Psalm 86,9
Andachten
Alle Heiden, die du gemacht hast, werden kommen und vor dir anbeten, Herr, und deinen Namen ehren, dass du so groß bist und Wunder tust und allein Gott bist.
Alles, was Gott tut oder schafft, ist wunderbar. Er redet zu uns im Wind und im Donner, aber auch das kleinste Blümchen ist ein Wunder. Wer kein Tor ist, findet in jedem Geschöpf Gottes etwas Merkwürdiges; die ganze Welt ist eine Welt der Wunder. Das Zeitwort „tust“ steht in der Gegenwart: Der Herr tut jetzt noch Wunder, jetzt vor unsern Augen. Sieh, wie im Frühling die Knospen aufbrechen, wie im Herbst die Früchte reifen; schaue den Himmel und das Meer an; betrachte die Taten der Vorsehung und die Siege der Gnade: Überall und zu allen Zeiten reckt der große Wundertäter seinen Stab aus. „Du bist allein Gott.“ Du warst allein Gott, ehe eins deiner Geschöpfe war; allein bist du Gott, nachdem du unzählige Wesen geschaffen hast, und du bleibst allein Gott, denn niemand kommt jemals dir gleich. Wir beten unsern Gott nicht an als eines unter vielen guten und wahrhaftigen Wesen, sondern als den einzigen Gott; wir predigen sein Evangelium nicht als eine von vielen seligmachenden Religionen, sondern als den einzigen Weg der Seligkeit. Es können verschiedenartige Lügen unter einem Dache gepredigt werden, aber im Tempel der Wahrheit gibt es nur eine, unteilbare Anbetung. (Charles Haddon Spurgeon)
Alle Heiden, die du gemacht hast, werden kommen und vor dir anbeten, Herr, und deinen Namen ehren.
In der Epiphanias-Epistel steht geschrieben: „Hebe deine Augen auf und siehe umher, diese alle versammelt kommen zu dir.“ Also die Heiden kommen. Und so lesen wir auch in unserm Spruch: „Alle Heiden, die du gemacht hast, werden kommen.“ Sie kommen zum Lichte und zum Glanze des Herrn. Sie kommen. Also die Arbeit der Mission ist nicht umsonst, sie hat ihren Segen. Das kann uns Mut geben, dass wir auch Hand ans Werk legen. Die Mission hat großen Erfolg und ist ein mächtiges Werk. Wo sie zu den klugen Heiden kommt, da gibt es ein Regen und Bewegen, und die Geister merken etwas davon, dass aller Weisheit höchste Fülle allein in Jesu Christi beschlossen liegt. Wo sie den armseligen und heruntergekommenen Völkern nahe tritt, da fühlen sie etwas von der himmlischen Herrlichkeit und Freiheit, die uns durch das Evangelium geschenkt wird. In die Länder der heißen Sonne und in die Länder des erstarrenden Frostes wird das Wort von der Liebe Gottes getragen und findet eine Seele um die andre, die in der Hitze der Seelenangst kühlen Schatten bei Jesu sucht, und findet abermals eine Seele um die andre, die in dem kalten, eingefrorenen Sündenleben nicht Ruhe findet, und sucht das warme Herz des erbarmenden Heilandes. Aus Ost und West, aus Nord und Süd ziehen die Scharen der Erlösten heran. Da gibt es nur eine Himmelsrichtung, das ist die Richtung nach dem Kreuze von Golgatha. Das Wort von der ewigen Liebe zieht durch die Heidenvölker wie ein lieber Siegesheld. Sie kommen. Freilich, das ist nicht so leicht. Der Sieg des Evangeliums kommt erst nach bitterem Streit, aber er kommt. Die Missionare stehen unter viel Müh und Not in ihrer Arbeit, aber Frucht schaffen sie doch. Die bekehrten Heiden kämpfen mit Schmerz und Entbehrung und Verfolgung, aber sie kommen! Missionsarbeit hat etwas vom Karfreitag an sich sie geht durch Sterben hindurch; Missionsarbeit hat aber als Ende eine Osterherrlichkeit - sie geht zum Siege. Gott sei Dank für solchen Sieg!
Lasst uns beten: Du wundergroßer Siegesheld, Herr Jesu Christe, Dein seligmachendes Evangelium ruft die Welt heran zu Deinem Herzen. Wir danken Dir, dass Du den Völkern Dein Heil gibst und sie auch hinführst zu dem seligen Paradiese. Gib Du, lieber Heiland, dass wir in all unsrer Missionsarbeit den Trost nicht aus den Augen lassen, dass Du zuletzt doch gewinnen und den Sieg behalten musst. Behüte Du alle Missionare, wenn sie im heißen Kampfe stehen, stärke ihren Arm und erfrische ihr Herz, dass sie immer wieder erfahren, wie ihre Arbeit nicht vergeblich ist. Und wo die Not und die Entbehrung des Lebens den bekehrten Heiden das Herz drücken will, weil sie um Deines Namens willen leiden müssen - erquicke sie mit Deiner Kraft, dass sie nicht müde werden, bis sie ankommen in der ewigen Herrlichkeit. Und gib uns, dass wir auch durch Freud und Leid hindurch, auch durch die Stunden des heutigen Tages hindurch, immer nach Dir trachten lernen. Amen. (Wilhelm Hunzinger)