Psalm 16,6
Andachten
Das Los ist mir gefallen aufs Liebliche, mir ist ein schön Erbteil worden! Darum freut sich mein Herz und meine Seele ist fröhlich, auch mein Fleisch wird sicher liegen. Denn du wirst meine Seele nicht in der Hölle lassen, und nicht zugeben, dass dein Heiliger verwese. Du tust mir kund den Weg zum Leben; vor dir ist Freude die Fülle und liebliches Wesen zu deiner Rechten ewig!
Mein Heiland! Du bist der Erstling geworden unter Denen, die da schlafen! so wirst Du mich auch nach Dir ziehen. Das bringt großen Frieden ins Herz hinein! David hat diesen Psalm in hoher Freudigkeit gesungen und seine Seele schwingt sich empor über Hölle und Verwesung, darum auch dieser Psalm wohl ein gülden Kleinod mag genannt werden; er singt's in der weissagenden Hoffnung auf Den, der am dritten Tage als ein Sieger über Hölle und Tod hervorgegangen ist aus dem Grabe. Wie sollten wir denn nicht einstimmen, die wir den lebendigen Jesum haben, dazu Sein festes Wort: „Ich lebe, und ihr sollt auch leben!“ So können wir denn nun mitten in dieser Gräberwelt stehen und unser Los preisen als ein liebliches und unser Erbteil als ein schönes. Sprechet ihr von mancherlei Anfechtung und Schwachheit des Fleisches? wie es der armen Seele oft doch so bange wird vor der dunklen Ewigkeit und vor dem Graus der Verwesung? Die gottselige Fürstin, die da anhebt den Gesang: „Jesus, meine Zuversicht“, nennt ja auch in demselben Verse, der so zuversichtlich anhebt, „die lange Todesnacht“, die ihr so viele Gedanken macht! Lass sie Dir nur immerhin auch Gedanken machen, die lange Todesnacht! das Schlimmste ist die Gedankenlosigkeit. Jesus stillet alle die Gedanken mit Seinem Osterfrieden und Osterhoffnungen. Dann heißt es: „auch mein Fleisch wird sicher liegen“, ja, sicher wie in Seinem Arm und Schoß. Es ist ja Alles wert geachtet vor Ihm: Leib und Seel', und wie uns im Leben kein Haar vom Haupte fällt ohne Seinen Willen, so auch im Tode nicht. Also tut Er Dir kund den Weg zum Leben, und zuletzt kommt die Freude und das liebliche Wesen zu Seiner Rechten ewig! (Nikolaus Fries)
Das Los ist mir gefallen aufs Liebliche, mir ist ein schönes Erbteil geworden.
So kann nur ein Gotteskind sprechen. Die Feinde des Herrn haben nicht Erbe am Reiche Christi und Gottes. Deshalb darf ein Gotteskind auch herzlich fröhlich sein. Denn was gibt es Köstlicheres, als wenn dir das Los aufs Liebliche gefallen ist, und du hast ein schön Erbteil? So darf der Christ bei aller Furcht und bei allem Zittern doch singen und jubeln: „Mein Herze geht in Sprüngen und kann nicht traurig sein.“ Wenn du es erfahren hast, wie tief die Sündenschuld den Menschen niederdrückt und traurig macht, und du hast Erlösung gefunden in Jesu dem Gekreuzigten, dann schaust du auf zu dem lieben blutigen Kreuze, und dein Herz ist so still und friedlich und spricht: „Ich bin bei Gott in Gnaden, das Los ist mir gefallen aufs Liebliche, mir ist ein schönes Erbteil geworden.“ Sendet dir dann der gnädige Gott sonnige Tage der Freude und des Erbarmens, dass dein Mund voll Lachens ist, und deine Zunge voll Rühmens dann siehst du doch über das irdische Glück hinweg zu Dem, der dir das Glück des seligen Friedens ins Herz gelegt hat, und dankbar sprichst du: „Das Los ist mir gefallen aufs Liebliche, mir ist ein schön Erbteil geworden.“ Und verbirgt sich auch die Sonne äußerer Freude, führt dich Gott durchs finstere Tal, und sind Tränen deine Speise Tag und Nacht - du weißt es doch, wenn tausend Sonnen ihren Schein verlieren, mein Jesus ist mir nahe mit seinem Troste und mit seinem himmlischen Erbarmen; dann kannst du durch alles Leid hindurch doch dabei bleiben: „Das Los ist mir gefallen aufs Liebliche, mir ist ein schönes Erbteil geworden.“ Wenn dann endlich das Todesstündlein kommt, lass es nur bitter sein, du schaust hinüber auf das köstliche Erbe, das dir dort bereitet ist. Du bist ja ein Kind Gottes, sind wir denn Kinder, so sind wir auch Erben.“ Du streckest dich hin nach der ewigen Seligkeit und kannst selbst im Sterben noch sprechen: „Das Los ist mir gefallen aufs Liebliche, mir ist ein schönes Erbteil geworden.“
Lasst uns beten: Herr, Du gnädiger Heiland und Erbarmer! Du hast uns so reich gesegnet und uns mit Deiner Gnade ein köstliches Erbteil geschenkt, das Du uns durch Dein Sterben und Bluten erkauft hast. Dafür danken wir von Herzensgrund. Lass uns doch in fröhlichen Tagen nie vergessen, dass unser höchstes Glück allein in Dir zu finden ist; führe uns auch durch die dunklen Wege so, dass wir das Licht Deines Friedens nie aus den Augen lassen. Und wenn wir einmal scheiden sollen, dann führe uns hinüber zum Erbteil der Heiligen im Licht. Lass uns heute diesen Tag Dein Kreuz im Herzen bewahren, dass es uns nie komme aus dem Sinn, wie viel es Dich gekostet, dass wir erlöst sind. Amen. (Wilhelm Hunzinger)
Predigten
Gedichte und Lieder
„Das Los ist mir gefallen auf das Liebliche, mir ist ein schönes Erbteil geworden.“
Ein lieblich Los ist uns gefallen,
Ein schönes Erbteil uns beschert;
Lasst Lob und Preis dem Herrn erschallen,
Er ist es wert, dass man ihn ehrt!
Aus Gnaden hat er uns erwählt,
Und uns zu seinem Volk gezählt.
Er hat sich unser angenommen,
Ihn jammert' unser gar zu sehr;
Weil wir zu ihm nicht konnten kommen,
Kam er zu uns von oben her;
Es war die wundervollste Lieb',
Die ihn zu uns ins Elend trieb.
Er sah an uns nichts Ehrenwertes,
Nicht Tugend und nicht Würdigkeit,
Nein, nur Entstelltes und Verkehrtes,
Nur Sünde, Krankheit, Schmach und Leid,
Und Keinen, der in solcher Not
Uns Hilfe und Erlösung bot.
Da nahm der beiden unsers Falles
Er selbst, der Herr, sich hilfreich an,
Gab selbst sich uns, und damit Alles,
Was sich sein Herz nur wünschen kann:
Die Kindschaft und das Kindesteil,
Im ew'gen Leben ew'ges Heil.
O Herr, wir sind viel zu geringe
Der Güte, die du uns getan!
Wir steh'n und schauen solche Dinge
Beschämt und mit Erstaunen an;
Die Liebe, die mit Gnade krönt,
Hat ewig uns mit Gott versöhnt.
Wir hoffen nichts, als lauter Gutes
Aus deiner reichen Liebeshand,
Und gehen nun getrosten Mutes
Durch dieses trübe Nebelland,
Als Kinder hier, als Erben einst
Dort, wo du uns mit dir vereinst.
Solch lieblich Los ist uns gefallen,
Solch schönes Erbteil uns beschert!
Gern teilten mit den Menschen allen
Wir, was uns deine Huld gewährt.
Wir preisen's Allen herzlich an,
Weil Jedermann es haben kann.
Es tut uns weh, wenn sie's nicht haben,
Viel weher noch, wenn sie's verschmäh'n,
Und ohne solche reiche Gaben
Durch dieses arme Leben geh'n.
O komme doch, wer Mangel hat,
Und werd' aus Christi Fülle satt!
Amen! (Christian Wilhelm Spieker)