Lukas 1,57
Andachten
Und Elisabeth kam ihre Zeit, dass sie gebären sollte; und sie gebar einen Sohn. Und ihre Nachbarn und Freunde hörten, dass der HErr große Barmherzigkeit an ihr getan hatte, und freuten sich mit ihr. Und es begab sich am achten Tage, kamen sie zu beschneiden das Kindlein; und hießen ihn, nach seinem Vater, Zacharias. Aber seine Mutter antwortete, und sprach: Mitnichten, sondern er soll Johannes heißen. Und sie sprachen zu ihr: Ist doch Niemand in deiner Freundschaft, der also heiße. Und sie winkten seinem Vater, wie er ihn wollte heißen lassen. Und er forderte ein Täflein, schrieb, und sprach: Er heißt Johannes. Und sie verwunderten sich Alle. Und alsobald ward sein Mund und seine Zunge aufgetan, und redete, und lobte GOtt. Und es kam eine Furcht über alle Nachbarn; und diese Geschichte ward allen ruchbar auf dem ganzen jüdischen Gebirge. Und Alle, die es hörten, nahmen es zu Herzen und sprachen: Was, meinest du, will aus dem Kindlein werden? Denn die Hand des HErrn war mit ihm.
Das Wort des HErrn fällt niemals auf die Erde. Elisabeth hat es erfahren, denn zu der vom HErrn festgesetzten Zeit gebar sie ihr Kind, und ihre Nachbarn und Freunde schlugen nicht die Hände über den Kopf zusammen, wie so Etwas möglich sei, und wunderten sich über die wunderbare Natur, sondern sie priesen GOtt, dass Er solche Gnade an der Elisabeth getan. Sie hatte ja das Glück, fromme Nachbarn zu haben, die nicht wegschwatzten, was GOtt der HErr ihr Großes erwiesen, sondern die vielmehr es ihr recht ins Gedächtnis riefen, dass dies Alles lauter Gnade sei. Wohl den Menschen, die sich solcher frommen Nachbarn erfreuen. Fromme Nachbarn sind vor allen Dingen auch ein großes Gnadengeschenk unseres GOttes, weshalb Luther uns in der vierten Bitte darum bitten heißt.
Am achten Tage versammelten sich die Nachbarn, welche das Kindlein beschneiden helfen wollten, und demselben zugleich auch den Namen geben wollten; denn auch der Jude empfing seinen Namen bei der Beschneidung, damit er sich stets daran erinnere, dass er seinen Namen nur als ein Gotteskind trage. Wenn nun aber die Juden am achten Tage ihre Kinder in den Bund mit GOtt eintreten lassen konnten, dann ist es doch sehr wunderbar, dass es so viele Christen gibt, welche behaupten, für die Christenkinder sei es zu früh, um am achten Tage getauft zu werden. Ich will die läppischen Einreden hier gar nicht weiter erwähnen, sondern nur sagen: GOtt hat es geboten, dass die Judenkinder am achten Tage beschnitten werden sollten; Christenkinder sind nicht schlechter als Judenkinder, darum haben auch unsere Väter bis in unser Jahrhundert hinein immer ihre Kinder binnen acht Tagen und meistens am Sonntage nach der Geburt taufen lassen. Lass dir nur einmal von deinem Prediger die Kirchenbücher ausschlagen, da wirst du es bestätigt finden. Luther hat sogar seine Kinder stets am Tage nach ihrer Geburt taufen lassen. Warum der HErr dies fordert, weiß ich nicht und geht mich auch gar Nichts an; ich weiß nur, dass von GOttes Wort nicht ein Titel auf die Erde fällt. Ich brauche nicht GOttes Wort zu ergründen, wohl aber ist es meine Pflicht, es zu befolgen. Und nun sieh': während die Elisabeth sich mit den Verwandten über den Namen streitet, erhält der Vater selbst die Sprache wieder, die Zeit der Heimsuchung ist beendet; denn GOtt sucht Seine Kinder nicht länger heim, als nötig ist. Zacharias hat gelernt, GOtt zu glauben und GOtt zu vertrauen, und da bedarf er nicht länger der Zuchtrute GOttes. Er braucht aber die ihm wieder verliehene Sprache zuerst, um GOtt zu loben und Seinen Namen zu preisen. Möge er auch darin in uns Allen willige Nachfolger finden, dass wir die von GOtt verliehenen Gaben auch zu GOttes Ehre gebrauchen. Amen. (Johannes Paulsen)