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Apostelgeschichte 2,46

Apostelgeschichte 2,46

Andachten

Sie waren täglich und stets bei einander einmütig im Tempel und lobten Gott mit Freuden und einfältigem Herzen, und hatten. Gnade bei dem ganzen Volke.
Ist auch an uns das gottselige Wesen zu spüren, das dem Christentume neue Freunde erwirbt? Das christliche Leben, wenn es wahr und lauter und aufrichtig ist, stößt ab, aber es zieht auch an. Das Weltkind wendet sich ab, wenn es einem wirklichen Christen begegnet, denn es fühlt sich zuerst durch sein Bild gestraft und gerichtet. Aber das echte christliche Leben hat auch eine anziehende, gewinnende Kraft. O dass doch auch von unserm Leben eine solche Kraft ausginge! Wenn noch so Viele am Christentum Ärgernis nehmen, lasst uns Keinen anklagen, als uns selbst. Ist denn unser Christentum so beschaffen, dass es Seelen gewinnen kann? Zeigen wir, dass wir wirklich Christen sind? Zeigen wir das gottselige Wesen, das, seines Gottes und Erlösers gewiss, trotz aller Trübsal, trotz alles Kampfes, doch freudig ruft: In dem Allen überwinden wir weit? Zeigen wir die Dankbarkeit, die im Preis von Christi Gnade, in Allem Gnade sieht, in den kleinen Wohltaten des täglichen Lebens des Vaters Liebe fühlt? Zeigen wir die Fröhlichkeit, die rückwärts auf die Vergebung, vorwärts auf die Herrlichkeit blickt, und Gott lobt mit Freuden und einfältigem Herzen? Und so gewiss, wie damals, wird auch unser Leben dem Herrn Seelen gewinnen. Lasst uns unser Herz erforschen, unsern Wandel prüfen! Lasst uns herausschaffen aus unserm Hause und Herzen, was Andern anstößig und ein Hindernis der Seligkeit werden kann. Dagegen, was wahrhaftig ist, was ehrbar, was gerecht, was keusch, was lieblich, was wohllautet, ist etwa eine Tugend, ist etwa ein Lob, dem denkt nach! Dann wird unsere ganze Person ein Werkzeug sein für des Herrn Reich! (Adolf Clemen)


Und sie waren täglich und stets bei einander einmütig im Tempel, und brachen das Brot hin und her in Häusern, nahmen die Speise und lobten Gott mit Freuden und einfältigem Herzen, und hatten Gnade bei dem ganzen Volk. Der Herr aber tat hinzu täglich, die da selig wurden, zu der Gemeine.
(Apostelgesch. 2, 46. 47.) In diesem lieblichen Worte findet das herrliche Bild der ersten apostolischen Gemeinde seinen schönsten Abschluss. Wir finden es ausgesprochen, dass hier Menschen auf Erden lebten, die, wenn auch noch nicht über den Kampf mit der Sünde hinaus, noch nicht befreit von den Schmerzen und Schicksalen des unvollkommenen Lebens, dennoch, weil sie stark im Glauben und treu in der Liebe sich erweisen, auch unter den einfachsten und dürftigsten Verhältnissen doch als wahrhaft glückselige Menschen dastehen. Denn der Apostel erzählt uns von ihnen, dass, weil sie Gott mit Freuden und einfältigem Herzen lobten, sie darum Gnade hatten bei dem ganzen Volk. Ihr Leben dünkte ihnen ja nicht anders, wie eine ununterbrochene Reihe göttlicher Gnadenwohltaten, und das war es wirklich, wenn man es gleich ihnen verstand, alle Führungen und Schicksale mit einfältig kindlichem Glauben aus den Händen Gottes in der gewissen Zuversicht hinzunehmen, dass denen, die Ihn lieben, alle Dinge zum Besten dienen müssen. Wenn wir uns im Geiste in jene Zeiten, in den geweihten Kreis dieser Kinder Gottes hineinversetzen, dann ist es uns nicht anders, als sähen wir das entschwundene Paradies wieder von uns, und Gott der Herr wandele wieder wie ehedem und wohne wieder wie ein Vater unter seinen Kindern. Aber dann fragen wir uns auch: ist es denn auch Wirklichkeit gewesen, was die Apostel von jener Gemeinde uns mittheilten? Hat nicht etwa das tiefe Gefühl und die fromme Begeisterung das ihre getan, um das Bild so herrlich abzurunden? Aber wie könnte es Dichtung sein, da kein Zug dieses Bildes uns als ein übermenschlicher entgegentritt! Diese Gemeinde ist nicht ein luftiges Ideal; sie lebt auf der Erde; ihr Bild ist in der Geschichte der Kirche durch die Jahrhunderte hin ausgeprägt, und Einzelbilder aus diesem großen Ganzen sehen wir in allen Jahrhunderten in naturgetreuester Wirklichkeit auf dem Schauplatz der Geschichte wiederkehren. Und wenn dies Lebensbild der ersten Gemeinde ein so wahrhaftiges und wirkliches ist: warum hat uns denn seine Herrlichkeit nur so kurz geleuchtet? - Die erste apostolische Gemeinde stellt uns ein schönes verheißungsvolles Bild dar; es ist die Kindheit des neuen, jungen Lebens, das der Heilige Geist aus sich gezeugt hat. Die Heiligkeit dieser Gemeinde war wie die fromme Unschuld der Kinderjahre; denn diese Christen, obwohl aus ihrer heidnischen Zeit mit der Sünde der Welt genugsam vertraut geworden, sie waren doch durch den Glauben an das Blut Jesu Christi rein gewaschen worden von allen ihren Sünden, und hatten das neue Leben wie Kinder hingenommen, dankbar und arglos, und noch sich dessen unbewusst, dass sich auch die Gabe dieses Glaubenslebens im ernsten gewaltigen Kampfe mit der Welt würde bewähren müssen. Zu diesem Kampfe sollte die glückliche Jugend der ersten Liebe sie stärken; so wie das Glück des Elternhauses den Zweck hat, die Kinder für den Kampf des Lebens auszurüsten, so sollte auch die junge Gemeinde unter dem Sonnenstrahl der behütenden Gottesgnade erst kräftig heranwachsen; keine Ungunst der Verhältnisse sollte schwer auf ihr lasten, damit dereinst, wenn der Sturmwind der Verfolgung sie auseinander treiben würde, jedes Glied auch in seiner Vereinzelung wiederum den lebendigen Mittelpunkt abgeben könnte, von welchem Ströme neuen Lichtes und Lebens auf die sündige Welt ausgingen. Freilich war's nun vorbei mit dem Glanze, den die persönliche Gemeinschaft aller dieser lauteren Seelen innerhalb eines eng begrenzten Raumes bewirkte; viel tausend Lichter mögen wohl ein groß Gemach wie mit einem Zaubermeer von Glanz erfüllen: aber ist's nicht weiser, wenn die Tausende von Lichtern in die dunklen Hütten der Armen hinausgetragen werden, wenn Tausende von Familien und von Völkern, die in Nacht und Todesschatten saßen, an dem einen bescheidenen Lichte den Weg durch die Wüste des Lebens zum Himmel finden lernen? Aber darum ist's auch nicht bedeutungslos, dass einmal die Lichter alle zusammengestanden und Ströme des Lichtes von sich haben leuchten lassen. Die erste Gemeinde ist das Bild einer Verheißung, nach deren endlicher Erfüllung jedes edlere menschliche Herz sehnend und hoffend ausschaut. Unsere Hoffnung wird lebendiger und begründeter, wenn sie als schon einmal gewesene verwirklichte Vergangenheit hinter uns liegt; wir würden die Hoffnung eines himmlischen Paradieses nicht zu fassen vermögen, wenn nicht die Erinnerung eines verloren gegangenen Erdenparadieses unverloren in uns Allen fortlebte; wir könnten uns nicht freuen auf eine Auferstehung von den Toten, wenn nicht Christus wirklich aus Seinem Grabe hervorgegangen wäre; und die Zuversicht, dass die Gesamtheit der Christen auf Erden einmal Ein Herz und Eine Seele werden soll, würde nie in unseren Herzen Wurzel fassen können, wenn nicht einmal eine Zeit gewesen wäre, wo Gott der Herr Seine Gemeinde zu einem Tempel ausgebaut gehabt hätte, in welchem Er wohnte und den Er anfüllte mit den Wundern Seiner rettenden Liebe. (Julius Müllensiefen)

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