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Römer 8,28

Römer 8,28

Andachten

Wir wissen, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen.
Es ist unbegreiflich, wie Gott die Welt regiere. Unbegreiflich sind Seine Gerichte, und unerforschlich Seine Wege. Wir wissen sehr wenig von der Regierung Gottes. Die meisten Werke Gottes sind uns einzeln und im Zusammenhang unbekannt. Niemand weiß, was ihm selbst morgen begegnen werde. Wir wissen von den allermeisten Begebenheiten die besonderen Ursachen und Absichten nicht: doch wissen wir dieses, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, und wenn wir nur dieses wissen, so ist es zu unserer Beruhigung genug. Die Augen des HErrn sehen also auf die Gerechten, die Ihn lieben, und Er regiert die Welt so, dass alle Dinge zu ihrem Besten mitwirken müssen. Wie aber, wenn unter diesen Dingen auch Trübsal, Angst, Verfolgung, Hunger, Blöße, Fährlichkeit, Schwert, der Tod, ein langes und beschwerliches Leben, Anfälle von bösen Engeln und dergleichen Sachen vorkommen? Sollen denn auch diese denen, die Gott lieben, zum Besten dienen? Freilich, denn Paulus redet ja von allen Dingen. Solche Dinge sind Gelegenheiten zum Überwinden: wer aber überwindet, wird die Krone des Lebens empfangen. Alles, was mich dem Ebenbild des Sohnes Gottes, der durchs Leiden zur Herrlichkeit gegangen ist, ähnlich macht, V. 29., Alles, was zur Erfüllung des Vorsatzes Gottes, der aufs Gerecht- und Herrlichmachen zielt, bei mir hilft, dient mir zum Besten. Hier muss man aber eine Zeitlang nicht sehen, und doch glauben. In den Werken Gottes ist das Ende immer besser als der Anfang. Alle Züchtigung, wenn sie da ist, dünket uns nicht Freude, sondern Traurigkeit zu sein, aber danach, oder zuletzt, wird sie geben eine friedsame Frucht der Gerechtigkeit denen, die dadurch geübt sind, Hebr. 12,11. Das Wissen also, von dem Paulus redet, ist ein gläubiges Wissen, und muss mit einer wartenden Geduld verbunden sein. Man muss sich eine Zeit lang üben lassen, man muss auf dasjenige warten, was hintennach kommt. Was kommt aber hintennach? Dieses, dass man der Gerechtigkeit und des Friedens Gottes noch mehr froh wird, als vor der Züchtigung. Ach, dass wir dieses Alles immer vor Augen hätten, wenn wir wahrnehmen, dass Gott Seine Heiligen wunderlich führe! Sie fragen zuweilen in ihrem Geist oder mit Worten: warum lässt Du mich so traurig gehen? warum hast Du uns das getan? Die allgemeine Antwort aber, die Gott gibt, ist diese: um eures Besten willen. Euer Unglück ist euer Glück, eure Armut hilft euch zum ewigen Reichtum, eure Schmach zur himmlischen Ehre, euer verlassener Zustand zur Aufnahme in die ewigen Hütten, euer Schmerz zur Freude, euer Sterben zum Leben. Kurz: alle Dinge müssen euch zum Besten dienen. Unschätzbares Privilegium! Wen geht es aber an? Diejenigen, die Gott liebe, der sie zuerst geliebt hat. Diese Liebe zu Gott muss man also durch den Beistand des Heiligen Geistes unter allen Umständen behaupten, ja darin wachsen: denn wer ihrer mangelt, oder sie verliert, wird im Glück trotzig, und im Unglück verzagt, und die bestgemeinten Werke der Vorsehung Gottes gereichen ihm zum Schaden. (Magnus Friedrich Roos)


„Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum besten dienen.“
Über etliche Stücke ist der Gläubige ganz im klaren. Er weiß z.B., dass Gott im Hinterteil des Schiffes sitzt, und das Steuer lenkt mitten im heftigen Sturm. Er glaubt, dass eine unsichtbare Hand das Fahrzeug der Weltgeschichte regiert, und dass Jehovah es leitet nach seinem Rat, wie wunderbar auch die Fluten der göttlichen Vorsehung wogen. Die sichere Erkenntnis beruhigt ihn über alles und bereitet ihn auf alles vor. Er schaut hinaus in die tobenden Wellen, und sieht die Gestalt Jesu einhergehen auf den Tiefen, und vernimmt seine Stimme, die ihm zuruft: „Sei getrost, ich bin es, fürchte dich nicht.“ Er weiß auch, dass Gott immer weise handelt, und weil er das weiß, ist er voll Zuversicht, dass ihm kein Unglück schaden und kein Missgeschick begegnen kann; dass nichts geschehen kann, was nicht kommen sollte. Er darf getrost sprechen: „Und sollte ich auch alles verlieren, was ich besitze, so ist‘s besser verlieren als behalten, wenn‘s Gottes Wille ist; das größte Unglück ist das Beste und Zuträglichste für mich, wenn‘s Gott so ordnet.“ „Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen.“ Der Christ hält hieran fest, nicht wie wenn‘s eine bloße Einbildung wäre, sondern er weiß, dass es wirklich so ist. Alles hat bis jetzt zum Besten gedient; die giftigen Stoffe, im rechten Verhältnis gemischt, haben die Heilung bewirkt. Der scharfe, sichere Schnitt des Messers hat das brandige Fleisch der Wunde entfernt und die Heilung erleichtert. Jede Schickung hat bis jetzt die wohltätigste, göttliche Wirkung geübt; und so wird des Gläubigen Herz durch den Glauben an Gottes allwaltende Obhut, an seine weise Regierung, an seine Macht, das Böse zum Guten zu wenden, fest und gewiss gemacht, und tüchtig gemacht, jeder Trübsal ergeben und vertrauensvoll zu begegnen, wie Er sie sendet. Der Gläubige vermag durch den Geist des Gottvertrauens zu beten: „Sende mir, was Du willst, mein Gott, solange es von Dir kommt; nie wurde irgendeinem Deiner Kinder Böses zuteil.“

„Sei, Seele, ruhig, unverzagt,
Wenn irgend dich ein Kummer plagt;
Befiehl Gott deine Sachen!
In aller Pein vertrau‘ allein
Auf Ihn; Er wird‘s wohl machen.“ (Charles Haddon Spurgeon)


Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, die nach dem Vorsatz berufen sind.
Röm. 8, 28. Die Worte „zum Besten“ wollen nicht im irdischen Sinne verstanden sein, denn wer sie so versteht, der hat ein Recht, den Apostel Lügen zu strafen. Oder wie mag das zum irdischen Besten dienen, was dieses Irdische zerstört! Wie kann der einen irdischen Gewinn erringen, den schwere Schicksalsschläge seine irdische Habe verlieren lassen! Wie kann der irdisch glücklich sein, den Krankheit und Leid unglücklich gemacht haben? Wie kann der irdisch fröhlich sein, dem der Tod die Freude seines Lebens geraubt hat! Wie können Krieg, Seuchen, Hungersnot ein Glück begründen auf Erden, das sie mit entsetzlicher Hand zerstören! Ja, wie kann, von diesem Standpunkt aus betrachtet, das irdische Glück in allen Fällen glücklich machen, da es bekanntermaßen die verhängnisvollste Gabe ist, die den einen zum Schwelger, den andern zum Karger macht, die beide um den Genuss des Glückes bringt, indem sie in des einen Händen zerrinnt, in des anderen Truhe vermodert.

Aber wer sagt denn auch, dass unser „Bestes“ irdisch sei, oder, was dasselbe ist, dass wir aufgehört haben, Christen zu sein und zurückgekehrt seien zu dem Juden- und Heidentum, die beide wetteifern in der Erklärung, dass irdisches Wohlergehen das Beste sei! Wissen wir denn nicht, dass unser Herr und Meister den Mann einen Narren geheißen hat, der in der Fülle seines Erntesegens sich zu sprechen vermaß: „Liebe Seele, iss, trink, und habe guten Mut, denn du hast einen Vorrat auf viele Jahre!“ Und wissen wir nicht ebenso gut, dass unser Herr und Meister allem Weltverstand zum Trotz gesprochen hat: „Selig sind, die da Leid tragen!“ Nein, unser Bestes ist nicht irdisch, unser Bestes ist das Heil unserer Seele, die selber nicht irdisch, auf Erden nur zugerichtet werden soll zur Rückkehr in ihre ewige Heimat. Dieser unserer Seele aber dient es zum Besten, nicht dass sie irdisches Glück empfange, sondern durch den Empfang desselben darauf geführt werde, zu erkennen die Wahrheit von oben: „Wisst ihr nicht, dass euch Gottes Güte zur Buße leiten soll?“ überschüttet von irdischem Glück kann es ihr nicht fehlen, von jenem Gefühl des überreichlich gesegneten Fischers Petrus übermannt zu werden und auszubrechen in das Bußgebet: „Ich bin nicht wert aller Barmherzigkeit und Treue, die du, Herr, an mir tust!“ Und kommen die Tage des Leids, dringt die irdische Not zu allen Spalten des Hauses herein, leget die Krankheit den Leib auf hartes Lager, schließen sich die Augen, aus denen ein irdischer Himmel uns gelacht - o wir sind nicht unempfindlich gegen die Schmerzen, und sie werden von Gott nicht gesandt, um uns wie Friede zu dünken. Aber wer hat jemals Schmerz gelitten, wer hat jemals den Kelch des Leids bis zur Hefe geleert, ohne etwas an seiner Seele zu erfahren, was er nie im Glück erfuhr, und wer hat jemals nach Gottes Rat bitteres Weh gekostet, ohne von Zeit zu Zeit in die Knie zu sinken und zu sagen: „Ich danke dir, Herr, dass du mich demütigest!“ Denn von Leid und Weh ist's, dass der Dichter singt: Da übet sich der Glaube, wird heiliger das Herz, Schwingt sich von Erd' und Staube die Hoffnung himmelwärts.

Durch Leid und Weh ist's, dass die Seele sich wieder frei fühlt, wie man nach einem Gewitter um so frischer aufatmet. Hat denn auch der Sturm so manchen Ast am Lebensbaume abgeschlagen, manchen Zweig zerknicket, manche Blüte herabgerissen, die alte Lebensfreude vielleicht für immer zerstört, die Reinigung der Seele wird um keinen zu kostbaren Preis erkauft. Und will uns auch nicht immer klar werden, warum gerade dieser und kein anderer Schmerz unsere Seele reinigen musste, genug, wir besitzen die Reinigung und haben die gewisse Aussicht, dort drüben zu erfahren, warum die ewige Liebe uns gerade so und nicht anders leiden ließ. (Ludwig Conrady.)


Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum besten dienen, die nach dem Vorsatz berufen sind.
O! welch eine Glückseligkeit, sich in einem Stande zu befinden, wo nichts, gar nichts schaden kann, wo alles dienen, ja zur Seligkeit dienen muss! Man sollte ja kaum sagen, dass es wirklich einen solchen Stand gebe, da wir so sehr an Abwechslung aller Art gewohnt sind. Aber das Wort Gottes predigt einen solchen Stand, und es ist der der Kindschaft und Gnade. Sind wir durch Gnade in diesem Stande, so sind wir der Behütung ebenso bedürftig, als vorher der Errettung aus dem Stande der Natur und des Zorns. Diese Bedürftigkeit für das Behüten des Herrn gründlich zu erkennen, ist sehr nötig und heilsam, und dient zugleich dazu, uns dieses Gut desto kostbarer zu machen. Wir gleichen dem Petrus auf dem Meer. Jeder seiner Tritte musste durch das allmächtige Wort Christi: Komm her! getragen werden, wenn er gelingen sollte, und sein Glaube nicht weniger, sollte er bis ans Ende beharren. Wo soll es mit uns hinaus, wenn wir allein gehen? Wenn wir fallen, wer will uns aufhelfen? Sind wir nicht einmal tüchtig, ein Haar schwarz oder weiß zu machen, nicht tüchtig, aus uns selbst etwas zu denken: was wollen wir anfangen, wenn es sich um wichtigere Dinge handelt? Wohl dem deswegen, der sich alle Wege fürchtet, aber auch alle Wege auf die Gute des Herrn hofft! (Gottfried Daniel Krummacher)


Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen.
Das ist ein großer Trost und wohl geeignet, uns alle Sorgen zu nehmen, die in das glaubensschwache Herz so leicht sich wieder einschleichen; ein Trost freilich nur für die, welche sich ihrer Liebe zu Gott bewusst sind. Denn woher stammt unsere Liebe zu Ihm? Aus uns selbst? Aus der Welt? Nicht doch. In uns finden wir nichts als ungemessene Selbstliebe, und in der Welt auch nichts Anderes. Sondern unsere Liebe zu Gott, soweit sie vorhanden, stammt aus Gott, der uns geliebt hat, ehe wir Ihn noch kannten. Denn erst als wir zu dem Bewusstsein kamen, wir seien von Gott geliebt, trotz unserer Unwürdigkeit, geliebt bis zu dem Grade, dass Gott auch seines eingeborenen Sohnes um unsertwillen nicht verschont habe, sondern habe Ihn geopfert, damit wir nur gerettet und Erben würden des ewigen Lebens, da erst hat die Sonne der göttlichen Liebe die Eisrinde unsers Herzens geschmolzen und dasselbe zur Gegenliebe erwärmt. Dessen ist sich auch jeder gläubige Christ bewusst. Unsere Gottesliebe also wurzelt in der Liebe Gottes zu uns; sie ist ein Beweis dafür, dass Gott uns liebt, denn sonst würden wir Ihn nicht lieben Wenn Er uns aber liebt, was kann uns schaden, wovor darf uns grauen? Ist es denkbar, dass Er uns schaden oder uns nicht helfen will? In diesem Falle würde Er uns ja hassen und nicht uns lieben. Oder kann Er etwa uns nicht vor Schaden behüten und muss Er uns den uns feindlichen Mächten Preis geben? Dann wäre Er ja nicht Gott, der Allmächtige, der Regent, dann wäre Er schon vom Throne gestoßen. Nein, Gott will und kann uns schützen und helfen, das ist unzweifelhaft. Und es ist ebenso unzweifelhaft, dass, weil Gott uns liebt, Er unser Bestes im Auge hat. So kann auch kein Zweifel darüber walten, dass Alles, was uns begegnet, von Gott für uns zum Besten gewandt werde. In der Welt geschieht sehr Vieles, was Gott nicht wohlgefällt, denn wir leben in einer sündigen Welt, und uns selbst klebt die Sünde noch gar vielfach an. So kann es denn auch nicht anders sein, als dass uns Mancherlei widerfährt, von der Welt und von uns selbst, was nicht unmittelbar von Gott kommt und Ihm missfällig ist. Aber da Er einmal den Menschen ihren freien Willen gegeben hat, so unterdrückt Er auch das Böse nicht mit Gewalt, denn das würde eben heißen, ihnen den freien Willen wieder wegnehmen. Aber Er weiß es so einzurichten in seiner Regentenweisheit, dass auch die uns feindlichen Mächte zu unserem Besten mitwirken müssen. Was ist aber unser Bestes? Ist es das zeitliche Wohlbehagen? So sehen es freilich die Kinder dieser Welt an, denen nichts über die Gesundheit des Leibes und frohe Tage geht. Diejenigen aber, die Gott lieb haben, sind davon innig überzeugt, dass ihre dereinstige ewige Seligkeit höher steht, als Alles, was in dieser Welt ihnen widerfahren mag. Als ihr Bestes erkennen sie daher ihre Seligkeit an. Und diese zu erreichen, muss uns Alles förderlich sein, was uns auch begegne, es sei nun Freud' oder Leid; vornehmlich aber das Kreuz. Es schmerzt wohl recht tief, wenn uns der Verlust geliebter Personen, oder Einbuße an Gut, Gesundheit und Ehre auferlegt wird, aber je mehr wir in der Welt verlieren, desto mehr ziehen wir uns in unser inwendiges, in unser mit Christo in Gott verborgenes Leben zurück, je mehr die lieblose Welt uns kränkt, desto mehr versenken wir uns in die unausforschliche und treue Liebe Gottes zu uns, der immer nur Gedanken des Heils über uns hat. Ohne Züchtigung geht es bei den Kindern Gottes nicht ab; so lass denn die Welt die Rute sein, welche dich schlägt und verwundet, Gott aber den, der dich tröstet und heilt. (Anton Camillo Bertoldy)


Wir wissen aber, dass Denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, die nach dem Vorsatz berufen sind.
Denen, die Gott lieben, sollen, wie der Apostel sagt, alle Dinge zum Besten dienen. Da aber die Welt, obwohl sie ganz in die Sünde verstrickt ist, doch vorgibt, auch Gott zu lieben, so fügt Paulus noch einige Worte hinzu, durch welche er diejenigen, von denen er redet, als Solche, die Gott lieben, genauer bezeichnet: Die nämlich, „welche nach Seinem Vorsatz berufen sind.“

Da der Mensch von Natur in seiner Gesinnung und nach seinen bösen Werken ein Feind Gottes ist, so kann Niemand Gott lieben, als den Er zuerst geliebt hat, und so auch „berufen mit einem heiligen Ruf, nicht nach unsern Werken, sondern nach Seinem Vorsatz und Gnade, die uns gegeben ist in Christo Jesu vor ewigen Zeiten.“ (2 Tim. 1, 9.) Wenn Gott eine Seele geliebt hat in Seiner freien und ewigen Liebe, wenn Er sie berufen hat durch Seine Gnade, indem Er sie von der Sünde überzeugte und sie zu Christo hinführte, damit sie durch den Glauben in Seinem Blute gerechtfertigt werde, wenn diese Seele so die Liebe Gottes zu ihr erkannt und geglaubt hat, und zwar zur Zeit, da sie noch feindlich gegen Ihn gesinnt war, dann kann sie sagen: „Ich liebe Gott, weil Er mich zuerst geliebt hat.“ Dann fängt das rebellische Herz an, Gott zu lieben, weil es, trotz seiner Empörung, glauben darf, dass es von Gott geliebt wird. Wenn Gott dem Menschen nicht mehr die Verpflichtung, Ihn zu lieben, als eine Bedingung auferlegt, um sich seine Gnade zu erwerben, wenn Er zu ihm sagt: „Ich liebe dich, bevor Du mich liebst,“ dann erst fühlt sich der Mensch, losgeworden von dem Gesetze, welches ihm unter Androhung der Verdammnis gebot, Gott zu lieben, zur Liebe Gottes hingezogen, weil er nicht mehr gezwungen ist, es zu tun.

Der Gläubige aber, welcher so anfängt, Gott zu lieben, fühlt zur gleichen Zeit den ganzen Widerstand seines natürlichen Herzens, die ganze Feindschaft des Fleisches gegen Gott; er seufzt darüber, er klagt sich vor Gott darüber an und bittet Ihn, sein Herz immer mehr zu Seiner Liebe zu erneuern. (Auguste Rochat)


Wir wissen aber, dass Denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen.
Es gehört zu den Dingen, welche am meisten zu unserm Glücke beitragen, wenn wir, welche auch die Stellung sein möge, in die uns Gott gesetzt hat, ihre Vorteile zu würdigen wissen. Oft sind wir deshalb unzufrieden, weil wir die Segnungen, welche Gott über uns verbreitet, die Genüsse, welche Er uns darreicht, und die Güter, die wir von Ihm zu erwarten haben, nicht nach ihrem wahren Werte schätzen. Für den Christen ist es aber ein großes Uebel, wenn er so seine großen Vorrechte verkennt. Es kann daraus nur Mutlosigkeit in den Kämpfen, welche er zu bestehen hat, und Undankbarkeit gegen Gott, dessen große Wohltaten er nicht zu schätzen weiß, entstehen. Der Gläubige ist umso mehr der Gefahr ausgesetzt, seine herrlichen Vorrechte zu verkennen, als er, um sie recht zu würdigen, mehr im Glauben zu wandeln hat, als im Schauen. Oft muss der Gläubige noch weinen und jammern, während die Welt sich freut; oft ist er Kämpfen ausgesetzt, in denen er auch wohl mit dem Apostel sagen möchte: „Hofften wir allein in diesem Leben auf Christum, so wären wir die elendsten unter allen Menschen.“ Deshalb ist es sehr wichtig, dass der Gläubige lerne, durch den Glauben seine Vorrechte ihrem ganzen Umfange nach zu ergreifen, auf dass sich ihm mitten unter allen Widerwärtigkeiten des Lebens und so manchen Elendes, welches ihn von allen Seiten umgibt, durch den Glauben die Uebel in irgendeiner Weise zum Segen wenden. Die Hand auf das Wort Gottes gelegt, an welches er glaubt, und die Augen zum Himmel gerichtet, wohin sein Weg geht, soll er auch in den heftigsten Stürmen des Lebens sagen können: „Denen die Gott lieben, müssen alle Dinge zum Guten mitwirken.“ (Auguste Rochat)


Denen, die Gott lieben, wirkt Alles zusammen zum Besten. (wörtlich: zum Guten).
In den Augen Gottes, der Alles nach seinem wahren Werte bemisst, ist das „Beste“ oder „Gute“ dasjenige, was wahrhaft und für immer glücklich macht; es ist die Vereinigung mit Ihm für Zeit und Ewigkeit. Mit andern Worten, es ist die Versöhnung einer Seele mit ihrem Gott, begleitet von der Wiederherstellung des Bildes Gottes in dieser Seele, und ihrer ewigen Glückseligkeit, welche die Folge davon ist. So urteilt auch der Gläubige, durch den Heiligen Geist erleuchtet, selbst darüber. Er sagt mit David: „Viele sagen: wer wird uns sehen lassen das Gute? Erhebe über uns das Licht Deines Antlitzes, o Herr!“ Wenn nun gesagt ist, dass „Denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen“ (oder, genauer zu übersetzen: „zusammen zum Guten hinarbeiten, mitwirken“), so bedeutet das, dass Alles unter Gottes Leitung dahin mitwirkt, sie in der Gnade zu befestigen, ihren Glauben kräftiger und lebendiger zu machen, sie in der Heiligung zunehmen zu lassen, und sie durch alle Schwierigkeiten hindurch zum Ziele der ewigen Seligkeit, welche Gott ihnen bereitet hat, entgegen zu führen.

Fassen wir das „Gute“ oder „Beste“ in Beziehung auf die Kinder Gottes im Ganzen, so lange sie noch hienieden wallen, ins Auge, so besteht es im Wachstum des Reiches Gottes auf Erden, in dem Offenbarwerden der Auserwählten, in der immer innigeren Gemeinschaft derselben unter einander, in der Gnade, sich im Leben wie im Gottesdienst dem Worte Gottes gemäß zu verhalten, sowie im Hervortreten solcher Gemeinschaften, welche in Wahrheit das Salz der Erde, das Licht der Welt sind. Auch ist es eine Gnade für die Gemeine Gottes, vor äußeren und inneren Feinden sich geschützt zu sehen; eine Gnade, vor Irrtümern, Spaltungen, Ärgernissen, Lauheit und vor den Angriffen Satans, wo er sich in einen Engel des Lichts verkleidet, bewahrt, oder von solchen gereinigt zu werden; es ist Gnade, stark gemacht zu werden gegen alle Verfolgungen und Versuchungen der Welt und aus ihnen siegreich, gereinigter, getreuer, zunehmend an Gnade wie an Zahl, hervorzugehen, wie es von den Kindern Israel geschrieben steht: „Aber je mehr die Ägypter das Volk drückten, je stärker es sich mehrte und ausbreitete.“ (Auguste Rochat)

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