Matthäus 5,44
Andachten
Liebt eure Feinde; segnet, die euch fluchen; tut wohl denen, die euch hassen; bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen; auf dass ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel; denn er lässt seine Sonne aufgehen über die Bösen und über die Guten, und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. Denn so ihr liebt, die euch lieben, was werdet ihr für Lohn haben? Tun nicht dasselbe auch die Zöllner? Und so ihr euch nur zu euren Brüdern freundlich tut, was tut ihr Sonderliches? Tun nicht die Zöllner gleich also? Darum sollt ihr vollkommen sein, gleichwie euer Vater im Himmel vollkommen ist.
Gutes für Böses soll unsre einzige Waffe sein; mit ihr sollen wir immer kämpfen, es mag kosten, was es will. Gott schenkt seine Liebe den Menschen, die sie nicht verdienen, und so müssen wir's auch machen. Viel besser, dass wir hundert Bösen helfen und dabei betrogen werden, als dass ein leidender Mitmensch um der Bosheit der andern willen ohne Hilfe bleibe. Das Leben in einer betrügerischen, gottlosen Welt macht uns leicht hartherzig; wir dürfen uns aber diesem Einfluss nicht hingeben und so unsre Herzen gegen unsre Mitmenschen verhärten. Es ist ein hohes Ideal, das uns vorgehalten wird, aber wir müssen es zu erreichen suchen. Unbeschränktes Wohlwollen und unbesiegbare Liebe sind die Krone und der Ruhm eines christlichen Charakters; ohne das fehlt uns etwas, so große Tugenden wir sonst haben mögen. Der Mann der strengen Gerechtigkeit muss eine höhere Stufe ersteigen; er muss lernen Unrecht mild verzeihen und ein edelmütiger Freund der Armen zu werden. Gott der Liebe, lehre uns das um Jesu willen! (Charles Haddon Spurgeon)
Liebt euere Feinde, segnet, die euch fluchen, tut Gutes denen, die euch hassen, und bittet für die, die euch beleidigen und verfolgen; auf dass ihr Kinder seid eueres Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute, und regnet über Gerechte und Ungerechte. **
Vater im Himmel, stille ist es geworden um uns her und die Ruhe der Nacht hat sich niedergesenkt auf die Erde. Wie erquickend ist sie für uns, diese Ruhe, nach all der Unruhe und den Sorgen des Tages; aber wie ladet sie uns auch ein, nicht bloß unsere Glieder zur leiblichen Ruhe zu legen, sondern auch unsere Seelen noch einmal ruhen zu lassen an deinem Vaterherzen und dir für alle deine Wohltaten zu danken. Du Geber aller guten Gaben, deine Gabe war auch der heutige Tag, du hast uns diese neue Gnadenfrist geschenkt, zu unserer Arbeit deinen Segen verliehen, unsere Seelen ermuntert durch die Kraft deines Geistes. Vom Morgen bis zum Abend hast du uns begleitet mit deiner Hilfe. Während du so treu an uns gewesen bist, haben wir, o Gott, uns manche Untreue zu Schulden kommen lassen. Wir haben deiner oft vergessen unter den Zerstreuungen des Tages. Kleinmut und Unmut haben unsere Stimmung getrübt und der Geist der Liebe und Geduld hat oft nicht Stand gehalten in der Anfechtung der Welt. Unsere Lippen haben sich befleckt mit unbesonnenen und leidenschaftlichen Worten und das Werk, das wir verrichtet haben, ist Stückwerk geblieben. so verzeihe uns denn, himmlischer Vater! nach deiner Güte, und gedenke nicht mehr der Sünden dieses Tages. Mache uns bereit und fähig, auch denen zu vergeben, die wider uns gesündigt haben, und lass uns der Fehler unserer Mitmenschen nicht mehr gedenken. Schirme uns Alle in der kommenden Nacht mit deinem mächtigen Arm und gib Ruhe auch denen, deren Herz voll Unruhe ist. Bewahre uns in deinem Frieden jetzt und in Ewigkeit. Amen. (Robert Grubenmann)
—-
**Liebt eure Feinde; segnet, die euch fluchen; tut wohl denen, die euch hassen; bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen; auf dass ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über die Bösen und über die Guten und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.
Dieses Wort predigt uns deine Liebe, o Gott, und deine Geduld, gebietet uns aber auch, eine gleiche Liebe zu betätigen und gleiche Geduld zu üben, um durch beide als deine Kinder uns auszuweisen. Darum hält es uns dein Tun als einen Spiegel vor, dass wir daraus lernen geduldig sein, wie du geduldig bist, der du keinen Unterschied machst zwischen Guten und Bösen, zwischen Gerechten und Ungerechten, sondern über beide gleich deine Sonne aufgehen, über beide wieder gleich regnen lässt. Ach ja, also bist du und also tust du, lieber himmlischer Vater. Also prediget es uns jeder Sonnenaufgang am Morgen wie jeder Regen und Tau, der vom Himmel fällt. Du bist ein Gott der Gnade und der Geduld. Du handelst nicht mit uns nach unseren Sünden und vergiltst uns nicht nach unserer Missetat. Du - verziehest deine Gerichte, weil du Geduld hast mit uns und nicht willst, dass Jemand verloren werde, sondern dass Jedermann zur Buße sich kehre. Darum heißt es ja im Gleichnis, als die Knechte kamen und sprachen: Sollen wir hingehen und das Unkraut ausjäten: „Nein, auf dass ihr nicht zugleich den Weizen mit ausraufet, so ihr das Unkraut ausjätet.“ Wir danken dir von Herzen für diesen Trost, den wir mit allen Menschen haben an deiner väterlichen und göttlichen Geduld. Dazu bitten wir dich, als die wir dessen ja auch bedürfen: Herr, trage uns ferner mit Verschonen und habe weiter noch mit uns Geduld. Wir müssen dir aber bekennen und klagen, dass unser Herz oft ein gar ungeduldiges ist. Die wir uns dünken stark zu sein, wollen oft nicht der Schwachen Gebrechlichkeit tragen. Wir wissen, wes Geistes Kinder wir sind, wissen, dass wir sollen vollkommen sein, wie du, unser Vater im Himmel, vollkommen bist. Doch geben wir Raum dem Zorn, der nicht tut, was vor dir recht ist, und hätten wir nur dazu die Macht, so würden wir nicht selten Feuer vom Himmel fallen lassen, zu verderben, was uns nicht nach Wunsch und Willen in der Welt ist. Ach du Gott der Geduld. Hilf uns, dass wir dem Worte und Vorbilde deines lieben Sohnes folgen, dass wir gleich ihm, der als ein geduldiges Lamm so großes Widersprechen von den Sündern ohne Murren dagegen erduldete, aller Gewalt, die man uns antut, weichen, nicht uns selber helfen wollen gegen jedes Unrecht, das uns von Menschen widerfährt, dich nicht tadeln und nicht wider dich murren, wenn du nicht immer ein schneller Zeuge wider die Bösen in der Welt bist. Überwinde unser Herz, bilde uns nach dir, gib uns einen stillen, sanften Geist, dass wir stille seien und zu Beleidigungen schweigen, unsere Feinde lieben und segnen und deine große Geduld achten für unsere und aller Menschen Seligkeit. Amen. (Carl Gottlieb Just)
Liebt eure Feinde, segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen.
Mir sollen nicht Böses mit Bösem vergelten; aber das ist noch nicht genug; unsre Liebe soll sich ernster zeigen - auch den Zorn und Grimm des Herzens sollen wir ablegen; aber auch das ist noch nicht genug. Immer tiefer führt uns Gottes Hand und verlangt von uns, dass wir das Böse mit Gutem vergelten; dass wir den Feind speisen, wenn ihn hungert; dass wir ihn tränken, wenn ihn dürstet; dass wir ihn segnen, wenn er flucht; dass wir ihm wohltun, wenn er hasst. Der Christ soll seine Hände aufheben und den Segen Gottes vom Himmel herunter beten, dass er sich auf das Haupt des Feindes neige und ihm das Herz erquicke; er soll die Hände ausstrecken und Gaben der Liebe und der Freundlichkeit dahin tragen, wo man ihm kalt und herzlos begegnet ist. So steigt unser Herr mit seinen Forderungen bis in die tiefste Tiefe unsres Herzens hinein; er lässt der Selbstsucht keinen Platz, und dem Eigenwillen gibt er keinen Raum. Wenn er dir die Geduld zerreißen will, weil dir der Bruder zu nahe getreten ist und immer wieder zu nahe tritt und dir immer wieder etwas zu Leide tut dann höre erst recht das Wort: „Segnet, die euch fluchen.“ Ins heiligste Kämmerlein der Liebe lässt dich der Heiland hineinschauen. Wohl Dem, der nicht nur hineinschaut, sondern auch wirklich diese Liebe sich ins Herz pflanzen lässt! Und was ist die Folge solcher Liebesarbeit? Das ist die Folge, dass etwas vom verlorenen Paradiese in dies arme Erdenleben hinein getragen wird. Wo einmal die Liebe über den Hass siegt, da grüßt uns der Gruß von Eden her. Wo einmal der Segen über den Fluch siegt, da tönen Glockenklänge aus der Ewigkeit zu uns herüber. Wo einmal das Wohltun über das Übeltun siegt, da singen Engelstimmen vom Himmel herab ein Lied der Liebe. Und vor Allem wirst du selber so glücklich und so froh. Wie ein seliger Friede legt es sich in das Herz, wenn die rechte, vergebende und segnende Liebe bei dir Wohnung gemacht hat. Wer liebt, der ist glücklich. Darum geh zu Jesu, lass dir ein Fünklein seiner treuen Liebe schenken, der Heilige Geist bläst es zur Flamme an, und an der Flamme dürfen Menschenkinder glücklich werden.
Lasst uns beten: Wir danken Dir in dieser Morgenfrühe, Du lieber Vater im Himmel, dass Du in dieser Nacht wieder Deine Flügel über uns ausgebreitet und hast uns behütet und bewacht mit Allem, was wir sind und haben. Nun hast Du uns wieder einen Tag erleben lassen und hast uns Zeit gegeben, dass wir endlich, endlich einmal die wahre, segnende Liebe lernen möchten. O, Herr Jesu Christe, führe uns zu Deinem Herzen und lass uns da so recht warm werden. Schenke uns Deinen Heiligen Geist, dass wir Paradiesesglück in dies arme und unglückliche Erdenleben hineinpflanzen; mache unser eigen Herz recht glücklich, und gib uns immer neue Kraft, den Himmel auf die Erde zu tragen. Amen. (Wilhelm Hunzinger)
„Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde, segnet, die euch fluchen, tut wohl, denen, die euch hassen, bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen, auf dass ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel.“
Wie viel Schaden und Unsegen ganz im Verborgenen das bringt, wenn man sich mit dem Nebenmenschen verfeindet, das wird man einmal an jenem Tage erfahren. Wie viel Unglücksfälle, Krankheiten u. dergl. es oft zur Folge hat, das weiß kein Mensch. Aber nicht umsonst sagt der HErr: Sei willfährig deinem Widersacher bald.“ Das Allergefährlichste ist, mit Feinden, Verfolgern und Lästerern nicht glimpflich fahren. Das glaubt man nicht, was da eine geheime Justiz ist, dass der Fluch, Hass, Zorn und Grimm der Menschen auf einen fällt und man wie von finsteren Dämonen überflutet wird, die bereit stehen, die Handlanger des Zorneswillens eines Menschen zu sein. Am meisten ausgesetzt sind aber immer die Kinder Gottes, wenn sie sich nicht nach dem Wort des HErrn den Feinden gegenüber halten. Da muss man nur machen, dass man Frieden hält, dann kommt man am leichtesten durch. Friede aber halten wir, wenn wir nur unsrerseits es machen, wie's der HErr hier sagt: Liebt eure Feinde, indem ihr segnet, wenn sie fluchen, wohl tut, wenn sie weh tun, Gutes für sie erbittet und Vergebung, wenn sie euch beleidigen und verfolgen. Dann sind wir solche Kinder des Vaters im Himmel, denen Er auch wieder durchhilft, dass die Feinde es nicht gewinnen über uns. (Christoph Blumhardt)