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Psalm 5,4

Psalm 5,4

Andachten

Wenn in den Tagen unserer Väter jemand des Morgens frühe an die Tür seines Nachbarn kam und den Hausherrn zu sprechen wünschte, war es etwas so Gewöhnliches, dass das Gesinde ihm mit Freimut sagte: „Der Herr ist noch am Morgengebet,“ als es jetzt heißt: „Der Herr ist noch nicht auf“. Bischof Gilbert Burnet † 1715.


Beachte in diesen Worten zweierlei: 1) wie David im Gebet Stellung nimmt: „Ich richte mein Gebet vor dir zu“ (nach and. Auffassung); 2) was er nach dem Gebet tut: „und schaue aus“. Der Prophet gebraucht hier zwei militärische Ausdrücke. [Das Wort ְךַרֲע zurichten ist in der Tat der stehende Ausdruck wie für das Zurichten des Opfers, siehe die Auslegung, so für das Zurüsten der Schlacht, das Ordnen eines Kriegsheers, vergl. z. B. 1. Sam. 17, 3.] Erstens will er nicht nur beten, sondern seine Bitten gleichsam in Reih und Glied antreten lassen, sie in Schlachtordnung aufstellen; zweitens, nachdem dies geschehen, will er auf hoher Warte einem Späher gleich ausschauen, הָפְצ, ob der Sieg errungen ist. Thomas Brooks † 1680.


Nachdem David sein Gebet zu Gott gerichtet hat, ist sein Blick aufwärts gerichtet; nicht hinab zur Welt und ihrem Verderben, sondern hinauf zu Gott, um zu sehen, was der sage. „Ich will hören, was Gott der HErr reden wird.“ (Ps. 85, 9 Grdt.) „Ich will auf den HErrn schauen, und des Gottes meines Heils warten.“ (Micha 7, 7). William Greenhill † 1650.


Die Kraft des Glaubens erweist sich auch nach dem Gebet, indem er uns stark macht, nach einer gnädigen Antwort auszuschauen. Ein ungläubiges Herz schießt ins Blaue und kümmert sich nicht darum, wo der Pfeil hintrifft oder was das Gebet erreicht; der Glaube aber erfüllt die Seele mit heiliger Erwartung. Wie ein Kaufmann, wenn er seinen Vermögensstand überschlägt, ebenso wohl das in Rechnung zieht, was er übers Meer gesandt hat, als was in seinen Händen ist, so berechnet auch der Glaube, was er im Gebet gen Himmel gesandt und noch nicht erhalten hat, ebenso wie das, was er in Gnaden bereits empfangen und also in Händen hat. Diese feste Hoffnung nun, welche der Glaube auf das Gebet hin in der Seele erweckt, tritt in der beruhigenden Wirkung zu Tage, welche sie auf das Herz ausübt in der Zeit zwischen dem Aussenden des Gebetsschiffes, dass ich so sage, und seiner Rückkehr mit der reichen Ladung, welche zu bringen es ausgegangen ist. Und diese herzstillende Wirkung ist stärker oder schwächer, je nachdem wie stark der Glaube ist. Manchmal kommt der Glaube mit hellem Siegesjubel aus dem Gebetskämmerlein. Der Glaube kann das Erbetene, noch ehe auch nur ein Schimmer der Wahrscheinlichkeit für Sinne und Verstand sich zeigt, dem Herzen so wesenhaft gegenwärtig machen, dass der Christ all seine Sorgen durch die Erwartung des Kommenden stillen kann. Ja, der Glaube veranlasst den Christen, den Dank für das Erbetene gleichsam vorzuschießen, lange bevor er etwas davon empfangen hat. Gerade weil es an dem Ausschauen nach der Antwort fehlt, ist so manches Gebet verloren. Wenn du nicht glaubst, dass das Gebet etwas wirkt, warum betest du denn? Und ist es dir ernst mit dem Glauben, warum erwartest du denn nichts? Durchs Beten gibst du dir den Anschein, als vertrauest du auf Gott; dadurch, dass du keine Antwort erwartest, leugnest du es. Was ist das anderes als seinen Namen unnützlich führen? Lieber Mitchrist, stehe fest zu deinem Gebet, indem du voll heiliger Erwartung nach dem ausschaust, was du auf Grund der Verheißung erbeten hast. Mardochai hatte ohne Zweifel viele Gebete für Esther emporgesandt, und darum steht er an dem Tor des Königs, um zu sehen, welche Antwort Gott nach seiner Vorsehung auf sein Gebet geben werde. (Esth. 4,2; 5, 9. 13; 6, 12). Tue du desgleichen. William Gurnall † 1679.

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