Matthäus 5,15
Andachten
Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter, so leuchtet es denen allen, die im Hause sind. Also lasst euer Licht leuchten vor den Leuchten, dass sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.
Immer kommt das Wort Jesu von einer anderen Seite her, als wir erwarten. Er formt das Gleichnis, das er zum Bild seiner Jünger macht, nicht so: es ist Nacht und dunkel im Hause; zündet die Lampe an und tragt euer Licht in das dunkle Haus hinein, sondern er sagt: die Lampe brennt, verdeckt sie nicht, stellt sie nicht unter den Scheffel, wo sie nicht brennen kann und niemand leuchtet. Er hat nicht zu ihnen gesagt: macht aus euch das Licht der Welt, sondern: ihr seid es, wie er auch von sich selbst nicht sagte: ich mache aus mir das Licht der Welt, sondern: ich bin es. Warum überrascht uns sein Wort? Unsere Gedanken und die seinen gehen nicht von derselben Stelle aus. Unsere Gedanken fangen mit dem an, was wir selber sind. Jesu Gedanken fangen mit dem an, was Gott uns gibt. Weil wir bei uns selbst anfangen, fangen wir mit nichts an, beginnen mit dem, was uns fehlt und uns elend macht, bei der Lampe, die nicht brennt, die ich nun anzünden will bei der Nacht, der das Licht fehlt und die ich nun erleuchten will. Weil Jesus dagegen mit Gott anfängt, brennt bei ihm die Lampe und das Haus ist hell und er macht den Jüngern das zur Pflicht, dass sie das Licht nicht verbergen. Weil wir bei uns anfangen, das heißt beim Nichts, sehen wir, dass es viel für uns zu tun gibt. Nun machen wir uns ein großes Programm von Pflichten und verfassen ein mächtig anschwellendes Verzeichnis von Dingen, die wir schaffen wollen. Da bleibt uns nichts anderes übrig, als dass wir uns den Lastträgern zugesellen, die eine schwere Bürde schleppen. Auch Jesus hat für seine Jünger ein Programm bereit und spricht mit ihnen von ihrer Pflicht und ihrem Werk. Bei ihm besteht aber ihr Werk darin, dass sie das scheinende Licht nicht verdunkeln und die empfangene Gabe nicht verderben. Nach unserer Meinung sollen wir etwas werden; nach Jesu Gebot sollen wir das sein, wozu uns Gottes Gnade macht. Das ist zugleich sein sanftes Joch und sein mit drohendem Ernst gefülltes Gebot. Ob von meinen hübschen Phantasien und großartigen Plänen viel oder wenig zustande kommt, daran liegt wenig. Wenn ich aber Gottes Gabe verderbe und das Empfangene unfruchtbar mache, das ist Schuld. Jesus zeigt uns, was Sünde ist und was ihr die uns verderbende Macht verschafft. Wer das ihm scheinende Licht auslöscht, der sitzt nun im Finstern. Der verschiedene Anfang, den unsere Gedanken und die Jesu haben, zeigt sich auch im Ende, zu dem sie gelangen. Weil wir bei uns, das heißt beim Nichts, anfangen, bringen wir es zu Worten. Weil Jesus dagegen mit Gott und seinen Gaben anfängt, führt er uns zum Werk. Was Gott uns gibt, sind nicht nur Worte, sondern ist Leben und Tat. Denn Gottes Reich steht nicht in Worten, sondern in Kraft.
Deine Gaben, Vater, umringen mich. Dein Licht scheint mir, Dein Wort ruft mich, Dein Friede beschirmt mich. Deine Gemeinde nimmt mich bei sich auf, nährt mich und gibt mir Teil an Deinem Werk. Nun bitte ich Dich, der Du das Wollen und Vollbringen schaffst, gib mir, dass das, was DU mir gabst, seine Frucht trage zu Deinem Preis. Amen. (Adolf Schlatter)
Man zündet nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es denn allen, die im Hause sind.
Nicht nur draußen sollen wir unser Christentum leuchten lassen, sondern vor allem denen, die im Hause sind. Manche haben ein kleines Häuslein; sie bewohnen nur ein paar Räume und auch ihre Familie ist klein. Sie sollen um Gnade beten, dass sie diese wenigen recht glücklich machen, was nicht immer das leichteste ist. Andre haben eine große Familie; sie sollen danach streben, auf die vielen einen guten Einfluss zu üben. Wieder andre haben eine große Werkstatt und viele Arbeiter; sie sollen auf all ihre Arbeiter christlich einwirken. Die Prediger des Evangeliums brauchen besonders viel von dem Öl der Gnade, um das ganze, große Haus ihrer Gemeinde zu erleuchten. Die ganze Welt ist gleichsam ein Haus und die christliche Kirche das Licht, darum sollten alle wahren Christen, jeder an seinem Platze, so leuchten, dass die ganze Welt voll Erkenntnis der Herrlichkeit des Herrn wird. Das Licht soll allen im Hause leuchten. Es gibt Frauen, die gegen jedermann sonst gut sind, aber den Mann quälen sie und geben ihm kein Licht. Es gibt Männer, die gar viel ausgehen in Versammlungen, während ihre Frauen daheim des Lichts entbehren. Es gibt Herren, die sich gar nicht um ihre Diener kümmern, und Frauen, denen das Wohl ihrer Mägde gleichgültig ist. Wenn euer Licht in Ordnung ist, so erleuchtet es die Wohnstube und die Küche und strahlt auf alle, die im Hause sind. Ein Christ soll allen, die mit ihm in Berührung kommen, zum Segen werden. (Charles Haddon Spurgeon)
„Man zündet nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es denen allen, die im Hause sind.“
Der Kapital-Scheffel ist die Dogmatik und das System. Da schaufelt man alles in ein schönes Buch hinein, und da ist's dann drin. Möglicherweise habe ich mit aller meiner Lehre, die ich im Kopf habe, doch kein Licht. Wenn sie nur als totes Kapital in meinem Kopf ist, ist's nichts. Es muss an mir brennen, an meiner ganzen Person leuchten, dass jeder denkt: „Wer ist der?“ Es gibt manche solche ehrwürdige Gestalten, aus deren Gesicht etwas herausstrahlt, und aus deren Mund alles immer so kommt, dass es lieblich ist. Das ist etwas Schönes, wenn einer in allem, was er ist, ein Licht ist, und zwar ein Talglicht, das fein und ruhig brennt, nicht so zitternd, fackelnd und blendend, wie ein Gaslicht. Wenn aber, was wir haben vom Christentum, nur wie in einem Kästlein bei uns eingeschlossen ist, so gibt's kein Licht. Ach, wie schön, wenn, was wir erfahren und lernen aus dem Wort Gottes, gleich unsrer Person einen Lichtscharakter gibt! Was wäre das, wenn man den Leuten, so oft sie aus der Kirche kommen, nur auch absehen würde, dass sie in der Kirche gewesen sind. Aber da muss man fragen: „Wo kommst du her?“ Man sieht's ihnen nicht an, dass sie was Gutes gehört haben in der Kirche. So ist's auch mit dem heil. Abendmahl. Man sollte es einem abmerken, dass man durch den Genuss desselben etwas geworden ist, wenigstens für den Augenblick, was man vorher nicht war. Also den Leuten zeigen, was man hat und ist durch den Heiland, das heißt, sein Licht leuchten lassen vor den Leuten. (Christoph Blumhardt)