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Johannes 4,31

Johannes 4,31

Andachten

Indes aber ermahnten ihn die Jünger und sprachen: Rabbi, iss. Er aber sprach zu ihnen: Ich habe eine Speise zu essen, davon wisst ihr nicht. Da sprachen die Jünger unter einander: Hat ihm Jemand zu essen gebracht? Jesus spricht zu ihnen: Meine Speise ist die, dass ich tue den Willen des, der mich gesandt hat, und vollende sein Werk.
Welch eine Freude es verursacht, eine Menschenseele zu gewinnen, das ist recht deutlich hier am Herrn zu sehen. Als Er zum Jakobsbrunnen kam, war Er müde und begehrte zu trinken; aber das Gespräch mit der Samariterin ließ Ihn Müdigkeit und Durst vergessen, und da Er sah, dass das Weib einen Eindruck von Seinen Worten empfangen, bedurfte der Leib auch der stärkenden Speise nicht mehr, sondern nahm Teil an der heiligen Freude, von welcher die Seele voll war. „Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes, spricht der Herr, über einen Sünder, der Buße tut.“ Die Engel sind nur Zuschauer der geistigen Bewegungen unter den Menschenkindern; aber sie freuen sich doch, wenn eines derselben sich von der Finsternis zum Lichte kehrt. Wieviel mehr wird der Freude haben, welcher diese Bekehrung selbst bewirkt hat! Angefangen beim Herrn. Es ist Ihm wahrlich sauer genug geworden, in Knechtsgestalt auf Erden zu wandeln und eines schmachvollen Todes zu sterben; doch hat Er es getan um der Freude willen, welche Er haben würde, so viele ohne Seine Selbstverleugnung verlorene Menschenseelen ewig selig zu sehen. Und nun, nachdem Er erhöht ist, wenn nun in dem großen Kampfe um die Seelen Sein Geist und Seine Liebe, mit der Er uns bis in den Tod geliebt hat, in einer den Sieg davon trägt über die Weltliebe und Selbstliebe, wenn also eine Seele sich ihrem wahren Heil zuzuwenden beginnt, in Jesu ihren Heiland erkennt, Ihn um Seines Opfers willen lieb gewinnt und sich zu Ihm hält, welch eine Freude ist das für Ihn! Hat Gott die Welt geschaffen, um in dem Glück Seiner Geschöpfe Seine eigene Seligkeit zu erhöhen, und hat Er Sein Wohlgefallen daran, täglich Seine Hand aufzutun und eine ganze Welt leiblich sättigen zu können, um wieviel größer muss dieses Wohlgefallen sein, wenn Er sieht, dass das mit dem Blute Jesu erworbene Heil seine Anhänger findet, welche mit dankerfülltem Herzen zu Ihm, dem Anfänger und Vollender ihres Glaubens, emporblicken? -Und auch für uns Menschen gibt es nach der Freude, sich selbst errettet zu wissen, keine größere, als das Werkzeug für die Errettung einer andern Seele zu sein. Nur Werkzeuge freilich sind wir dabei, denn selbst haben wir das Heil nicht erworben und können auch keine Seele willig machen, das von Jesu erworbene Heil anzunehmen; es ist dies des Heiligen Geistes Tat. Allein wir fügen dem Zeugnisse des Heiligen Geistes unser eignes Zeugnis bei, und wenn nun beides zusammen die Wirkung hat, dass eine Seele sich bekehrt, so sehen wir das Heil derselben geschaffen, unsern heißesten Wunsch erfüllt, unser Gebet erhört, und unsere Mühe durch einen schönen Erfolg gekrönt; wir sehen, dass der Heilige Geist sich zu unserem Tun bekannt hat und erwärmen unsere eigene Liebe wieder an dem frisch auflodernden Feuer der ersten Liebe der neubekehrten Seele, und haben in alle dem eine Freude, die weit über alle Freude geht, welche die Welt kennt oder bieten kann, eine Freude, welche der göttlichen Seligkeit näher kommt, als irgendeine andre, den Gipfel der Freude, welche auf Erden genossen werden kann, einer Freude, welche bereits hineinragt in den Himmel und ein Vorschmack dessen ist, was droben unsrer wartet. Möge unsere Trägheit uns nicht hindern, solcher Freude viel zu erleben! (Anton Camillo Bertoldy)

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