch den Unwürdigen darbietet und darreicht, auf dass sie keine Entschuldigung haben. Und gleichwie der Herr bei denen, die Ihn aus seinem Worte kennen und Ihn doch nicht lieben, eine Art von Wohnung in ihrer Seele hat, aber nicht zu seiner Ehre und zu ihrem Heile, sondern vielmehr zu ihrer Verdammnis, so nehmen Ihn auch die, das h. Abendmahl unwürdig Genießenden, sich selbst zum Gerichte auf. Und darum ist es von so großer Wichtigkeit für unsere Seelen, dass wir uns vor dem Genusse dieses heiligen Mahles selbst prüfen, und darum hat auch die Kirche durch die vorangehende Beichte um den Genuss desselben gleichsam einen Zaun gezogen, an welchem sie uns die Fragen vorlegt, deren Beantwortung uns den rechten Einblick in unsere Würdigkeit oder Unwürdigkeit gibt, und durch welchen sie den Unwürdigen von dem Genusse des Heiligsten, und darum für sie Verhängnisvollsten zurückhalten will. Unwürdig ist demnach derjenige, der ohne Buße und ohne Glauben kommt, und das heil. Abendmahl begehrt, sei es aus gedankenloser Gewohnheit, sei es zu irgend welchem andern Zwecke, aber nicht um dieses heiligen Mahles selbst willen. Würdig und wohl geschickt bist du aber, wenn du an Christum als deinen Heiland glaubst, der für dich gestorben und auferstanden ist, wenn deine Sünden dir Leid sind und du um Christi willen aufs Neue die Versicherung der Vergebung derselben begehrst, und wenn du den Vorsatz hast, sie in Zukunft besser zu bekämpfen und gänzlich zu lassen. Und wenn du dich in alle dem noch sehr schwach fühlst, du hast aber die Begierde, darin stark zu werden, so bist du recht geschickt, denn Christus ist nicht gekommen zu den Starken, sondern zu den Schwachen, Er ist ein Arzt nicht für die Gesunden, sondern für die Kranken, und die Er zu sich ruft, das sind die Mühseligen und Beladenen, die will Er erquicken. (Anton Camillo Bertoldy)

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