Römer 12,21
Andachten
Lass dich nicht das Böse überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem!
Selig, selig, was sich also von der Liebe Gottes überwinden lässt, was von ihr überwunden dankend und anbetend ruft: O Liebe, Liebe, du bist stark! Du bist mir zu stark gewesen und hast mich überwunden! Aber alles, was sich in uns und um uns von dieser Liebesrache Gottes nicht überwinden Lässt, das verfällt dem Zorn und Strafgericht, dem Rachefeuer, das hinunterbrennt bis in die unterste Hölle. Denn das ist es auch, wenn der HErr spricht: Die Rache ist Mein, Ich will vergelten! Ein gnädiges Jahr des HErrn, aber auch ein Tag der Rache unseres Gottes! Jes. 62,2. Wir sind noch im gnädigen Jahr. Darum, o Gott erbarme Dich und gib uns Gnade, dass wir uns nicht das Böse überwinden lassen, sondern dass wir das Böse überwinden mit Gutem! (August Ferdinand Huhn)
Lass dich nicht das Böse überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.
Hat der Apostel den Anfang mit der Ermahnung gemacht, nicht Böses mit Bösem zu vergelten, so schließt er nun damit: Überwinde das Böse mit Gutem. Das ist das Ziel, nach dem wir zu streben haben, und zu dem wir gelangen werden, wenn wir die von Gott dargebotene Hilfe gehorsam annehmen und dem Triebe des Heiligen Geistes folgen. Denn wie alle guten Früchte, so ist auch die beharrliche Feindesliebe, die es allezeit über sich vermag, Liebe für Hass und Gutes für Böses zu geben, nicht das Erzeugnis unserer Arbeit und unseres Kampfes, sondern die stille Wirkung der übernatürlichen Gnade, und wie die Blumen und Früchte im Garten still und geräuschlos wachsen, so reift auch die Frucht des Geistes, ohne dass wir es merken. Weil aber der Mensch seine alte Natur noch immer in sich trägt, so vereinigt sich oftmals der Geist der Bosheit mit unserer alten Natur und regt die bösen und niederen Kräfte auf, so dass die friedevollen Früchte der Gerechtigkeit nicht kampf- und mühelos wachsen können, und wir zu aller Zeit der Warnung bedürfen: Lass dich nicht das Böse überwinden. Wem es aber durch Gottes Gnade gelungen ist, der weiß auch, was für ein süßes, himmlisches Leben es ist, in solcher Übung zu stehen; und wenn man von irgendeinem guten Werke sagen kann, was Jakobus von dem Gehorsam gegen das göttliche Wort überhaupt sagt, dass man selig ist in seiner Tat, so kann man es von den Werken der Feindesliebe sagen; der Friede Gottes geht mit denen, die ihre Feinde lieben.
Lieber HErr JEsu, Du hast die Friedfertigen seliggepriesen, denn sie werden Gottes Kinder heißen. Wir möchten auch gern Gottes Kinder sein, und darum bitten wir Dich, mache uns recht friedfertig und schenke uns Deinen Geist, dass wir an andern üben, was Du an uns getan hast und uns durch keinen Hass und keine Feindschaft aus der Geduld, Sanftmut und Freundlichkeit treiben lassen, die Deines Geistes Früchte sind. Lass uns auch nicht müde werden, so oft und so viel wir auch gekränkt und beleidigt werden, immer wieder von neuem unserm Nächsten mit Liebe zu begegnen, damit wir nicht bloß von dem Bösen uns nicht überwinden lassen, sondern das Böse mit Gutem überwinden. Amen. (Hermann Haccius)
Lass dich nicht das Böse überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.
Der Hauptkampf im Leben der Völker und im Leben des einzelnen Menschen ist der Kampf des Bösen mit dem Guten. Dazu ist der Herr Jesus in die Welt gekommen, dass er den Riesenkampf mit dem Bösen auskämpfen sollte. „Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre.“ Und, Gott sei Dank, der Herr Christus hat den Sieg gewonnen und hat der Schlange den Kopf zertreten und hat überwunden. Und ihm nach kämpfen die Völker den Kampf gegen das Böse und gegen den bösen Feind. Viel haben die Völker zu streiten in Krieg und bitterem Ringkampf, viel haben sie zu durchleben an herzbrechendem Unfrieden und schwerem Leide, aber kein Streit geht so tief, und kein Kampf schlägt solche Wunden, wie der furchtbare Gegensatz des Guten und des Bösen. Das ist's, was die Völker bewegt, ob zuletzt das Reich Gottes oder das Reich der Hölle gewinnen soll; der tiefste Kampf im Leben aller Völker ist der Kampf zwischen Glauben und Unglauben. Wohl dem Volke, das überwinden lernt, wohl dem Volk, das dem Reich Gottes zueilt und hinwegläuft, wenn das Reich des Bösen zur Macht kommt! Denn „Gerechtigkeit erhöhet ein Volk; aber die Sünde ist der Leute Verderben!“ Diesen Kampf zwischen dem Bösen und dem Guten hat jeder Christenmensch zu kämpfen, der sich klar werden will, wohin er gehört, Ach, mancher Streit zersticht uns das Herz! Manches schneidende Weh begleitet uns auf unsrer Lebensstraße! Manchen blutigen Tag haben wir in unserm Leben zu merken. Aber der heißeste Streit und das schneidendste Weh und der blutigste Tag wird dann offenbar, wenn es sich um den Kampf zwischen dem Guten und dem Bösen handelt, wenn wir entscheiden sollen, ob Christus oder Belial über uns herrschen soll, wenn wir Antwort zu geben haben auf die Frage, ob Himmel oder Hölle unser Ziel ist. Da ist es ein solch tröstlich Wort, dass wir zum Überwinden gemahnt werden. Denn der Kampf allein hilft nichts; wir müssen siegen. Wird dir das Siegen schwer? „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig,“ sagt der Heiland. Darum nicht bange und nicht verzagt! Der Herr Jesus Christus weiß, wie dir zu Mute ist, er steht an deiner Seite, er führt deinen Arm. Dann schlägst du den Feind mit Macht zu Boden; du stehst auf dem Kampfplatz als Sieger, und der Heiland kommt und gibt dir selbst die Palme in deine rechte Hand.
Lasst uns beten: Heiliger, starker Gott! Wir danken Dir, dass Du die Macht des bösen Feindes zerbrochen hast und hast durch Deinen lieben Sohn Jesum Christum uns den himmlischen Frieden wiedergebracht. Nun bitten wir Dich, gib doch, dass die Gewalt des Bösen in allen Völkern der weiten Welt zu Schanden gemacht werde. Hilf Du auch uns den Streit recht vollführen, den Du uns aufgelegt hast, hilf uns ritterlich kämpfen, dass die Macht des bösen Feindes zerschlagen werde. Wenn wir müde werden wollen, sei Du unsre Erquickung; wenn wir verzagen wollen, sei Du unser Trost; wenn wir zurückweichen wollen, treibe Du uns vorwärts. Dir ergeben wir uns auch für diesen Tag. Du hast uns diese Nacht so liebevoll geschützt, und wir danken Dir dafür. Stärke Du uns heut in Arbeit und Ruhe, dass der böse Feind keine Macht an uns finde. Amen. (Wilhelm Hunzinger)