1. Korinther 10,31
Andachten
Ihr esst nun oder trinkt, oder was ihr tut, so tut es Alles zu Gottes Ehre.
Man kann freilich nicht immer beten und flehen; man muss auch arbeiten, hantieren, reden über dies und das; es gibt Freundschaften, Bekanntschaften, Verbindungen, worin man auch über gleichgültigere Dinge zu sprechen hat. Aber kannst du nicht auch über gleichgültigere Dinge im Namen Gottes, deines Heilandes reden? Kannst du ihn nicht preisen, wenn du im Namen des HErrn Jesu deine Geschäfte treibst, deine Haushaltung führst, das Nötigste dabei redest und ordnest? Wenn du über die geringsten Dinge in der Salbung des Heiligen Geistes mit sanftem ernstem Sinn in einer des Nachfolgers Jesu würdigen Gemütsfassung sprichst, wenn du unnütze, weitschweifige, weltliche Gespräche abbrichst oder verkürzt, so viel an dir ist, wenn du deine Rede mit Salz lässt gewürzt und lieblich sein, dem Nächsten zur Belehrung und Erbauung in der Liebe? Du hast etwa zu kaufen oder zu verkaufen; kann das nicht zur Verherrlichung Gottes geschehen, wenn du dein Geschäft führst im Blick auf Den, der da arm wurde um unseretwillen, damit wir durch seine Armut reich würden, im Blick auf ihn, der da gesagt hat: „Hütet euch vor dem Geiz, denn Niemand lebt davon, dass er viele Güter dieses Lebens hat;“ der gesagt hat: „wie schwerlich werden die Reichen ins Reich Gottes kommen, denn es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher ins Himmelreich komme“ -? Wie viele unnütze, sündliche Worte werden gewöhnlich beim Handel gemacht; wie viele falsche Höflichkeiten und Anpreisungen, hinter welchen meist nur ein elender Geiz steckt; wie viele betrügliche Gegenreden, Beteuerungen und Angebote, - die alle aus einem finsteren, selbstsüchtigen Herzen in Gottvergessenheit hervorgehen! was kannst du in solchen Fällen verhüten; wie kannst du da den Unterschied zwischen einem Christen und Weltmenschen zeigen, wenn du mit Einfalt und Wahrheit im Aufsehen auf deinen himmlischen Mittler redest und handelst! Ferner, kannst du nicht den Namen Gottes verherrlichen, wenn du mit sanftmütigem Geist deinen Bruder zurechtweist, der fallen will, ihn mit Geduld trägst und mit Liebe wieder aufrichtest? Oder wenn du den HErrn Jesum bekennst, wo es Not tut vor einem unschlachtigen Geschlecht; oder wenn du die Ermahnung des Apostels befolgst: „ein jeglicher Mensch sei schnell zu hören, aber langsam zu reden und langsam zum Zorn“ (Jak. 1,19.), und also zeigst, dass du einen Wandel vor Gott führst? (Ludwig Hofacker)
Ihr esst nun oder trinkt oder was ihr tut, so tut es alles zu Gottes Ehre.
Alles zeigt mir, wie groß und gnädig Gott ist. Darum kann ich auch alles so tun, dass Gottes Größe dadurch sichtbar wird und Gottes Glanz auf allem liegt und Gottes Lob aus allem entsteht. Ist es wirklich so? Kann ich mit allem Gott ehren? Mit einem Stück meines Lebens kann ich Gott nicht preisen. Greift er nach mir, so erfasst er mich ganz und macht mich mit allem, was ich bin und tue, ihm untertan. Das ist in allem Gottes Merkmal, dass er da, wo er offenbar wird, alles ist. Wenn mein Leben Gottes Gnade sichtbar macht, dann geschieht es durch alles, was es in sich hat. Wo fände ich denn etwas, was nur mir gehörte, womit ich zeigen könnte, wie reich, klug und groß ich bin? Vor allem, was ich tue, steht, was ich empfangen habe. Ich kann nur handeln, weil ich lebe, und dass ich lebe, ist nicht mein Werk, sondern Gottes Gabe. Meinen natürlichen Besitz habe nicht ich gemacht und ebenso wenig mein geistiges Eigentum. Meinen Christenstand empfing ich und mein Amt und Dienst ist mir zugeteilt. Ich bin mit allem, was ich tue, nur der Verwalter, der fremdes, nämlich Gottes Gut fruchtbar macht. Wie kann ich nun mit dem, was nicht mein ist, meinen Ruhm herstellen? Das ist der Raub an Gott, den Jesus keinem zulässt, der ihm gehört. Was von Gott kommt, muss sein eigen bleiben und das, was er mir gab, zum Opfer werden, das seinen Ruhm vermehrt. Bin ich für diesen Beruf nicht zu klein? Würde ich nicht Jesus kennen, so wäre mir diese Frage wohl zu schwer, so dass sie mich zu schweigen zwänge. Weil aber Jesus zu uns kam, wissen wir, dass Gott sich dem Kleinen gibt, weil er klein ist, und dem Armen sein Reich aufschließt, weil er arm ist. Nun gibt es kein Gärtchen, das zu klein wäre, als dass das Senfkorn des göttlichen Reichs in ihm Platz hätte, wie es auch keine Mehlmasse gibt, die sein Sauerteig nicht zu durchdringen vermöchte. In jedem Leben hat Gottes ganze Gnade Raum, und es gibt kein Herz, sei es noch so eng, in das nicht Gottes Licht hineintreten kann. Gerade so, dass seine Gnade an uns Kleinen in unserem kleinen Vermögen und kleinen Wirken sichtbar wird, entsteht Gottes großer Ruhm. Soll ich vom Natürlichen, vom Essen und Trinken, von dem Paulus spricht, sagen, es sei für Gottes Ehrung zu klein? Alles Natürliche hat die Wunder in sich, die dem, was geschaffen ist, eingepflanzt sind, und nie tritt das Natürliche für sich an mir hervor, von dem getrennt, was in mir ist. Vom Essen und Trinken sprach Paulus mit den Korinthern, weil sie sich im griechischen Leben frei bewegten und auch an der festlichen Tafel der Griechen Platz nahmen. Esst und trinkt, sagt ihnen Paulus, aber nicht dazu, damit ihr eure Freiheit zur Schau stellt oder gar nur das tut, was die Tiere tun. Esst und trinkt, damit Gottes Gnade strahlend glänze, die euch das Leben gibt und euch in die Freiheit stellt, nicht zu eurer Verherrlichung und Beglückung, sondern zu seinem Ruhm.
Einiger Gott und Vater, aus dem alles ist und wir zu Dir, geheiligt werde Dein Name. Heilig und Dein eigen alles, was Du mir gegeben hast. Einiger Herr Jesus Christus, durch Den alles ist und wir zu Dir, vergib mir den Missbrauch deiner Gaben, mit denen ich mir meine eigene Größe bereite, sei und mache mich Dir in allem untertan, damit die Frucht meines Lebens Deine Ehre sei. Amen. (Adolf Schlatter)
Treuer und lieber Heiland! Ich bitte Dich kindlich, Du wollest alle diejenigen, die sich gefallen lassen das Zeugnis von Deiner Herrschaft, von Deinem ewigen Frieden, von Deiner ewigen Liebe, von Deinem Verdienst, und wie gut man es bei Dir habe, anhören, Du wollest sie in Deine Arme nehmen, ihnen allen nahe sein, Du wollest ihnen allen nachgehen, sie alle Deine Herrlichkeit fühlen lassen, damit Du eindringen könnest mit Deinem Geist, damit Du ihnen könnest ihre Sünden vergeben, ihnen allen Tod und Verderben wegnehmen, und sie aufnehmen in Dein Reich! Und all' ihr übriges Leben, alle ihre Umstände wollest Du zu lauter Friede und Freude machen: denn Du bist der gute Heiland, dem die Seelen so lieb, dem sie so wichtig sind; sie sind Dein Lohn und Freude, sie sind die Krone Deines Hauptes: nimm Dich ihrer aller an! Der Vater hat sie Dir übergeben, Du sollst ihr König, ihr Haupt sein, Du sollst in ihnen wohnen und wandeln. Tue es, und fange an, sonderlich unter denen, die hier vor Dir stehen, das Herzensregiment auszuüben, das über allen Verstand und Sinn geht, den Frieden, der über alle Vernunft erhaben, auszuschütten, um Deiner Treue willen! (Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf.)
Ihr esst nun oder trinkt, oder was ihr tut, so tut es alles zu Gottes Ehre.
Unsre Dankbarkeit für die große Barmherzigkeit und Treue, die Gott an uns tut, sollen wir auch dadurch beweisen, dass wir im Namen des Herrn Jesu Alles tun, was wir tun mit Worten oder mit Werken, dass wir selbst unser Essen und Trinken zu Gottes Ehre dienen lassen. Denn das ist die Herrlichkeit des Christentums, dass es alles Tun und alles Werk, alle Verhältnisse und Zustände durchdringen und heiligen soll. Manch Einer hat wohl den Gedanken, dass unser christlicher Glaube nicht fürs tägliche Leben brauchbar sei. Beim Kampf des Lebens, bei Handel und Wandel kann man nicht immer genau aufs Christentum achten. Wer vorwärts will und will etwas erreichen, der kann sich nicht immer erst bei dem Herrn Jesu Rat holen, er muss durchgreifen, und da geschieht manches Mal etwas, was nicht so ganz mit dem himmlischen Sinn stimmt. Aber das geht nicht anders. Das ist so schlimm auch nicht. So denkt manch Einer. Aber gerade das ist völlig verkehrt gedacht. Das Christentum ist erst recht fürs tägliche Leben zu gebrauchen. Unser Glaube ist nicht ein Ding, das man wie ein Sonntagskleid einmal bei Gelegenheit hervorholt und ein wenig gebraucht und dann wieder in den Schrank hängt. Das Christentum besteht nicht darin, dass man einmal in feierlicher Stimmung ein ernstes Angesicht trägt, und bald ist wieder Alles verflogen; nein, das Christentum gehört in die kleinsten und gewöhnlichsten Dinge des täglichen Lebens hinein. Es will unser Kämpfen mit himmlischem Frieden erfüllen; es will in Handel und Wandel Wahrheit und Treue pflegen; es will beim Arbeiten und Mühen uns zur himmlischen Ruhe weisen. Denn ein Ziel ist es, das doch all unser Tun und Lassen, unser Denken und Reden, unser Arbeiten und Sorgen haben soll, und das eine Ziel ruht nicht auf dieser Erde und winkt uns nicht auf dieser Erde, das eine Ziel heißt: Allein Gott in der Höh‘ sei Ehr und Dank für seine Gnade!“ So kommt Wahrheit und Festigkeit in unsern Christenstand. Drum halte fest: Das Christentum passt wohl ins tägliche Leben. Halte du es fest, halte, was du hast!
Lasst uns beten: Du Gott der Wahrheit! Wir bitten Dich herzlich, gib uns ein Herz voll seliger Wahrheit, dass Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit in unser christliches Leben kommt. Lehre uns recht erkennen, wie Dein Wort und Dein Geist allein uns sicher hindurch tragen durch allen Ernst unsres Lebens. Bringe uns vorwärts, dass wir unser Christentum nicht nur im Munde führen und „Herr, Herr!“ sagen, sondern dass wir in Wort und Tat auf Schritt und Tritt bezeugen, wie lieb wir Dich haben. Lenke und leite heute unsre Schritte, dass wir Wege des Segens gehen, und was unsre Hände anfassen, und was unsre Lippen reden, und was unser Sinn denkt, lass Alles nur zu Deines Namens Ehre gereichen. Amen. (Wilhelm Hunzinger)
Ihr esst nun oder trinkt oder was ihr tut, so tut es alles zu Gottes Ehre.
Wir sollten uns als Christen immer dadurch von der Welt unterscheiden, dass wir einen andern Lebenszweck haben. Die Weltmenschen suchen Reichtum oder Ruhm, Wohlleben oder Vermögen. Nebenher darfst du auch irdische Güter suchen, aber wenn du ein Christ sein willst, so muss dein Hauptzweck sein, für Christus zu leben. Strebst du nach Ruhm, so sei es Sein Ruhm. Begehrst du Wohlleben, so lass es dir nur bei ihm wohl sein. Willst du Vergnügen? Nun wohl, sei fröhlich, stimme einen Psalm an, singe dem Herrn in deinem Herzen. Strebst du nach Reichtum? Sei reich an Glauben. Sammle Schätze, aber im Himmel, wo sie weder Motten noch Rost fressen und wo die Diebe nicht nachgraben und stehlen. Du kannst den gewöhnlichsten Beruf heiligen, wenn du dein Alltagsleben Jesu weihst, so dass dein Wahlspruch heißt: „Christus ist mein Leben.“ Es ist möglich, das ganze Leben dem Herrn zu weihen. Wer diese Möglichkeit leugnet, der soll nur gestehen, dass er nicht dem Worte nachlebt: „Ihr esst nun oder trinkt oder was ihr tut, so tut es alles zu Gottes Ehre.“ (Charles Haddon Spurgeon)