Johannes 4,23
Andachten
Aber es kommt die Zeit und ist schon jetzt, dass die wahrhaftigen Anbeter werden den Vater anbeten im Geist und in der Wahrheit; denn der Vater will auch haben, die ihn also anbeten. Gott ist ein Geist; und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.
Die Erkenntnis Gottes, wie sie das Christentum uns lehrt, ist so unendlich erhaben über den Vorstellungen, welche die Heiden sich über das Wesen der Gottheit machen, dass, wer beides kennt und sehen will, unmöglich verkennen kann, dass, während die Heiden ihre Vorstellungen aus sich selbst und der Natur geschöpft haben, der Christen Gotteserkenntnis nicht aus ihnen selbst stammt, sondern von oben herab durch göttliche Offenbarung ihnen gegeben sein muss. Der Heiden Gott war und ist die Natur und ihre Kräfte, und ihre vielen Götter sind nichts weiter als Darstellungen derselben in Gestalt von Personen. Und obwohl ihre erdachten Gottheiten an sich nichts sind, so ist die Anbetung, welche sie denselben darbringen, doch nicht ganz gegenstandslos, sondern das unreine Geisterreich hat sich ihrer bemächtigt und verkehrt mit ihnen, und Satan gebärdet sich dabei als der Gott der Welt. Der Christen Gott ist nicht die Natur, noch kommt ihr Dienst den Dämonen zu gut, sondern der Christen Gott ist über der Natur, obwohl sie völlig durchdringend, ist Geist und darum für unsere leiblichen Augen weder sichtbar noch darstellbar, aber doch auch Person, ein Ich, zu welchem unser Ich ein Du sagen kann, das Al-Ich, von welchem unser Ich nur ein schwaches, schwaches Abbild ist. Dieser überweltliche Gott, von welchem die Menschen durch die Sünde die Kenntnis verloren haben, außer welchem und ohne den es aber keinen Frieden und keine Seligkeit für uns gibt, hat sich von Anfang unser erbarmt und hat uns nicht in der Finsternis gelassen, mit welcher die Sünde uns umhüllt, und nachdem Er vor Zeiten manchmal und auf mancherlei Weise zu den Vätern geredet hat durch die Propheten, hat Er zuletzt zu uns geredet durch den Sohn. Aber nur allmählig haben es die Menschen vermocht, Sein Wesen zu fassen. Aus des Erzvaters Jacob Äußerung, nachdem er sein Traumgesicht von der Himmelsleiter gehabt, ist wohl zu sehen, dass er noch keine Einsicht in das geistige Wesen und die Allgegenwart Gottes hatte, aber Salomo weiß schon, dass Jehova nicht wohnt in Tempeln von Menschenhänden gemacht, sondern dass aller Himmel Himmel Ihn nicht fasse. Der unsichtbare, aber allein wahrhaftige Gott hat sich indes uns nicht offenbart, um lediglich unser Wissen zu bereichern, denn bei unsrer verdorbenen Natur blähet uns, wie Paulus sagt, das Wissen auf, sondern damit wir Ihn auch im Geist und in der Wahrheit anbeten. Mancher hochfliegende Menschengeist hat an dem, was uns Gott selbst über Sein Wesen offenbart, sein Genüge nicht gefunden, und hat gemeint, das Ich, die Persönlichkeit, schränke Gott ein, es sei geziemender, zu sagen, Gott sei nur Geist, aber keine Person. Darüber aber ist ihnen das Ich Gottes entschwunden, und sie können nicht mehr zu Ihm Du sagen, nicht mehr Ihn anrufen, beten, loben und danken. Aber was hilft, was bessert, was tröstet ein solcher Gott, der weder hören, noch sehen, noch helfen kann? Man fürchtet Ihn nicht, auch liebt man Ihn nicht. Die Heiden beteten in ihrer Unwissenheit ihre falschen Götter doch wenigstens noch an, aber die einer falsch berühmten Kunst verfallenen Christen haben sich einen Gott ersonnen, der der Anbetung nicht mehr fähig ist. Manche Christen, welche der Bilder bedürfen, um beten zu können, und sich zur Anbetung Gottes im Geist und in der Wahrheit nicht aufzuschwingen vermögen, werden von denen als abergläubisch belächelt, welche alle Anbetung längst aufgegeben haben, aber es ist doch noch mehr Hoffnung, für die Anbetung Gottes im Geist und in der Wahrheit gewonnen zu werden, bei solchen vorhanden, welche überhaupt noch beten, als bei solchen, welche gar nicht mehr beten. Gott aber, der selbst Geist ist, helfe uns, dass wir durch Seine rechte Anbetung mehr und mehr geistig und in Sein Wesen verklärt werden. (Anton Camillo Bertoldy)