Jesaja 42,16
Andachten
„Aber Ich will die Blinden leiten auf dem Wege, den sie nicht kennen. Ich will die Finsternis vor ihnen her zum Licht machen, und das Höckerige zur Ebene. Solches will Ich ihnen tun und sie nicht verlassen.“
Es gibt Zeiten, wo Gottes Wege mit Seinen Kindern dunkel und unbegreiflich sind, Seine Gedanken sogar tief liegen, Sein Verhalten unergründlich ist - wo jeder Tag voller Bedrängnis, die Zukunft voller Schwierigkeiten ist. Sie sind wie Blinde, die ihren Weg nicht sehen können, das ganze Leben erscheint ihnen wie ein Labyrinth, zu welchem ihnen der leitende Faden fehlt. Jeder Weg scheint ihnen verschlossen, Pharao ist hinter ihnen, das rote Meer vor ihnen, sie fühlen sich verwirrt und hilflos - oder sie stehen vor einem Wendepunkt ihres Lebens, ihr ganzes Geschick und Wohlergehen hängt von der Entscheidung eines Augenblicks ab - sie müssen eine Wahl treffen, fühlen die große Verantwortung, den Widerstreit der Pflichten, und zittern und bangen davor, dass selbstsüchtige, fleischliche, unwürdige Beweggründe Einfluss auf ihre Entscheidung ausüben möchten.
Ihr Geängsteten und Verzagten! lasst es inmitten Eurer verwirrten, unschlüssigen Gedanken euch zum Trost gereichen, dass Gottes Gedanken auf euch gerichtet sind. Er ist der Leiter der Blinden. „Sage den Kindern Israel, dass sie ziehen!“ sprach Er zu Mose. In der entscheidenden Stunde wird Er denen, die Ihn suchen und auf Ihn trauen, Sich kundgeben und ihnen ihren Weg zeigen. In der vierten Nachtwache kam Jesus, auf dem Meere wandelnd, zu Seinen geängstigten Jüngern. Verlasst euch auf den Gott in der Wolkensäule, Er wird euch, trocknen Fußes durch das Meerbringen, wie Er Israel tat. „Die da irre gingen in der Wüsten, in ungebahnten Wegen, und fanden keine Stadt, da sie wohnen konnten, hungrig und durstig und ihre Seele verschmachtet und sie zum Herrn riefen in ihrer Not. und Er sie errettete aus ihren Ängsten und führte sie den richtigen Weg, und sie gingen zur Stadt, da sie wohnen konnten.“ Ps. 107,4-7.
„Seid stille und erkennt, dass Ich Gott bin“ so spricht Er zu den verzagten Seelen.
Wie viel weniger Sorge und Not würde es im Leben geben, wenn wir nur immer recht achtsam Seiner Stimme lauschen wollten, die Seine köstlichen Gedanken ausspricht: dieses ist der Weg, denselben wandelt. Ein wunderlicher Weg vielleicht und ein schmaler aber jedenfalls der rechte Weg. Ja, alle Seine Wege, also auch die dunkeln und unverstandenen, sind eitel Güte und Wahrheit denen, die Seinen Bund und Zeugnisse halten. Vertraue nur Niemand sich einer andern Führung an, sondern dieses sei unser Entschluss: der Herr ist meine Stärke, auf Ihn allein verlasse ich mich. Jede neue Wendung unseres Lebensweges ist ein weiser, wohlbedachter Gedanke unsers himmlischen Vaters, und mit Nehemia wollen wir beten: gedenke meiner, mein Gott, im Besten. Weil wir so unsere ganze Sache in Seine Hände legen, „dann wird Er unsere Gerechtigkeit hervorbringen wie das Licht, und unser Recht wie den Mittag.“ Ps. 37,6. Die vergangene Zeit unser Lebens war wohl voll von Unruhe und Bedrängnis, aber auch wie reich an Segnungen! wie überhäuft mit Erfahrungen Seiner liebevollen Gedanken, Seiner gnädigen Hilfe! Sollte diese Erfahrung nicht Grund genug sein, uns auch für künftig Seiner Führung unbedingt anzuvertrauen, Ihm, der da gesagt hat: „solches alles will ich ihnen tun und sie nicht verlassen.“
Gottes Hände
Sind ohn' Ende,
Sein Vermögen hat kein Ziel.
Ist's beschwerlich,
Scheint's gefährlich?
Deinem Gott ist nichts zu viel.
Gottes Wunder
Sind der Zunder,
Dran der Glaube Funken fängt.
Alle Taten
Sind geraten
Jedesmal, wie Er's verhängt.
Wenn die Stunden
Sich gefunden,
Bricht die Hilf' mit Macht herein
Und dein Grämen
Zu beschämen,
Wird es unversehens sein. (John Ross MacDuff)
Die Blinden will ich auf dem Wege leiten, den sie nicht wissen.
Denkt an den unendlich herrlichen Jahwe, der ein Führer der Blinden wird! Was für grenzenlose Herablassung schließt dies ein! Ein Blinder kann nicht einen Weg finden, den er nicht kennt. Selbst, wenn er den Weg kennt, ist es schwer für ihn, denselben zu gehen; aber von einer Straße, die er nicht kennt, kann für seine ungeleiteten Füße gar nicht die Rede sein. Nun wohl, von Natur sind wir blind für den Weg des Heils, und doch leitet uns der Herr darauf und bringt uns zu sich selber und tut. alsdann unsre Augen auf. Was die Zukunft anbetrifft, so sind wir da alle blind und können keine Stunde voraussehen; aber der Herr will uns bis an das Ende unsrer Wallfahrt leiten. Gelobet sei sein Name!
Wir können nicht erraten, in welcher Weise Errettung für uns möglich ist, aber der Herr weiß es, und Er will uns leiten, bis wir jeder Gefahr entronnen sind. Glücklich sind diejenigen, die ihre Hand in die des großen Führers legen und ihren Weg und sich selber ihm gänzlich überlassen. Er wird sie den ganzen Weg führen, und wenn Er sie heimgebracht hat in die Herrlichkeit, und ihre Augen aufgetan, den Weg zu sehen, den Er sie geleitet, was für ein Danklied werden sie ihrem großen Wohltäter singen! Herr, führe Dein armes, blindes Kind heute, denn ich weiß nicht meinen Weg. (Charles Haddon Spurgeon)
Ich will die Finsternis vor ihnen her zum Licht machen, und das Höckerichte zur Ebene.
Das geht auf Umstände, worunter es mit unserer Rat- und Hilflosigkeit aufs Äußerste kommt, wo Einem etwas begegnet, das man sich nicht hätte vorstellen können, oder wovon man denkt: ich wollte alles Andere annehmen, nur das nicht; wenn Einem bei etwas so viel Höckerichtes und Anstößiges vorkommt, das man nicht nur mit seiner Vernunft nicht, sondern auch mit Gottes Verheißungen nicht reimen kann. Wenn sonst gehorsamen Kindern verheißen ist, es soll ihnen wohlgehen, und uns wird das Unsrige vor der Hälfte seiner Tage, in dem aufblühenden Alter dahin genommen, bei schnellen, unvermuteten, frühzeitigen oder sonst schmerzhaften Trennungen - ist Finsternis um und um. Dagegen gilt's nun, auf Gottes Zuspruch den Glaubensmut fassen und Gott wird's Licht machen; Gott wird's ebnen. Aber das Warten darf man sich nicht verdrießen lassen. Joseph saß lang im Finstern, bis Gottes Wort kam und die Rede des Herrn ihn durchläuterte. - Halt im menschlichen Sinn: Gott wird's machen. (C. H. Rieger.)
“Ich will die Finsternis vor ihnen her zum Licht machen, und das Höckerige zur Ebene. Solches will Ich ihnen tun und sie nicht verlassen.“
Wenn auch solche Verheißungen auf die letzten Zeiten gehen, die noch kommen werden, da es für das Volk Gottes noch tiefe Finsternisse und große Anstöße auf ihrem Wege geben wird, so sind sie doch auch dazu gegeben, dass wir zu allen Zeiten einen Trost an ihnen haben. Denn die Treue und Barmherzigkeit Gottes bricht nicht erst am Ende der Tage herein. Sie läuft durch die ganze Kampfzeit hindurch; und was zuletzt im Großen sich erfüllt, bewährt sich tausendfach in der langen Wartezeit an denen, die sich zum HErrn halten.
Zu allen Zeiten gehen vor den Jüngern des HErrn Finsternisse her, in welchen sie nichts vor sich sehen, nicht wissen, wohin es gehe, ob's zum Leben oder zum Tod gehe. Oft ist Alles so rätselhaft, wie wenn es ganz für sie gefehlt wäre. Solche Dunkelheiten kommen viele vor, da es ganz Nacht um uns wird. Wir sehen nicht hinaus, und was wir sehen, scheint nur Verderben zu bringen. Die Finsternis ist nicht nur äußerlich vor uns, dass die Wege, die Gott mit uns geht, unerklärlich sind; sondern sie dringt oft bis ins Herz hinein, dass man kein inneres Licht mehr hat, die Gnade nicht erkennen kann, oft gar der Spielball finsterer Mächte zu sein scheint, und kaum noch seine Hoffnung festzuhalten weiß. Wenn es nun heißt, dass in der letzten Zeit der HErr die Finsternisse vor den Seinen her zum Lichte machen werde, so ist klar, dass Er auch durch die vorherigen Finsternisse die Seinen durchzubringen im Sinne hat. Die Finsternis selbst soll zum Licht werden. Sie soll für das Weiterkommen wie gar nicht da sein, dass man am Fortgang der Dinge gar nicht merkt, dass man im Finstern sei. Ja, die Finsternis selbst soll noch helfen, dass es unter ihr fast besser vorwärts geht, als wenn es Tag wäre. So macht Gott die Finsternis zum Licht; - und wie vielfältig bewährt sich das doch in unsrem Leben!
Ebenso sagt der HErr wolle Er das Höckerige zur Ebene machen. Der Weg nämlich, auf dem die Seinen wandeln, ist wie mit Steinen und Felsblöcken beworfen, so uneben gemacht, dass kein Weiterkommen möglich scheint. Damit ist gesagt, dass die Feinde des HErrn Alles tun, um Seinen Jüngern den Weg zu erschweren. Wollen denn diese vorwärts, so geht's nicht, oder geht's so mühsam, dass sie meinen, nie zum Ziele zu kommen. Ihr Wagen wird gleichsam auf Steinhaufen geworfen, zerbrochen, zerschellt; und da liegen sie, als ob kein Aufkommen, kein Weiterkommen möglich wäre. Aber auch da verheißt der HErr das Höckerige zur Ebene zu machen. So hindernd und gefährlich die Anstöße sind, so sehr müssen sie auch wieder zum guten Fortkommen helfen, weil sie den Wanderer üben, bewähren, zur Wachsamkeit treiben; und so ist's, als ob das Höckerige selbst eine Ebene wäre, weil nur umso sicherer durch die wunderbare Hilfe des HErrn der Weg zurückgelegt wird zur Vollendung.
Solches ist verheißen; und wie es der letzten Zeit vornehmlich gilt, so dürfen wir uns jederzeit dran halten. Er wird's tun und tut's, verlässt die Seinen nie, wenn nur sie Ihm treu bleiben und sich leiten lassen, auch mit den Götzen, welche es sein mögen, ganz gebrochen haben; denn die auf Götzen sich verlassen,“ heißt's weiter, „die werden zu Schanden werden.“
Zusatz 49. (Die Leitung der Blinden.) Der HErr redet, um auch das Prophetische des Spruchs ins Auge zu fassen, von Blinden, die Er auf dem Wege leiten wolle, den sie nicht wissen, und auf Steigen führen,
die sie nicht kennen. Ihnen will Er durch die Finsternisse und über das Höckerige hinüberhelfen. Es sind das aber Blinde, die doch sich nicht mehr auf Götzen verlassen, und die gegossenen Bilder nicht mehr ihre Götter nennen. Denn von Solchen heißt's gleich nachher, dass sie werden zu Schanden werden. Solche lassen sich ja auch nicht vom HErrn leiten und führen; die wollen sehend sein, meinen noch Stützen zu haben und gehen ihre eigenen Wege, ärgerlich, wenn man diese ihnen verwehren will. Die mögen denn sehen, wie sie auf ihren Wegen zurechtkommen.
Blind können die Leute immer noch sein, auch wenn ihnen schon die Götzen zum Eckel geworden sind. Sie wissen ja dann noch nicht wohin? Sie sind über sich selbst und über Gott noch nicht klar. Auch ihre Sünden mögen ihnen noch nicht schwer aufliegen, weil sie noch in der Blindheit sind. Sie fühlen auch nichts von einer Gnade, die ihnen helfen könnte. Aber ein Weh empfinden sie, eine Sehnsucht, ein schmerzliches Verlangen nach Unbekanntem, nachdem sie erkannt haben, dass die Götzen und nichts in der Welt helfen kann. Sie haben mit einem Worte mehr Empfindung von ihrer Blindheit. Je verlassener sie aber sind, ohne nach eigenem Gelüste sich Hilfe suchen zu wollen, desto mehr tritt ihnen der HErr mit Seiner Freundlichkeit nahe. Er sorgt, dass ihnen durchs Evangelium und durch die Darlegung alles dessen, was Gott in Christo getan hat, Licht werde; und so leitet Er sie den Weg, den sie nicht wissen, und führt sie die Steigen, die sie nicht kennen. Mehr und mehr erhellt sich ihr Geist; und das neue Licht bringt sie vorwärts, bis sie haben, was ihre Seele bedarf.
Der Prophet aber spricht stets mit Beziehung auf die Heilszeit, und so, dass man an die Zeiten der Vollendung erinnert wird, die Alles fertig machen mit der seufzenden Kreatur. Auch unserer Stelle gehen Worte voraus, die darauf hindeuten, wie der HErr wolle das Recht anrichten unter den Heiden, und wie die Inseln auf Sein Gesetz warten, und der Knecht des HErrn zum Licht unter die Heiden gesetzt werde, den Blinden die Augen zu öffnen und die Gefangenen aus dem Gefängnis zu führen. Sein Ruhm soll gehen bis an der Welt Enden; Wüsten und Städte samt Dörfern sollen laut rufen; die Felsen- und Höhenbewohner sollen jauchzen, dem HErrn die Ehre geben und Seinen Ruhm den Inseln verkündigen. Denn der HErr werde ausziehen wie ein Riese, werde jauchzen und tönen und Seinen Feinden obliegen.“ Das Alles macht sich in unserer Zeit, wie wir merken können, mehr und mehr in der Heidenwelt. Aber auch unter uns, den Christen, finden sich viele Blinde, die an Allem verlegen sind und verborgenes Weh und Sehnen haben. Vielleicht unter dem mannigfaltigen Gedränge und Gewirre, das immer größer zu werden scheint und unsre Zeit charakterisiert, lernen immer mehr Seelen die Götzen, und was an deren Statt gilt, wegwerfen, dass man sie in Pflege nehmen und leiten und führen kann auf Wegen, die sie nicht kennen oder vergessen haben. Wenn denn etwa die Zeit wäre, dass der Ruf ausgeht in alle Welt, wer seine Seele retten wolle, solle eilen und nicht säumen, weil der Tag des Gerichts gekommen sei, wie es in der Offenb. (14, 6) durch einen Engel, der mitten durch den Himmel zu Allen, die auf Erden sitzen und wohnen, fliegt, vorgestellt wird, da mag es eine ungemeine Bewegung unter den Blinden geben, dass sie sich wollen unterweisen lassen. Wie viel mag da der Geist Gottes ausrichten in allen Landen, dass der HErr sie leite auf Wegen, die sie nicht wissen, und auf Steigen führe, die sie nicht kennen!
Dann aber gibt's neue Finsternisse und neue Anstöße auf dem Wege; und diese sind's, welche eigentlich der Prophet in unserer Stelle meint. Denn es bleiben noch noch Blinde übrig, die von den Götzen nicht lassen. Wie werden's die den Andern noch so sauer machen? und wie werden die Neuerweckten noch ins Gedränge kommen, wenn es den Anschein hat, als bringen sie's nicht durch und kommen sie nicht zum Guten, und werden sie Alle auf dem Wege durch die Übermacht der Widerwärtigen niedergeschmettert und aufgerieben? Die Finsternisse werden dichter als je, dass gleichsam Steine und Felsstücke, die das Pilgern hemmen und hindern, turmhoch aufliegen. Alles wird ins Stocken kommen, mag wieder auf ein Geringes zurückgedrängt werden. Da aber gilt vornämlich die Verheißung, dass selbst die Finsternis zum Licht werde und das Höckerige zur Ebene, weil es wird werden, als ob keine Finsternis und kein Anstoß das Kommen des HErrn mehr aufhalten dürfe. Alles wird gelingen denen, welche unter der Leitung des HErrn und Seines Worts bleiben; und der Sieg wird ein völliger werden durch das Kommen des HErrn vom Himmel, wie wir sonst belehrt sind. Solches,“ - o fassen wir's im Glauben, was der HErr so kräftig uns versichert! „Solches will Ich tun, und sie nicht verlassen.“ (Christoph Blumhardt)