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Markus 11,15

Markus 11,15

Andachten

Und Jesus ging in den Tempel, fing an und trieb aus die Verkäufer und Käufer in dem Tempel; und die Tische der Wechsler und die Stühle der Taubenkrämer stieß er um.
Dies ist eine andere Stelle, welche man gegen die Sündlosigkeit Jesu anzuführen pflegt. Man sagt, Jesus habe hier leidenschaftlich und gewalttätig gehandelt. Dazu hat aber Niemand ein Recht, denn es war nicht das Aufbieten äußerer Zucht- oder Schreckmittel, sondern der heilige Ernst und das persönlich Gebietende, was dem Tun Jesu Nachdruck gab. Man bedenke, ein einzelner Mann, ohne Polizei oder eine andere Staatsgewalt im Rücken, ja im Gegensatz zu dieser, treibt einen ganzen Markt voller Menschen auseinander, welche im besten Zuge waren gute Geschäfte zu machen, und wirft ihr Eigentum durcheinander, - und sie gehorchen. Warum? Nicht aus Furcht vor irgendeiner polizeilichen Strafe, sondern unter der unmittelbaren Einwirkung der prophetischen Majestät Jesu und in dem Gefühl, dass Er Recht und sie Unrecht haben. - Aber dennoch bleibt in dieser Handlung etwas von zürnender Aufwallung, was gegen die sonstige Milde Jesu abzustechen scheint, und auch die Apostel erblickten in seinem Verfahren einen verzehrenden Eifer. Allein hier tritt der Unterschied ein zwischen der persönlichen Leidenschaft und dem edlen Zorn des höheren Berufes. Jesus steht nicht als jüdischer Rabbi jüdischen Krämern, sondern er steht als göttlich berufener Reiniger des Gottesstaates den Schändern des Heiligtums Gottes gegenüber, und diese Stellung gab ihm das Recht, auf eine Weise zu verfahren, welche sich nicht in den Schranken des Gewöhnlichen zu halten brauchte. Es war die Macht des wahrhaft prophetischen Strafamtes, das zu allen Zeiten und unter allen Völkern, wenn die irdischen Verhältnisse und die vorhandenen Gesetze das wachsende Verderben nicht zu hemmen vermögen, von den dazu berufenen Naturen geübt wird und geübt werden soll. Jesus konnte es tun, und darum sollte Er es auch tun. Aber solch eine Handlung konnte gar nicht vollzogen werden ohne tief erschütternden Ernst und kräftig zürnenden Eifer; und dieser göttlich eifernde Ernst ist auch des Reinsten nicht unwürdig, weil ohne ihn in verdorbenen Zeiten nichts Großes vollbracht werden kann. Wie nun das jüdische Volk in seinem Tempel einen Mittelpunkt hatte, wo es Gott Opfer und Dienst darbrachte, eine Stätte, von wo sein religiöses Leben ausging und wohin es zurückkam, so hat ein jeder Christ in seinem Herzen ein Heiligtum, welches Gott allein geweiht sein soll. Aber ach, statt der Liebe Gottes, welche als helles Feuer darin brennen sollte, hat die Selbstsucht ihren Tisch darin ausgeschlagen und entweiht die Stätte, welche Gott zu seinem Dienst geschaffen hat. Wunderst du dich, wenn Gott dein Herr im heiligen Eifer ob der Schändung seines Heiligtums die Geißel schwingt und durch bitteres Leid die Käufer und Verkäufer hinauszutreiben sucht, damit Raum gemacht werde für seinen Dienst? Wolltest du dich aber selbst richten und selbst die ungöttliche Beschaffenheit deines Herzens geißeln, und dir eingestehen, dass dein Herz einer Reinigung und Neugestaltung bedürftig sei, so würde der Herr deiner schonen können, und du würdest nicht von Ihm gerichtet werden. (Anton Camillo Bertoldy)

Predigten

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