Jesaja 58,11
Andachten
Und der Herr wird dich immerdar führen.
„Der Herr wird dich führen.“ Kein Engel, sondern Jehovah selber wird dich führen. Er sprach, Er wolle nicht mit seinem Volk heraufziehen durch die Wüste, Er wolle einen Engel vor ihnen hersenden; aber Moses sprach: „Wenn nicht Dein Angesicht geht, so führe uns nicht von dannen hinauf.“ Lieber Christ, Gott hat dich in deinem irdischen Pilgerlauf nicht der Führung eines Engels anvertraut: Er selbst leitet dich und ist dein Vorkämpfer. Vielleicht wirst du seine feurige Wolkensäule nicht gewahr, aber Jehovah wird dich nimmermehr verlassen. Achte auf das Wort: „wird“; „der Herr wird dich führen.“ Wie liegt doch hierin eine gewisse, unverbrüchliche Zusage! Wie unzweifelhaft steht es fest, dass Gott uns nicht verlässt! Sein teures „wird“ und „will“ ist besser als alle Menscheneide. „Ich will dich nicht verlassen noch versäumen.“ Sodann merke dir das Nebenwort immerdar. Wir sollen nicht nur zeitweise geführt werden, sondern wir sollen unter beständiger Obhut stehen; wir sollen nicht gelegentlich unserm eignen Urteil überlassen bleiben und so dem Irrtum verfallen, sondern wir sollen allezeit die leitende Stimme des großen Hirten vernehmen; und wenn wir unmittelbar seinen Fußstapfen nachfolgen, werden wir uns nicht verirren, sondern auf richtigem Pfade zu einer Ruhestätte gelangen. Wenn dir in deinen Lebensverhältnissen eine Veränderung bevorsteht, wenn du nach fernen Gestaden auswandern sollst; wenn dir bevorstehen sollte, in Mangel und Armut zu versinken, oder wenn du zu einer verantwortungsvolleren Stellung solltest erhoben werden, als du jetzt einnimmst; wenn du unter Fremdlinge, ja, selbst unter Feinde verschlagen wirst, so fürchte dich nicht, denn „der Herr wird dich immerdar führen.“ Es gibt keine Verlegenheiten, aus welchen du nicht wirst befreit werden, wenn du in Gottes Nähe bist, und dein Herz warm erhalten wird von seiner heiligen Liebe. Der geht nicht verloren, der mit Gott wandelt. Wandle wie Henoch mit Gott, so kannst du keinen falschen Weg einschlagen. Dann hast du die unfehlbare Weisheit bei dir, die dich leitet, die unwandelbare Liebe, die dich tröstet und die ewige Macht, die dich schützt. „Jehovah,“ achte auf das Wort: „Jehovah wird dich immerdar führen und deine Seele sättigen in der Dürre und deine Gebeine stärken.“ (Charles Haddon Spurgeon)
Der Herr wird dich immerdar führen.
Was fehlt dir? Hast du dich verirrt? Bist du in einen dunklen Wald geraten und kannst deinen Pfad nicht finden? „Stehet still und sehet zu, was für ein Heil der Herr heute an euch tun wird.“ Er kennt den Weg, und Er wird dich darauf leiten, wenn du zu Ihm schreist.
Jeder Tag bringt seine eigne Verlegenheit. Wie süß, zu fühlen, dass die Führung des Herrn immerwährend ist! Wenn wir unsren eignen Weg wählen oder mit Fleisch und Blut beraten, so stoßen wir des Herrn Führung von uns weg; aber wenn wir den Eigenwillen aufgeben, dann wird Er jeden Schritt unsres Weges leiten, jede Stunde des Tages, und jeden Tag des Jahres und jedes Jahr unsres Lebens. Wenn wir nur geführt sein wollen, so werden wir geführt werden. Wenn wir unsren Weg dem Herrn befehlen, so wird Er unsren Gang leiten, so dass wir uns nicht verirren.
Aber beachtet, wem diese Verheißung gegeben ist. Leset den vorhergehenden Vers: „Wirst du den Hungrigen lassen finden dein Herz.“ Wir müssen Mitgefühl für andre haben, und ihnen nicht ein paar trockene Rinden geben, sondern solche Dinge, wie wir selber sie zu empfangen wünschten. Wenn wir für unsre Mitgeschöpfe in der Stunde ihrer Not freundliche Sorgfalt zeigen, dann wird der Herr für das sorgen, was uns Not tut und sich zu unsrem beständigen Führer machen. Jesus ist Leiter, nicht der Geizhälse, noch derer, die den Armen unterdrücken, sondern der Freundlichen und Weichherzigen. Solche sind Pilgrime, die niemals ihres Weges verfehlen werden. (Charles Haddon Spurgeon)
Und der Herr wird dich immerdar führen, und deine Seele sättigen in der Dürre, und deine Gebeine stärken; und wirst sein, wie ein gewässerter Garten, und wie eine Wasserquelle, welcher es nimmer an Wasser fehlt.
Die schweren Lebensführungen sind im Grunde doch die gesegnetsten. Wollen wir lieber ein irdisches Glück, oder lieber mit dem Herrn recht bekannt werden? Gewiss Letzteres. Nun, da müssen wir aber durch manche finstere Täler und in manche Lagen ohne Aussicht. Seine Wege sind nicht unsere Wege und seine Gedanken nicht unsere. Aber die Hauptsache ist nicht der Weg, sondern der Führer. Die Verheißung ist da: Er wird dich immerdar führen; das steht fest. Nur nicht von den Umständen ausgegangen, oder von unsern eigenen Gedanken, das sind die schlechtesten Führer; allein von dem Herrn heißt es: Er hält dich bei deiner rechten Hand, er leitet dich nach seinem Rat und nimmt dich endlich in Ehren an. Was ein ans dermal wieder trostlos macht, ist das Alleinstehen. Man hat oft Niemand um sich, dem man sich vertrauen könnte, und das Herz ist so dürr, so trocken, alle Kräfte sind wie gelähmt und bis aufs Mark ausgesogen. Allein auch das schadet nicht; man höre weiter: Er wird deine Seele sättigen in der Dürre und deine Gebeine stärken. Auch das steht fest, und wer glaubt, der hat es. Gerade das Alleinstehen macht uns vertrauter mit dem Herrn, als alle christliche Gemeinschaft; und je elender, je ausgedörrter wir sind, desto stärkender ist die Lebensfrische, die aus den Verheißungen des Herrn uns entgegen quillt. Er hat verborgene Brunnen für solche Elende und schlägt an die Felsen, dass sie ihnen Wasser geben müssen. Man lasse sich nur führen; ist man auch wie in einer Wüste, so hat man doch einen seligen Stand, denn der Herr sorgt für Alles. Wir verbittern uns unsern Weg nur durch unsern Unglauben; wer glaubt, wird überall die Herrlichkeit Gottes sehen. Seinen Treuen sendet der Herr solche Erquickungen, dass sie werden wie ein gewässerter Garten und wie eine Wasserquelle, welcher es nimmer an Wasser fehlt. Wenn wir unsere Tröstungen müssten in den Umständen suchen oder bei den Menschen, da würde es bald aufhören zu tröpfeln; aber Johannes sagt von einem Engel: Und er zeigte mir einen lauteren Strom des lebendigen Wassers, klar wie Kristall, der ging von dem Stuhl Gottes und des Lammes. Ist dieser Lebensstrom bloß für jene Welt? lässt uns der Herr, bis wir dort sind, verdursten? Nein, was er uns dort sein wird, das ist er uns schon hier. Sagt er doch selbst: Wen da dürstet, der komme und trinke. Ich will dem Durstigen geben von dem Brunnen des lebendigen Wassers umsonst. Und wann? Gerade wenn wir in der Dürre sind und die Zunge uns am Gaumen klebt. Durch solche Zuflüsse wird man ein gewässerter Garten, die Früchte des Glaubens behalten ihre Frische, und die Quelle, die hin und her fließt in der Wüste, versiegt nie. (Johann Friedrich Lobstein)