Johannes 4,40
Andachten
Als nun die Samariter zu ihm kamen, baten sie ihn, dass er bei ihnen bliebe; und er blieb zwei Tage da.
Ohne ein lebensvolles persönliches Verhältnis zu dem Herrn Jesu kommt keine Seele zum rechten Glauben und zur wahren Ruhe. Es ist die Person Jesu, welche uns erlöst hat, und in welcher unser ganzes Heil beschlossen ist, wie Er selbst sagt: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; Niemand kommt zum Vater, denn durch mich. Eine bloße Idee, ein Gedanke, möge er auch noch so erhaben oder geistreich sein, hat nie die Kraft und den Einfluss auf uns, wie ihn das Gewicht einer Person haben kann; und wenn wir recht in die Geschichte der Völker hineinschauen, finden wir auch, dass es immer Personen gewesen sind und nicht Ideen, welchen dieselben gefolgt sind. Personen stehen an der Spitze von kleinen und großen Gemeinwesen, und persönlicher Einfluss ist maßgebend in Kirche und Staat. Es hat uns auch Gott der Herr zu unsrer Befreiung aus dem Joche der Sünde nicht eine Idee oder einen Gedanken zugesandt, sondern Seinen lieben Sohn, welcher unter uns in menschlicher Gestalt gewandelt hat und Sich durch Seine hingebende und selbstverleugnende Liebe einen persönlichen Anspruch auf unser Herz erworben hat. Es ist die Person Jesu, an welcher sich die Wege der Menschen scheiden, indem die Einen Seine Gemeinschaft lieben und suchen, die Andern sie hassen und fliehen. Soll uns geholfen werden, so kann es nur bei Ihm und durch Ihn geschehen: Er muss unser Trost, Beistand und Rat werden, unser Prophet, Hoherpriester und König, mit einem Worte unser Heiland im allervölligsten Sinne. Und dazu müssen wir zu Ihm kommen, selbst kommen, so wie jene Samariter, nachdem sie von Ihm gehört, sich auch persönlich zu Ihm begaben. Und wie wir das zu machen haben, darüber kann kein Zweifel sein. Ist Er doch, wenn auch nicht mehr für unsere leiblichen Augen sichtbar auf Erden, doch aber nach Seiner Verheißung ganz nahe bei uns und für unsere Gebete allenthalben erreichbar. So lange es ein Mensch noch nicht über sich vermocht hat, sich selbst betend an die Person Jesu zu wenden, so lange kann auch von einer wahrhaftigen Bekehrung bei ihm nicht die Rede sein, und so wie die Gebetsgemeinschaft mit Jesu schwächer wird, schwindet in demselben Maße auch die Heilsfreudigkeit, Heilsinnigkeit und Heilsgewissheit. Es kommt für unser Heil eben Alles darauf an, dass der persönliche Verkehr mit Jesu immer lebendiger und inniger werde. Darin liegt das ganze Geheimnis der Kraft gottseliger Seelen, dass sie ein den Augen der Welt verborgenes Gebetsleben führen, wie uns dies der Blick auf das Leben aller Gottesmänner deutlich zeigt, welche als solche auch alle Männer des Gebetes waren. Und das eben ist unser Vorzug vor den Zeitgenossen Jesu, dass wir Ihn nicht bloß zwei Tage, sondern alle Tage bei uns haben können, und dass, wenn wir Ihn bitten, Er uns Seine Nähe auch fühlbar und segensreich macht. Von welchem Einfluss ist es aber für unser Herz, Geist und Leben, mit welchen Menschen wir verkehren, wie geht deren Geist und Sinn so leicht auf uns über, ohne dass wir es viel merkten! Wie verdirbt der Umgang mit bösen Menschen, und wie veredelt der Umgang mit guten! Wie heilsam und veredelnd muss aber der Einfluss des höchsten aller Geister auf uns wirken, wenn wir uns ihm hingeben, wenn wir ihn suchen! Möchte denn die Gemeinschaft Jesu uns süß und immer süßer werden! (Anton Camillo Bertoldy)