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Römer 12,11

Römer 12,11

Andachten

Seid brünstig im Geist.
Brünstig im Geist sein heißt nicht geistig erhitzt sein. Es ist ein großer Unterschied zwischen den Wallungen des eignen Geistes und der verborgenen Lebenswärme des Gottesgeistes, wenn er von einer Seele Besitz nimmt. Man kann brünstig im Geist sein, und doch dabei recht nüchtern sein, was bei einem bloßen Enthusiasmus nicht der Fall ist. Aufgeregte Gefühle geben uns selten Wahrheit, hingegen die Inbrunst oder der Durst nach dem lebendigen Gott zeigt uns klar die Dinge, wie sie sind, sowohl die irdischen, in der Gestalt ihrer Vergänglichkeit, als auch die himmlischen, nach ihrem überschwänglichen Wert. Die Brünstigkeit des Geistes versetzt in die Nähe Gottes, wo es der Seele allein heimisch wird, wo die Anbetung in Geist und in Wahrheit aufflammt, und der irdische Sinn sich auflöst in Hunger nach Heil und Gerechtigkeit. Im Umgang mit Gott ist Brünstigkeit des Geistes das Erste; was ist sonst das Gebet oder das ganze Christentum? Und das Göttliche lässt sich nicht nachmachen, oder es wird zur Karikatur. Es gibt ein falsches Pathos, eine angenommene Manier in Ton, Sprache und Gebärden, ein Feuer, das man sich selber anzündet, bei dem aber keine Seele warm wird. Gebe sich doch keiner die Mühe zu scheinen was er nicht ist, noch sich zu begeistern, wenn er nicht begeistert ist; nur die Kinder des Geistes können schreien: Nach dir, Herr, verlangt mich; wenn ich mich zu Bett lege, so denke ich an dich; wenn ich erwache, so rede ich von dir; das wäre meines Herzens Freude und Wonne, wenn ich stets mit fröhlichem Munde dich loben würde. (Friedrich Lobstein)


Schickt Euch in die Zeit, seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, haltet an am Gebet.
Vier Ermahnungen, von denen die drei ersten sich im letzten erfüllen. Haltet an am Gebet! Wer diesem Rufe ein williges Ohr leiht und gern und in allem Anliegen sein Herz zu Gott wendet, der wird sich schicken in die Zeit, fröhlich sein in Hoffnung und geduldig in Trübsal. Es wird dem, der im steten Verkehr mit Gott steht und bittet im Namen Jesu Christi, gar leicht werden, sich in die Zeit zu schicken, mag sie noch so trüb und traurig sein, noch so sehr überladen mit irdischen Plagen und Qualen. Es ist ja das Alles für den Christen nur ein Glied in der Kette von Gottes weisen und väterlichen Führungen, und er weiß, dass Gott züchtigt, die Er lieb hat. Ja nicht nur ergeben wird der Christ sein, sondern fröhlich und getrost, denn er hat ja tröstliche Hoffnung. Was ist aller Jammer dieser Welt gegen die Fülle der Gnade des Herrn, was sind alle Prüfungen hier auf Erden gegen die reine Seligkeit im Himmel, was ist Hass, Feindschaft, Lieblosigkeit der Menschen gegen des Heilandes Milde, Liebe und Freundlichkeit?

Haltet an am Gebet! Lasst nicht los von Gott, immer wieder und wieder tretet zu Ihm heran! Wenn das Fleisch sich regt und Ihr ungeduldig werden wollt, zürnen und rechten über vermeintes Ungemach, nur Euch versenkt in Gott, nur an Euch gedrückt den lieben Heiland und über Euch kommt Frieden und Freude, wie es verheißen. Amen.(Burghard von Cramm)


Seid nicht träge, was ihr tun sollt!
Draußen auf dem Völkermeer schwimmt manch riesiges Fahrzeug, auf dem ein ganzes Heidenvolk mit starrem Entsetzen trostlosem Tod entgegengeht, und nichts ist, was all diese Menschenseelen retten kann, als allein dein Licht! Und du willst es zu Grunde gehen lassen, weil du träge bist, dein Licht ihnen leuchten zu lassen? Du musst dein Licht leuchten lassen! Nicht mehr leuchten, das heißt: sterben für echtes Licht. Darum zünd' an! Um Gotteswillen zünde an! Seid nicht träge, was ihr tun sollt! Reinigt euren Christenwandel, eure Häuser, euer ganzes Leben von allem, was das Licht scheut; und dann liebt, betet, leuchtet, damit jedermann die Einfahrt in den Hafen sehe, auch in finsterer Nacht, wo kein Mensch die großen lichtleeren schwarzen Türen erblickt, die sich am Tage so stolz ausnahmen. Zündet an daheim für jeden Ungläubigen das Licht der Liebe JEsu, zündet an für die Heidenwelt draußen das Licht der Liebe JEsu, damit niemand durch unsere Schuld verderbe und wir am Ende unser Anrecht aufs Licht elend verlieren! (Samuel Keller)


Seid nicht träge, was ihr tun sollt. Seid brünstig im Geist. Schickt euch in die Zeit.
Die Liebe besteht nicht in süßen Gefühlen, auch nicht in schönen Worten, sondern ihr Leben und Wesen ist das Dienen, und wo nur die rechte Liebe ist, da braucht sie nicht erst zu fragen, was sie tun soll, sie weiß es auch ohne Befehl. Dennoch aber hält es der Apostel für nötig, vor der Trägheit zu warnen, denn das Feuer der Liebe brennt nicht immer in gleicher Stärke und wird vom Fleische vielfach gehindert. Da darf man dem Fleische nicht zu Willen sein, denn Weichlichkeit ziemt sich nicht für die Nachfolger dessen, der nie an Sich selber gedacht, sondern unermüdlich gewirkt hat, so lange es Tag war. Soll aber der Eifer nicht erkalten, so darf man das Feuer inwendig nicht ausgehen lassen, oder wie der Apostel sagt, wir müssen brünstig sein im Geiste, so dass zu dem menschlich regen und tätigen Leben die innere Bewegung des Geistes hinzutritt. Dadurch wird dem Eifer nicht bloß die Kraft und die Ausdauer, sondern auch das Maß und die Weisheit gegeben, dass er nicht mit fleischlicher Hast und Unruhe daher fährt, sondern sich in die Zeit zu schicken weiß, sich nicht zerstreut in der Menge der Werke, sondern sich in die Umstände fügt und tut, was die Zeit an die Hand gibt.

O HErr, es ist ja nichts seliger, als zu lieben, und es sollte auch nichts leichter sein; und dennoch sagt uns unser Gewissen, dass wir es nicht tun, wie wir sollen; und so oft wir es uns auch vornehmen, so müssen wir doch immer wieder unsern Mangel erkennen. Wir wissen ja wohl, dass es die Menge der Werke nicht tut, und dass alle Vielgeschäftigkeit nichts hilft, wenn das Feuer der Liebe nicht hell im Herzen brennt; aber wir wissen auch, dass Du unserer Schwachheit aufhelfen willst, wenn wir nur unsern Mangel erkennen und Deine Gnade ernstlich suchen. Darum bitten wir Dich von Herzen, Du lieber Heiland, Du wollest durch Deinen Geist uns bewegen und treiben, dass wir immer völliger werden, und durch das reine Feuer Deiner Liebe alle unreine und unheilige Liebe, vor allem aber alle Selbst und Eigenliebe in uns verbannen und töten. Amen. (Hermann Haccius)


Seid nicht träge, was ihr tun sollt. Seid brünstig im Geist. Schickt euch in die Zeit.
Herr, zu Dir nahe ich mich an diesem Abend in dem freudigen Gefühl, dass Du nicht schläfst noch schlummerst, nicht müde noch matt wirst, dass Du immer gut bist und immer Gutes tust. Dein Arm ist nimmer zu kurz geworden, Dein Ohr niemals verschlossen. Deine Pforten stehen allezeit offen. Der Thron Deiner Gnade ist immer zugänglich; keins Deiner Kinder kann verderben im Elend.

Der Schatten der Nacht, welcher jetzt mich umfängt, sei mir der Schatten Deiner majestätischen Gegenwart. Das allezeit wache Auge des großen Hüters Israels wacht auch über mir. Sein Licht erleuchtet meinen Pfad. Seine Hand bewahrt meinen Fuß und mein Herz vor dem Straucheln.

Herr, wie groß ist doch der Gegensatz zwischen Deiner unendlich tätigen Wachsamkeit und meiner Nachlässigkeit und Trägheit in Deinem Dienste! - Wie lau war ich, wo es galt, Deinen Namen zu verklären! Wie wenig empfand ich von der heiligen Verantwortung Deines Haushalters! Wie träge mein Tun, wie lässig mein Arbeiten! Herr, hilf, dass ich inskünftige eifriger werde zu Deiner Ehre! Lehre mich mehr tun, als ich bisher getan, redlicher schaffen meine Seligkeit, treuer ringen, einzugehen in die enge Pforte, unermüdlicher arbeiten in Deinem Dienst! Lass mich wenigstens immer wieder fragen: „Herr, was willst Du, dass ich tun soll?“ und wenn Du mir einen Liebesdienst anweist, so lass mich denselben angreifen mit allem Eifer und darin nicht müde oder träge werden. Lass mich jede Arbeit in Deinem Dienste nicht als Last, sondern als Lust empfinden und immer freudiger werden zu tun, was Dir wohlgefällig ist. Ferne von mir sei es, Deine Geduld auf die Probe zu stellen durch die Scheindienste unechter Liebe; ferne von mir, mein Herz zu teilen zwischen Dir und der Welt und zwei Herren zu dienen, Dir, dem Vater des Lichts, und dem Fürsten der Finsternis oder dem Mammon, Leib und Seele werde ganz Dein eigen, Dir zum Opfer geweiht, Dir völlig zu Dienste gestellt und gänzlich ergeben zu Lobe Deines heiligen Namens!

Groß ist das Werk, das Du mir anvertraut hast, und kurz die Zeit, heilig die Ausgabe und kostbar die Stunde. Herr, lehre die Zeit mich auskaufen für die Ewigkeit, und die Stunden mich ausnutzen für mein ewiges Heil! Lehre mich wirken, so lange es Tag ist, ehe denn die Nacht kommt, da niemand wirken kann. Wie bald kann sie hereinbrechen! Wie bald kann ich vor Deinen Richterstuhl gestellt werden! hilf mir, dass ich dann nicht unter den trägen Knechten erfunden werde, die das anvertraute Pfund ins Schweißtuch verborgen und vergraben haben, statt es auszuteilen und damit zu wuchern und zu handeln zu Deines Namens Ehre!

Gieß aus den Geist über die erstarrten Totengebeine der im Argen liegenden Welt. Verscheuche die Schatten des Todes, darin die Völker sitzen. Segne alle Boten des Friedens, alle Diener des Worts! Rüste sie aus mit Kraft und Weisheit, mit Mut und Demut! Sende ihnen Deine Engel zu Hilfe, dass sie siegreich auskämpfen den großen Kampf wider deine Feinde! - Segne meine Lieben und gib ihnen mit mir zu schaffen ihre Seligkeit mit heiligem Eifer, dass sie unsträflich erfunden werden auf die Zukunft Jesu Christi.

Lass mich diese Nacht empfinden,
Eine sanft und süße Ruh,
Alles Übel lass verschwinden,
Decke mich mit Segen zu.
Leib und Seele, Mut und Blut,
Weib und Kinder, Hab und Gut,
Freunde, Feind' und Hausgenossen,
Sind in Deinen Schutz geschlossen.

Gib, dass ich einschlafe in Deinem Frieden und erwache in Deiner Liebe, ausgerüstet durch Deine Gnade mit neuer Kraft zu tätiger Pflichterfüllung an dem neuen Tage; das alles um Jesu willen! Amen.

Mein Gebet müsse vor Dir taugen wie ein Räuchopfer, meiner Hände Aufheben wie ein Abendopfer! (John Ross MacDuff)


Seid nicht träge im Fleiß. Seid inbrünstig im Geist. Dient dem Herrn. Seid fröhlich in der Hoffnung, geduldig in der Trübsal, verharrt im Gebet.
Himmlischer Vater! Mit dir wollen wir die Arbeit dieses Tages und dieser Woche beginnen. Sechs Werktage liegen vor uns; sechs Tage mit ihrem Licht und Leben, mit ihren Aufgaben und Pflichten. Welch' eine große Gabe, welche köstliche Gelegenheit, Gutes zu schaffen und für dein Reich zu wirken auf Erden! Dank, innigster Dank, dir, unserm Vater, für dieses Geschenk deiner Güte. O, wie unglücklich ist der, der nicht arbeiten kann, der durch Krankheit und Schwäche, oder durch die Not der Zeit verurteilt ist, gegen seinen eigenen Willen die Hände untätig in den Schoß zu legen. Wie unglücklich aber ist auch der, der nicht arbeiten will, der die Lust der Arbeit, ihre tiefe, innere Befriedigung nicht empfindet, dem sie nur ein hartes Muss, ein Sklavenjoch ist, das er mit Seufzen trägt. Darum gib du uns Allen rechte Lust und Freude zur Arbeit, muntern Sinn und frohen Mut, die Sache anzugreifen; hellen Blick, das Nötige und Richtige zu erkennen, Ruhe und Geduld; wenn's nicht nach unsern Wünschen geht. Unvollkommen, finden wir, heißen wir oft diese Welt, ihre Verhältnisse, ihre Menschen, wenn wir auf Widerstand stoßen, auf Hindernisse und Anfechtungen, die uns die Arbeit erschweren, oder auch einmal unmöglich machen. Und doch liegt gerade darin wieder eine Art Vollkommenheit, deine heilsame Ordnung, himmlischer Vater, durch welche unsere Kräfte geübt, unser Glaube erprobt, unser inwendiger Mensch geläutert und befestigt wird. Dadurch gerade wird uns das Leben zu einer Schule, in welcher wir unter deiner Leitung lernen können deinen Willen immer besser zu erkennen und das Werk, das du uns aufgetragen hast, immer vollkommener zu tun. O, mache uns durch deinen Geist zu recht gelehrigen Schülern, die da aufmerksam auf deine Winke achten und mit Geduld die gestellte Aufgabe zu lösen suchen, die auch redlich bemüht sind, mit allen ihren Mitschülern Frieden zu halten, und, wenn das reizbare und empfindliche Herz in Versuchung kommt, fleißig ausschauen zu ihrem Führer und Meister, dem du die allerschwerste Prüfung auferlegt und der sie doch so glorreich bestanden und uns Allen ein Vorbild gelassen hat, dass wir sollen seinen Fußtapfen nachfolgen. Zu ihm lass uns aufschauen, mit Hoffnung und Geduld, auch wenn uns noch Schwereres sollte auferlegt werden. Sechs Tage, jawohl nur sechs kleine Schritte und doch können sie das Eine oder Andere unter uns schon zur Ewigkeit tragen. Was kann nicht Alles bis zum Ende der Woche geschehen? Dessen lass uns eingedenk und doch zugleich getrost und frohen Mutes bleiben, weil wir wissen, dass du uns allezeit nahe bist mit deiner Treue. So lass denn auch uns allezeit nahe bleiben dir, dich vor Augen und im Herzen behalten und immer wieder aufschauen zu deiner Gnade und Wahrheit! Dann wird auch unsere Arbeit ein Gottesdienst, unser ganzes Leben ein dir geweihtes Opfer sein; dann können wir uns jeden Tag in deinen Vorhöfen freuen und der Sonntag breitet sein Licht über alle Wochentage aus. Hilf uns so, bis an den Abend, und bis zum Schluss der Woche. (Robert Grubenmann)

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