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Johannes 4,39

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Andachten

Es glaubten aber an ihn viele der Samariter aus derselbigen Stadt, um des Weibes Rede willen, welches da zeugte: Er hat mir gesagt alles, was ich getan habe.
Wenn wir es recht bedenken wollten, welch einen Einfluss, zum Segen oder zum Unsegen, die menschliche Rede besitzt, würden wir gewiss auf unsere eigenen Worte auch mehr Acht haben und weniger unnützes Geschwätz über unsere Lippen kommen lassen, dagegen mehr dem nachdenken, was lieblich ist, was wohllautet und was nütze ist zur Züchtigung in der Gerechtigkeit. Sind doch die einfältigen Worte jenes Weibes zu Sichar die Veranlassung geworden, dass die Bewohner dieses Städtleins an Jesum gläubig wurden. Und dieses Weib war doch nicht eben wohl berüchtigt, sondern, nachdem sie fünf Ehemänner gehabt, lebte sie jetzt mit einem Manne außer der Ehe, was an dem kleinen Orte nicht verborgen geblieben sein konnte. Und dennoch wirken ihre Worte so zündend und heilsam! Niemand halte daher sich selbst für so gering und einflusslos, dass es gleichgültig sei, was er rede, und dass es daher nicht schade, wenn er sich in seinem unwiedergeborenen Wesen gehen laffe, oder dass es doch nichts nütze, wenn er mit seinen armen Worten ein Zeugnis für Christum ablege. Hohe Reden menschlicher Weisheit haben selten oder nie eine Seele bewogen, sich dem Heile in Christo zuzuwenden, wohl aber die Worte, welche einem überzeugungsfesten Herzen entquollen sind, gleichviel, ob sie in ein vornehmes und reiches, oder in ein niedriges und armes Gewand gehüllt waren, und gleichviel auch, ob sie über männliche oder weibliche Lippen gegangen waren. Es ist die Innigkeit und Kraft der eigenen Überzeugung, welche auf Andre zündend und gewinnend wirkt, wie denn auch ungläubige Weltkinder einer christlichen Überzeugungstreue ihre Achtung nicht versagen. Frauen insbesondere sind zwar nach apostolischer Ordnung von der öffentlichen Verkündigung des Evangeliums ausgeschlossen, aber ihr persönliches Zeugnis im Kreise der Familie und im geselligen Verkehr ist von jeher für das Reich Gottes von hoher fruchtbringender Bedeutung gewesen. Wie mancher Mann, der als Licht in der Kirche Jesu Christi geleuchtet, verdankt die Grundrichtung zum Glauben seiner Mutter, und wie so mancher Mann ist durch den Glauben seines Weibes vor gänzlichem religiösen Bankrott bewahrt, und endlich auch wieder für den Glauben gewonnen worden, und wie so manche glaubenswarme Tochter ist schon für ihre ganze Familie das christliche Fundament geworden! Wäre der Frauen Glaube und Zeugnis nicht, um wie viel schlimmer würde es in Familie, Kirche und Staat stehen! Aber allerdings, der angelernte Glaube tut's nicht, weder bei Männern, noch bei Frauen, sondern der erfahrene. Jenes samaritische Weib hatte soeben erfahren, dass ihr Leben dem Herrn Jesu bekannt sei, ohne dass es Ihm Jemand gesagt, und das eben hatte einen tiefen Eindruck auf sie gemacht und davon legte sie Zeugnis ab, und dieses Zeugnis zündete. Und solches Zeugnis zündet noch immer; denn nur die Erfahrung gibt lebensvolle und tiefe Überzeugung, und diese ist es, welche das Zeugnis warm und sicher macht. O, beten wir, dass mehr erfahrungsmäßiges Glaubenszeugnis unter uns wäre! (Anton Camillo Bertoldy)

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