Psalm 119,39
Andachten
Wende von mir die Schmach, die ich scheue, denn Deine Rechte sind lieblich.
Die Schmach, die ein jeder Christ scheuen soll, ist: Wenn man vor Gott, Menschen und allen heiligen Engeln zu Schanden wird, welches geschieht durch Verleugnung Gottes und Seines Worts; wenn man treulos an Gott und Christo JEsu wird; wenn man Gott, Sein Wort und die Wahrheit um zeitliches Gut und Ehre willen verlässt und verleugnet. Eine solche schändliche Schmach, die wir alle scheuen sollen, wolle ja Gott von uns abwenden; denn Seine Rechte sind ja lieblich. Warum wollen wir denn sie verleugnen? Sie machen uns auch lieblich vor Gott, und haben eine liebliche, tröstliche Frucht und Ausgang; sie können ja in allen Anfechtungen stärken, trösten, erfreuen und erquicken, welches aller Menschen Weisheit, Geld und Reichtum nicht tun kann. Wer sich nun vor der Schmach scheuet, die vor Gott und allen Engeln zu Schanden macht, und scheut sich davor, als vor einem großen Gräuel, der hat einen hohen Grad des himmlischen Lebens erreicht. Als wollte David sagen: Ich frage nichts nach der Schmach der Verleumdung, die ich unschuldig leide, wenn ich nur vor Gott nicht zu Schanden werde. (Johann Arnd)
„Wende von mir die Schmach, die ich scheue; denn Deine Rechte sind lieblich.“
Die Schmach hat freilich der Mensch nicht gern; die scheut er, und tut gerne alles, um sie abzuwenden. Viele tun aber hierin zu viel und kommen durch lauter Versuche, die Schmach abzuwenden, nur immer ärger hinein. Man muss sich oft auch können in eine Schmach schicken, sei's für kürzer oder länger, namentlich wenn man merkt, dass mit allem, was man dagegen tut, es nur schlimmer wird. Da ist sehr oft das Beste, womit man die Schmach abwenden kann, wenn man ganz stille ist; vorausgesetzt namentlich, dass es eine Schmach ist um des HErrn willen, welche die widergöttlichen Menschen gerne auf die legen, die sich ernster bezeugen wollen in der Welt. Leuten gegenüber namentlich, bei denen man sieht, dass sie jeden Anlass zum Spott hervorziehen, muss man still sein und wer's nicht ist zu rechter Zeit, der leidet an Selbstgefälligkeit, oder wie mans nennen mag; er hat nicht genug Verleugnungssinn um Christi willen, welcher sagt: „Seid getrost, wenn die Menschen allerlei Nebels wider euch reden, so sie darin lügen; es wird euch im Himmel wohl belohnt werden.“ Wenn wir aber auch müssen still sein, so darf man wenigstens zum HErrn bitten: Wende von mir die Schmach!“ Das dürfen wir umso mehr, weil die Schmach der Christen auch eine Schmach des HErrn ist, namentlich wenn sie erfolgt, weil man Seine Rechte lieblich findet und eben nach Ihm allein sich richtet. Da weiß er schnell alles zu wenden, dass die eben noch Geschmähten oft plötzlich wieder zu Ehren kommen. (Christoph Blumhardt)
„Wende von mir die Schmach, die ich scheue; denn Deine Rechte sind lieblich.“
So dürfen wir besonders bitten, wenn der HErr durch die Schmach, die uns trifft, verlästert wird. Es gibt nämlich Leute, die wollen nur das gewiss machen vor aller Welt, dass es umsonst und eine Torheit ist, an einen Heiland zu glauben; sie wollen nur den Glauben an JEsum, den Gekreuzigten, lächerlich machen, indem sie die in den Kot herunter ziehen, die in diesem Glauben stehen. Deswegen darf man wohl sagen: Wende von mir die Schmach, die ich scheue. Hat man Geduld und vertraut still dem HErrn, so währt es auch zu lange nicht, und wird's immer wieder anders, dass man sogar durch die Schmach in Ehren kommt. So wollen wir denn geduldig sein und auch Schmach tragen um des HErrn willen und weil Seine Rechte uns lieblich sind, dass sie uns etwas gelten. Nur dass wir aber klug und weise sind und die Schmäher nicht herausfordern, und so durch unser ungeschicktes Benehmen uns Schmach zuziehen! So viel möglich, muss man doch auf der Hut sein, namentlich dass man den Löwen nicht weckt oder gar Bestien auf die Füße tritt, was eben bald geschehen ist in unsrer Zeit. „Hütet euch vor den Menschen!“ sagt der HErr, „und seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch, wie die Tauben.“ (Christoph Blumhardt)