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Lukas 2,42

Lukas 2,42

Andachten

Und da Jesus zwölf Jahre alt war, gingen seine Eltern hinauf gen Jerusalem, nach Gewohnheit des Festes. **
Der Gott aller Götter, der Abglanz der Herrlichkeit des Vaters, das Ebenbild seines Wesens, der Jehova, der bei dem Vater Herrlichkeit hatte, ehe der Welt Grund gelegt war (Joh. 17, 5.) und dem nun Alles unter seine Füße getan ist, alle Herrschaft, alle Gewalt, alle Macht, alle Fürstentümer und Alles, was genannt mag werden, nicht allein in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen (Ephes. 1, 21. 22.), mein Gott und mein HErr war also einst ein Knabe von zwölf Jahren. Eine erstaunliche Wahrheit! Wir sind der Sache zu gewohnt; wir haben sie zu oft gehört; wir sind in diesen Begriffen aufgewachsen; man hat sie uns in der Schule und in der Kirche unzählige Mal beizubringen gesucht; wir fühlen die Kraft und Schwere dieser Wahrheiten nimmer recht. Es geht uns damit wie mit den Werken Gottes in der Schöpfung; man wächst so darin auf; durch die Gewohnheit, durch die Zeit verlieren diese großen Offenbarungen Gottes nach und nach den Reiz der Neuheit und eben damit ihre Kraft an unsern Herzen. Wer unter uns wundert sich darüber, dass die Sonne täglich aufgeht, dass sie alles erleuchtet und erwärmt? Wer wundert sich darüber, dass, wenn man ein Samenkorn in die Erde legt, ein Halm oder ein Baum daraus entsteht, ob es gleich kein Weiser dieser Erde bis jetzt so weit gebracht hat, diesen großen Prozess der Natur zu erklären? Es ist eine eigene Kraft Gottes dazu erforderlich; ein jeder Fruchthalm, der aus der Erde herauskommt, ist ein Wort des allmächtigen Gottes an uns, und wahrlich! wir säen und ernten großenteils gedankenlos, weil wir es zu gewohnt sind. Wer wundert sich darüber, dass Gott die Erde mit Schnee bedeckt wie mit Wolle? Wir schreiten gedankenlos auch über diese Offenbarung Gottes hinweg, weil wir es gewohnt sind. Und so geht es auch mit dem Evangelium, mit den großen Wahrheiten der Bibel. (Ludwig Hofacker) —- **Und da er zwölf Jahre alt war, gingen sie hinauf nach Jerusalem nach Gewohnheit des Festes.

Was für ein liebliches Bild ist's doch, welches diese Worte vor unser Auge malen: der zwölfjährige Jesus mit seinen Eltern inmitten der Freunde und Bekannten und all' der Pilger, die zum Feste nach Jerusalem hinauf ziehen! Es war wohl das erste Mal, dass er wieder in die heilige Stadt und in den Tempel kam, seitdem ihn Maria am vierzigsten Tage zur Darstellung hingebracht. Die Worte aus dem Psalmlied (Ps. 122): „Ich freute mich über die, so mir sagten: Lasst uns ins Haus des Herrn gehen. Unsere Füße stehen in deinen Toren, Jerusalem“ fanden in des Jesusknaben Seele den lebendigsten Widerhall. Man sollte dieses Bild in alle Christenhäuser malen, damit es eine sichtbare Predigt für die Eltern würde, ihre Kinder in früher Jugend Gott zuzuführen und an sein Heiligtum zu gewöhnen, dass ihnen der Ort, da Gottes Ehre wohnt, lieb werde. Das ist ja doch das Beste, was wir unseren Kindern geben können, eine frühe Bekanntschaft mit dem Gotte ihres Heils. Man sorgt und müht sich so viel, ihnen irdisches Gut zu sammeln und zu hinterlassen, aber wo man ihnen nicht den Schatz über alle Schätze, die Gottesfurcht, ins Herz legt, ist's doch alles nichtig und flüchtig. „Frühe säe deinen Samen“ das gilt auch allen, die der Herr in den Elternberuf gesetzt hat. Kinderherzen sind fürs Göttliche, wenn es ihnen in der rechten Weise und aus aufrichtigem Herzen entgegengebracht wird, empfänglich, empfänglicher wenigstens, als in den späteren Jahren, wo so vieles über das Ackerland des Herzens hingeht und es fest und hart getreten wird. Aber mit Worten allein ist's nicht getan. Kinder wollen Exempel haben. Das Beispiel frommer, gottseliger Eltern, welche dem Kinde in der Gottesfurcht und in der Liebe zum Heiligtum des Herrn vorangehen, das wirkt mächtiger, nachdrücklicher, denn die schönsten Worte. Das prägt sich der Seele ein und trägt oft spät noch seine Früchte. So werden auch wieder die Eltern von den Kindern erzogen, indem sie um der Kinder willen zu frommem heiligem Wandel gereizt werden. Gebe Gott allen, Eltern und Kindern, die Liebe zu seinem Haus und Wort in die Herzen! (unbekannt)


Und da Jesus zwölf Jahre alt war, gingen sie hinauf gen Jerusalem nach Gewohnheit des Festes.
Die heiligen Evangelisten berichten uns die Geschichte der Geburt unseres Heilandes und einiges aus seiner ersten Kindheit ganz ausführlich. Dann wieder erzählen sie ganz ausführlich, was geschehen ist, nachdem er im Alter von dreißig Jahren von Johannes dem Täufer im Jordan getauft war, und sein Lehramt angetreten hatte. Über den langen Zeitraum aber von seiner ersten Kindheit bis zu seinem dreißigsten Lebensjahre, also bis er zum Mann herangewachsen war, schweigen sie. Nur die eine Geschichte erzählen sie uns von dem zwölfjährigen Jesus im Tempel. So muss wohl diese Geschichte eine ganz besondere Bedeutung haben. Sie zeigt uns, dass unser Herr Jesus Christus, der einige Sohn des ewigen Vaters, ganz uns Menschen gleich geworden ist. „Er äußerte sich selbst, und nahm Knechtsgestalt an, ward gleich wie ein anderer Mensch, und an Gebärden als ein Mensch erfunden“ (Phil 2, 7). Der Herr Jesus ist aufgewachsen vom Kind zum Knaben, und vom Knaben zum Mann. Und wie er an seinem Leibe allmählig gewachsen ist, so hat er auch allmählich zugenommen an Weisheit und Verstand. Er folgt wie ein Kind seinen Eltern gehorsam nach Jerusalem zum Tempel. Wie ein Kind bleibt er im Tempel zurück, ohne an die Sorge der Eltern zu denken, weil seine Seele von dem ergriffen ist, was er dort sieht und hört. Wie ein Kind sitzt er zu den Füßen der Lehrer, und „hört ihnen zu“, und „fragt sie“. Und wie ein Kind kehrt er mit seinen Eltern wieder zurück nach Nazareth, und „war ihnen untertan.“ Aber wir sehen in diesem Evangelium nicht bloß, wie menschenähnlich der ewige Sohn Gottes geworden ist. Wir sehen auch, wie so ganz er, der Gottessohn, von andern Menschen verschieden war. Sein Verständnis der heiligen Schriften reichte weit über seine Jahre hinaus. Zuhörend und fragend wurde er ein Lehrer der gelehrten Schriftgelehrten. „Sie verwunderten sich seines Verstandes und seiner Antwort.“ Als seine Mutter mit leisem Vorwurf sprach: „Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht!“ Da antwortet er: „Was ist's, dass ihr mich gesucht habt? Wisst ihr nicht, dass ich sein muss in dem, das meines Vaters ist?“ „Das meines Vaters ist“, das verstehen wir erst recht im Gegensatz gegen das Wort der Maria: „dein Vater und ich.“ Der Jesusknabe bezeugt damit seine Erkenntnis, dass er der Sohn dessen war, dessen Herrlichkeit im Tempel wohnte, des ewigen Gottes. So bricht hier ein Strahl seiner ewigen Gottheit aus der niedrigen Hülle des Fleisches, in welche er sich gekleidet hatte. Er offenbarte, vielleicht zum ersten Mal, seine Herrlichkeit.

Lasst uns beten: Wir danken Dir, Herr Jesu Christe, Du ewiger Sohn vom Vater, dass Du ein Menschenkind geworden bist, wie wir, und hast durch Dein heiliges Kindesleben unsere Kindheit geheiligt. Wir danken Dir, dass Du schon früh Deine ewige Gottheit und Herrlichkeit offenbart hast, damit wir an Deinen Namen glauben. Hilf, dass auch wir und unsere Kinder zunehmen an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen, und einst mit Dir Erben werden Deines ewigen Reiches. Amen. (Alfred Meyer)

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