Lukas 1,78
Andachten
Durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes hat uns besucht der Aufgang aus der Höhe; auf dass er erscheine denen, die da sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte ihre Füße auf den Weg des Friedens.
Zur Weihnachtszeit ist allenthalben große Freude. Ziehen wir aber alles das von ihr ab, was nur in einem losen und entfernten Zusammenhange mit ihr steht, wieviel würde wohl bei den Meisten von reiner Festfreude nachbleiben? Ach so wenig, dass wir uns schämen müssen, dass uns die menschliche Zutat so viel und die herrliche Gottestat so wenig gilt. Und doch ist das Weihnachtsfest das rechte Freudenfest der Christenheit. Wir freuen uns der herzlichen Barmherzigkeit unsres Gottes, welche in der Menschwerdung seines Sohnes kindlich groß geworden ist; denn die Dahingabe seines Sohnes ist ein Opfer, welches seine Barmherzigkeit einem Geschlechte gebracht hat, das kein andres Verdienst dabei hat, als sein großes Elend und seine Bedürftigkeit. Ein Opfer, welches, nachdem es gebracht ist, ach so viel Gleichgültigkeit, ja Undankbarkeit, und so wenig Anerkennung und Annahme findet. Und doch ist es ein rechtes Opfer, wenn der Vater sein einziges Kind hergibt, es seiner ewigen Herrlichkeit entkleidet, und es Knechtsgestalt annehmen lässt, ein Opfer, das reine, herzliche Barmherzigkeit Ihm eingegeben hat, wie Er sie allein, und sonst Niemand hat, eine solche Barmherzigkeit, die zwar in der göttlichen unendlichen Liebe ihren Quell hat, aber die doch mehr ist als Schöpferliebe, weil sie ein so großes Opfer dabei bringt. Die Menschwerdung des Sohnes Gottes ist eine schöpferische Tat der barmherzigen Liebe Gottes, und die irren sehr, welche meinen, das Menschengeschlecht hätte Christus als reifgewordene Frucht aus sich erzeugt. Nein, Christus ist das Licht, welches in die Welt gekommen ist, der Ausgang aus der Höhe, das neue Licht, welches in der Finsternis dieser Welt scheint; denn wir sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und nicht bloß in Irrtum und Unwissenheit. Ist Gott das ewige unerschaffene Licht, von welchem alles Leben ausgeht, so ist die Finsternis, in welcher wir sitzen, die Nichtigkeit, die Eitelkeit, der Tod. Aber es hat uns besucht das Licht des Lebens, nicht auf eine kurze Zeit und ist nachher wieder verschwunden, sondern sein heller Schein ist noch unter uns und erleuchtet uns zum ewigen Leben. Ja, die Finsternis, in welcher wir von Natur sitzen, und aus welcher wir uns nicht rühren, nicht zum Lichte fortschreiten können, die hat Christus überwunden, und Er richtet nun unsere Füße auf den Weg des Friedens, und darum heißt er auch Friedefürst. Was gibt es aber Köstlicheres als Frieden, jenes Gut, nach welchem alle Menschen jagen, ohne es doch je erreichen zu können, wenn ihnen nicht der Aufgang aus der Höhe erscheint und mit seinem milden Strahlen sie erleuchtet und belebt? Ist dir aber Christus als das einige rechte Lebenslicht in deinem Herzen aufgegangen, dann wirst du auch vom Frieden nicht bloß flüchtig angehaucht, sondern du wirst ein Kind des Friedens durch und durch, du betrittst den Weg des Friedens und schreitest auf ihm fort, bis du das Ziel dieses Weges erreichst und eingehest in die Hütten des ewigen Friedens. - Darum stimmen wir mit voller Seele ein in den Lobgesang der himmlischen Heerscharen und singen: Ehre sei Gott in der Höhe, Frieden auf Erden und an den Menschen ein Wohlgefallen! Amen.. (Anton Camillo Bertoldy)
**Durch die herzliche Barmherzigkeit Gottes hat uns besucht der Aufgang aus der Höhe, auf dass er erscheine denen, die da sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsre Füße auf den Weg des Friedens. **
Seine Erscheinung ist die Offenbarung der höchsten Liebe Gottes, wie sich an ihm auch seine Gerechtigkeit in ihrem vollen Umfange erwiesen und verherrlicht hat, und Paulus leitet den Schluss daraus hervor: Wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? Dem sich Nahenden tönt nun keine Stimme entgegen, ihn zurückzuscheuchen, wie dem Moses, sondern an alle Mühseligen und Beladenen ergeht der Ruf: Her zu mir! Nicht heißt es mehr: Lass sie von ferne anbeten, sondern vielmehr: Lasst uns mit Freimütigkeit hinzutreten. Knechtische Furcht, die vor einer beleidigten und noch nicht ganz versöhnten Majestät zittert, ist der neutestamentlichen Verfassung nicht angemessen, wo vielmehr ein Geist der Kindschaft waltet, welcher Abba! lieber Vater! schreiet, und wo eine Liebe das Regiment führt, die alle Furcht austreibt, und allen Zwang aufhebt. Durch Mosen wurde das Gesetz, welches fordert: Tue das! - ohne weder Kraft noch Lust mitzuteilen was den Fluch ausspricht, und die Erlösung nur im fernen Schimmer zeigt, aber durch Christum ist die Gnade und Wahrheit geworden. Seine Erscheinung deutet auf lauter Erlösung hin, und von ihm mag es im höchsten Nachdruck heißen: Ich bin hernieder gefahren, mein Volk zu erlösen. Wo sind die Mittel, die uns erlösen mögen? Statt aller ist Ein Mittel da, und das ist kein anderes, als Jesus Christus selber. Ist er nicht dazu erschienen, die Werke des Teufels zu zerstören? Ist er nicht gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist? Ist er uns nicht gemacht zur Erlösung? Und ist wohl in einem anderen Heil? Es ist uns ja kein Name gegeben, darinnen wir sollen selig werden, als der Name Jesus. Mut deswegen, ihr, die ihr nach Erlösung schmachtet, - Mut, denn dieser wird sein gefangenes Volk erlösen, und wer zu mir kommt, den will ich nicht hinausstoßen. (Gottfried Daniel Krummacher)