Markus 3,35
Andachten
Gedenkt an das Wort des Herrn Jesu, das Er gesagt hat: Wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter.
Jesus vereinigt in einem Verse eine ganze Gruppe der zärtlichsten irdischen Verwandtschaften, als ob kein alleinstehendes Vorbild genug wäre, um Seine Liebe darzustellen. Menschliche Liebe muss ihre reizendsten Farben in einem Brennpunkt sammeln, und doch ist Alles zu gering, um einen Begriff der Seinigen zu geben. „Wie Einen seine Mutter tröstet.“ Meine Schwester, meine Braut. Er ist Sohn, Bruder, Freund - Alles in Allem; Er steht fester zu uns, denn ein Bruder.
Und können wir uns über solche Sprache wundern? Ist sie bloß bildlich, mehr als die Wirklichkeit ausdrückend? Er gab sich selbst für uns; nach diesem Unterpfande Seiner Liebe dürfen wir über keinen Ausdruck Seiner Teilnahme mehr erstaunen. Alles, was er sagen oder tun kann, ist unendlich geringer als das, was Er bereits getan hat.
Christ! bist du einsam und verlassen? Hat der Todesengel irdische Bande gelöst? Hat das Grab dir die Deinen entführt und die teuersten Verbindungen irdischer Liebe vernichtet? Du findest in Jesu die kindliche und die brüderliche Liebe vereint; Er ist der Freund der Freunde, dessen Gegenwart und Gemeinschaft alle Verluste ersetzt, alle Lücken ausfüllt; „der den Einsamen das Haus voll Kinder gibt.“ Bist du hienieden verwaist, verlassen, trostlos, so erinnere dich, dass der ältere Bruder auf dem Throne eine Liebe besitzt, tief, wie der unergründliche Ozean, - grenzenlos, wie die Ewigkeit!
Und wer sind diejenigen, die auf die Seligkeit Anspruch machen können, von welcher in diesem wunderbaren Vergleich die Rede ist? Auf wen ergießt er diese unbeschreibliche Liebe?
Kein bloß äußerliches Bekenntnis kann sie erkaufen; keine Kirche, kein Priester, keine kirchlichen Gesetze, keine sektiererischen Unterschiede. Es sind nur die geheiligten Herzen. „Der den Willen Gottes tut,“ der welcher den Sinn Jesu wiederspiegelt, Seinen Geist einsaugt, den täglichen Wandel nach Seinem Worte ordnet, und Seine Ehre zu dem großen Ziele Seines Daseins macht; der welcher zu Gott, mit Gott und für Gott lebt; der demütige, kindlich gesinnte, Christo ähnliche, himmelanstrebende Christ, er ist es, der mit Recht diese wunderbare Erbschaft der Liebe sein eigen nennen kann! Wenn es ein würdiges Verlangen ist, von den Guten und Ausgezeichneten dieser Erde geliebt zu werden, was muss es sein, allezeit ein liebendes Auge von dem Throne auf uns herabstrahlen zu wissen, im Vergleich zu welchem die Anhänglichkeit irdischer Brüder, Schwestern , Verwandten und Freunde Alle zusammengefasst wie das Licht der Sterne vor der aufgehenden Sonne erblassen muss! Wenn wir uns auch oft schämen, Ihn Bruder zu nennen, so schämt Er Sich doch nicht uns Brüder zu nennen. Er sieht auf uns arme Erdenwürmer herab und sagt: „der ist mein Bruder!“ „Ich will,“ sagt Er an einer anderen Stelle, „meinen neuen Namen auf sie schreiben.“ Gerade wie wir unsere Namen auf ein Buch schreiben, um zu bezeichnen, dass es uns gehört, so will Jesus Seinen eigenen Namen auf uns, die wunderbaren Bände Seiner Gnade, schreiben, damit sie von Fürstentümern und Obrigkeiten gelesen und erwogen werden mögen.
Haben wir diese Liebe Gottes erkannt und geglaubt? Ach, wie armselig ist die Vergeltung gewesen! Wer unterzeichnet nicht die Worte Eines, dessen Namen in allen Gemeinen ist, deine Liebe ist wie ein reicher Wasserstrom gewesen; die Erwiderung war nur ein Tautropfen und dieser Tautropfen von Sünden befleckt.
Wer Mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen. (John Ross MacDuff)