Johannes 4,38
Andachten
Ich habe euch gesandt, zu schneiden, das ihr nicht habt gearbeitet, Andere haben gearbeitet, und ihr seid in ihre Arbeit gekommen.
Der Christ arbeitet um des Herrn und seines Gewissens willen. Es ist ihm daher auch bei seiner Arbeit nicht sowohl um den Erfolg, als um die Gewissheit zu tun, dass er im Auftrage und nach dem Willen seines Herrn arbeite, beziehe sich nun seine Arbeit auf den Himmel oder auf die Erde, arbeite er als Geistlicher oder als Laie. Ein Christ glaubt an die spezielle Führung und Fürsorge Gottes. Er glaubt auch daran, dass der Herr ihm sein besonderes Teil Arbeit zuweist, so wie es dem allgemeinen Nutzen, seinen Fähigkeiten und seinen Kräften entspricht. Es ist daher auch eines Christen erste Sorge, sich darüber Gewissheit zu verschaffen, dass der Herr es sei, der ihm die Arbeit zuweise. Ohne diese Gewissheit stehen wir den mancherlei Versuchungen wehrlos gegenüber, und verfallen bei mangelndem Erfolge ebenso leicht der Verzagtheit und dem Missmute, wie bei gutem Erfolge dem Hoch- und Übermute. Und wer hätte es nicht schon erfahren, wenn es uns nicht recht gelingen will, wie da der Geist des Kleinmuts uns übermannen und uns alle weitere Arbeit verleiden möchte! Wie er uns da zuraunt, dass das Feld zu dornicht, und unsere Kraft zu schwach sei, dass wir uns hier nicht am rechten Platze befänden, und dass es Torheit sei, noch ferner so viel Zeit und Mühe zu verschwenden! Wer wüsste nicht, wie lähmend derlei Gedanken auf unsern Geist wirken, wie das Gefühl des Unbehagens uns mehr und mehr überkommt, und wir endlich sehnsüchtig ausschauen, wie wir aus unserem Joche ausgespannt und in einen andern Wirkungskreis kommen können! Und wenn dies nun nicht so rasch geht, wie unglücklich fühlen wir uns dann! Gegen solche Anfechtungen gibt es aber keine bessere Arznei, als die Gewissheit: der Herr hat dich hierher gestellt. Hier also fahre fort, in aller Treue deinen Acker zu bauen. Lies seine Steine ab, raufe seine Dornen aus, ziehe deine Furchen und streue deinen Samen. Sonnenschein, und Regen zu rechter Zeit zu geben, das steht nicht in deiner Macht. Das ist des Himmels Sorge. Du aber wirst, was deinen Unterhalt anbelangt, nicht vergessen werden, und ob du nun Früchte stehst oder nicht, dein bescheidenes Teil wird dir nicht fehlen. Und wenn nun der Erfolg nicht fehlt und vielleicht reichliche Früchte eingeheimst werden dürfen, o wie gar leicht schwillt da das Herz von Stolz und schreibt sich so gern selbst zu, woran vielleicht die Hauptarbeit Andre vor uns gehabt, und wie so gerne streicht man als schuldigen Zoll die Lobsprüche ein, welche dem Erfolge meist nicht fehlen! Und wenn auch der Mund diese Lobsprüche als unverdiente ablehnt, so pflegt er wohl bescheidener zu sein, als das Herz, und anders zu reden, als dieses denkt. Die wahre Gesinnung bricht aber doch zuweilen hervor und sucht die eigenen Verdienste ins rechte Licht zu stellen. Und auch gegen die Selbstüberschätzung ist es heilsam, wenn wir uns darauf besinnen, dass wir nichts sind als Arbeiter, und dass sowohl Kapital als Werkzeug, Zeit wie Kraft, Gelegenheit und Material unseres Herrn ist, der uns hierher gestellt, uns die Arbeit zugewiesen und alles Nötige dazu geliefert hat, und dass es ein Raub an Seiner Ehre ist, wenn wir uns die Ehre des Erfolges zuschreiben wollten. Ihm sei denn auch allein Lob, Preis und Ehre in Ewigkeit! (Anton Camillo Bertoldy)