Amos 5,8
Andachten
Der aus der Finsternis den Morgen macht, Er heißt Herr!
Durch prächtige Beschreibungen der höchsten Majestät zeichnen sich die Schriften der Propheten vor allen andern aus. Zuweilen genügt ein einziger Zug, um ein klares Bild von derselben vor unsern Augen aufsteigen zu lassen. So geht es uns mit diesem Worte des Amos, so einfach und doch so eindrucksvoll erhaben. Leider, leider ist es das Werk und die Macht der Sünde, die den Morgenglanz von alle dem, was schön ist und gut, in Todesschatten untergehen lässt. Aber im Gegensatz dazu ist es die Macht, das Erbarmen, die ewige Treue unseres Gottes, dass er aus der Finsternis den Morgen macht, so oft seine Stunde gekommen ist, da er wieder sein belebendes und beseelendes Machtwort sprechen will!
Der aus der Finsternis den Morgen macht, - das Wort könnte als Überschrift dienen für die ganze Geschichte der Menschheit, der Offenbarung, auch für die Geschichte unseres Vaterlandes. Aber es ist zugleich der kurze Inbegriff dessen, was er vor Zeiten manchmal getan hat und noch tut in der kleinen Welt dadrinnen bei allen, die ihn in Christo kennen und lieb haben. Ach, wie viel Todesschatten auch in dem gläubigen Herzen; wieviel Finsternis auch auf dem Weg, der nach oben gerichtet ist; wie viel Nebel über die Zukunft gebreitet, die uns von allen Seiten so umringen, dass wir von ihnen gewissermaßen ganz und gar umhüllt werden, um spurlos in ihnen unterzugehen. - Wo ist der Trost, der allein im Stande ist, das alles aufzuwägen, was unser Leben je und dann zu einer unabsehbaren Nebelwolke macht? „Der aus der Finsternis den Morgen macht - er heißt Herr!“ - siehe hier die Antwort auf alles, was in und um uns her einen unerschöpflichen Stoff bietet für Frage und Klage. Ich brauche also nicht länger im Todesschatten zu sitzen als nötig ist; er flieht dahin auf den Wink dessen, auf dessen Geheiß noch immer das Licht in der Finsternis scheint; und die Morgenstande, die er schafft, wird zugleich die Weissagung von einem reich gesegneten Tage, auf den endlich keine Nacht mehr folgen wird.
Warum denn so dunkel und trübe, mein ruheloses Herz? Gottes Kinder haben den Todesschatten hinter sich, und vor sich die Morgenstande! Tue nicht also, als sei das Gegenteil der Fall:
Weg hast du allerwegen,
An Mitteln fehlt dir's nicht,
Dein Tun ist lauter Segen,
Dein Gang ist lauter Licht.
Ich glaube, Herr, hilf meinem Unglauben. (Oosterzee, Johannes Jacobus van)