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Psalm 51,8

Psalm 51,8

Andachten

Siehe, Du hast Lust zur Wahrheit, die im Verborgenen liegt; Du lässt mich wissen die heimliche Weisheit.
Hier ist wohl in Acht zu nehmen, dass der heilige Geist verborgene Wahrheit und heimliche Weisheit zusammen fest: Die Wahrheit ist den Lügen entgegen gesetzt; die Weisheit aber der Torheit. Wenn nun ein Mensch sich selber überredet und ihm selber schmeichelt, er sei fromm, heilig, gerechter, denn andere Leute, und erkennt seine Sünde nicht, das sind eitel Lügen: So wir sagen, wir haben keine Sünde, so lügen wir, und tun nicht die Wahrheit, 1. Joh. 1, 8. Also hat durch solche Lügen die Schlange unsere ersten Eltern betrogen, dass sie würden durch das Essen des Apfels zu solchen hohen Ehren kommen, dass sie Gott gleich würden, und so klug sein als Gott selbst; das gefiel der Eva so wohl, und war doch eitel Lügen. Dagegen gefällt es nun Gott wohl, dass wir die Wahrheit erkennen und bekennen, dass durch solche Übertretung und Ungehorsam unserer ersten Eltern wir die elendesten Menschen geworden sind, an Leib und Seele auf das allertiefste verdorben und uns selbst nicht helfen können mit alle unserm Vermögen: Das ist die gründliche Wahrheit, die uns allen von Natur unbekannt ist, und im Verborgenen liegt, welches der meiste Teil der Menschen nicht erkennt. Dagegen uns nun der allmächtige, barmherzige Gott hat wissen lassen die heimliche Weisheit, dadurch wir selig werden, welche unserer Vernunft verborgen und eine rechte heimliche Weisheit ist. (Johann Arnd)


Du lässt mich wissen die heimliche Weisheit.
Der Du mich wissen lässt die heimliche Weisheit, Du Gott meines Lebens (Ps. 42, 9), lehre mich erkennen wie edel und teuer die Gabe der herrlichen Weisheit ist und gib mir Worte, Dich den Geber zu preisen. Weisheit ist teurer denn Perlen. Hiob 28, 18. Silber hat seine Gänge in der Erde und Eisen bringt man aus der Erde, man reißt Bäche aus den Felsen. (Hiob 28, 1. 2. 10); man möchte Gold und Silber für die Weisheit dar wägen (Hiob 28, 15), aber dafür wird sie nicht gegeben. Wo soll ich nun Weisheit finden, wenn nicht bei Dir, Herr, der Du den Weg dazu weißt und ihre Stätte kennst. Hiob 28, 12. 23. Und Alle, welche Weisheit empfangen haben, bekennen gern, dass sie ihnen von Dir gekommen ist - die liebliche, heimliche Weisheit.

Wie bitter war mein Irrtum, da ich mit Adam leben wollte von der verbotenen Frucht und mit dem verlorenen Sohne fern von Gott mich freuen wollte. Der Tod war der bittere Lohn, die Schande und der Hunger waren mein Teil und kein Licht des Lebens leuchtete mir in der Nacht meines Lebens. Ich war verzaubert und an dem grausigen, eisigen Tode merkte ich, dass der Zauber Jammer über Jammer, das Leben begehren und doch vom Tode umfangen sein und die Schrecken des Todes dichter und näher empfinden. Da bist Du zu mir gekommen, mein Gott, ohne dass Dich meine Würdigkeit bewogen und meine Unwürdigkeit Dich fern gehalten hätte; aber Dich jammerte, als Du mich sahst. Mark. 8, 1. Und von Deinem Angesichte fiel das Licht der heimlichen Weisheit in mein Verborgenes. Ich erwachte wie aus tiefem Schlafe und dachte an Dich, mein Gott und mein Ursprung, und voll Furcht und Scham, voll Verwirrung und Misstrauen, wie ich war, durfte ich nach Deiner Barmherzigkeit dem nahen und den hören, zu welchem mit mir allerlei Zöllner und Sünder nahen durften und dürfen, der die Sünder an nimmt und mit ihnen isst. Jesu, Jesu, Freude meiner Seele, Du wandelnde Weisheit auf Erden, Deine Macht ist Gottes, denn Du bist der wahrhaftige Gott; aber Deine Weise ist still und sanft, wie's kranke Augen und kranke Seelen leiden und ertragen mögen. Nichts reicht an Deine unbegreifliche Geduld und Sanftmut, nach welcher Du mich führst in die heimliche Weisheit. Du ließest mich Deine Weisheit wissen, als Du mich erkennen ließest, dass ich wie Abraham Erde und Asche (1 Mos. 18 27), wie Petrus ein sündiger Mensch (Luk. 5, 8) und wie Paulus der vornehmste unter den Sündern bin. 1 Tim. 1, 15. So einleuchtend ist mir Deine Weisheit, dass die Sonne am Mittage nicht heller sein kann. Mein Heiland, wem könnte ich Dich vergleichen? Deine heimliche Weisheit lehrt mich, dass Du der Schönste bist unter den Menschenkindern und mit keiner Kreatur in Vergleich kommst; denn Du bist das Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt. Du bist am Kreuze gestorben, hast im Grabe geruht, bist auferstanden und aufgefahren als mein Haupt; Du bist erhaben über alle Gewalten und Kräfte und bist mir nahe, denn Du wohnst in mir durch den Glauben. Nun bin ich doppelter Natur - irdisch von Adam und himmlisch durch Dich. Gönne mir nur den Segen und die Kraft Deines Wortes die Gewissheit und Süßigkeit Deiner Sakramente und das Leuchten Deines Angesichtes, wenn ich vor Dir bete, so will ich in heimlicher Weisheit mit dem heiligen Paulus sprechen: ich danke Gott durch Jesum Christum unsern Herrn. Röm. 7, 25. Und: ich bin von Christo ergriffen und jage ihm nach, ob ich es ergreifen möchte. Phil. 3, 13. Und: ich vermag Alles durch den, der mich mächtig macht, Christus. Phil. 4, 13.

Wie soll ich Dich, mein Gott, des Tages siebenmal loben und um Mitternacht aufstehen Dir zu danken (Ps. 119, 164. 62), der Du mich die heimliche Weisheit in dem Grunde meines Herzens wissen lässt! Ich höre Freude und Wonne und die Gebeine werden fröhlich (Ps. 51, 10), denn Deine Weisheit tut mir kund die Gnade des Herrn Jesu Christi - die rettende, rechtfertigende, bewahrende, vollendende, tragende Gnade. O wahre, lebendige, gewisse Gnade! Ich bin auf dem Wege und komme nach Hause. (Theodor Schmalenbach)

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