Psalm 103,1

Andachten

Mit diesem Davidischen Lobgesange schließe ich billig diese Buß- und Betwoche des Jahres. Mein Herz ist von Natur gar träge und verdrossen zum Lobe Gottes und zum Danke für die von Ihm empfangenen Wohltaten. Darum ist gewiss eine Aufmunterung nötig, mich selbst also anzureden: Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, Seinen heiligen Namen! Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was Er dir Gutes getan hat! Nicht genug ist’s, mit dem Munde Gott zu loben und mit den Lippen Ihn zu ehren; sondern die Seele muss selbst in Lob und Dank Gottes übergehen, alle ihre Kräfte und alle Blutstopfen müssen mit dem Preise des Herrn beschäftigt sein. Es fordert ja Gott für alle Seine Wohltaten nichts mehr als nur einen Dank. Das müsste demnach eine verfluchte Kreatur sein, die sich dessen weigerte. Die Wohltaten Gottes sind freilich unzählbar; aber die größten sind doch die, welche David im obigen Psalm anführt, und an welche mich namentlich diese Bußwoche erinnert. An ihrer Spitze steht die Vergebung der Sünden: wer kann sie in ihrer erquicklichen, tröstlichen Kraft gebührend genug beschreiben? Darauf folgt die Heilung unserer Gebrechen: ach, Seele und Leib haben tausend Gebrechen, der Herr aber ist unser Arzt, der sie alle durch sein Macht- und Gnadenwort heilt! Daran reiht sich die Erlösung vom Verderben, in welches Sünde und Teufel uns stürzt, und von welchem kein Mensch uns erretten kann: Er hat uns die Augen geöffnet, dass wir es sahen und erschraken, Er hat uns auf allen Seiten mit Seiner Gnade gekrönt wie mit einem Schilde und Seine Barmherzigkeit uns zu einem Walle und einer Mauer gesetzt, dass uns der Sünde und des Satans List und Macht nichts hat schaden können. Endlich hat Er uns nach dem Schmerz der Reue auch den Mund wieder fröhlich gemacht und die Kräfte unseres Geistes und Leibes erneuert durch die reichen Mitteilungen Seiner göttlichen Gnade. Darum Halleluja! Wer recht danken kann, kann auch recht genießen. Dein Lob soll immerdar in meinem Munde sein. Amen. (Friedrich Arndt)


“Lobe den HErrn, meine was in mir ist, Seinen heiligen Namen.“
David fordert sich selbst, seine Seele, auf, den HErrn zu loben. Er muss sich erst zum Lob heraufheben. So sollst du auch wohl deinen HErrn loben, oft, da dir's gar nicht recht ums Loben ist; und zuletzt wirst du Gott um alles loben, wenn du es auch im Anfang nicht kannst. Denn zuletzt wird's heißen: „Ende gut, alles gut.“ Bis dahin musst du bei Dingen, die dir Leid und Kummer verursachen, nicht so tief heruntersinken, nicht zu sehr in Klagen dich verlieren. Behalte allezeit in deinem Herzen etwas von Lob übrig, damit du dich ergeben, und des HErrn Wege dir gefallen lassen kannst. Wie sehr man sich innerlich erheben kann über dem Gedanken an das, was der treue Gott unfehlbar tun wird zur Rettung, beweist der ganze 100. Psalm, der so überschwänglich herrlich lautet, obwohl er Spuren genug enthält, dass auch Dinge vorlagen, die betrübt machen konnten.

Wie man auch unter dem Traurigen Gott loben kann, darin gibt Hiob das schönste Beispiel, wenn er sagt: „Der HErr hat's gegeben, der HErr hat's genommen,“ da ihm über dem Gedanken: „Der HErr, der HErr hat's getan,“ unwillkürlich das Schlusswort über die Lippen kommt: „Der Name des HErrn sei gelobet!“ Lass dich gleich ihm durch nichts zu tief herunter bringen. Sage nicht, wenn ein schmerzlicher Verlust kommt: la perte est cruelle (der Verlust ist grausam), wie es je und je in Todesanzeigen heißt, freilich mehr nach einer gewohnten Redensart, dass es nicht so böse gemeint ist. Aber eine schöne Redensart ist es nicht, und eine fromme auch nicht. So hat Hiob nicht gesagt, als ihm sieben Sohne und drei Töchter, alle seine Kinder, erschlagen waren, nachdem dazu noch alles andere ihm weggenommen worden war. Er sagt: „Der HErr hat's gegeben, der HErr hat's genommen: der Name des HErrn sei gelobet!“ David sagt auch, alles in ihm solle den HErrn loben. So weit werden's wir wohl selten bringen, da auch beim Glücklichsten, das uns widerfährt, stets etwas übrig bleibt, das Unlust macht. Aber im Himmel kommt's so weit! Ach, wären wir da! (Christoph Blumhardt)


Einst rief der Priester der Schar, die im Tempelhof versammelt war, zu: Lobt den Herrn! und die Festgenossen wiederholten seinen Ruf und es rief es einer dem anderen zu: Lobe den Herrn! Auch der Psalmist wiederholt diesen Ruf, richtet ihn aber nicht an die anderen, sondern an sich selbst: auf, meine Seele, lobe den Herrn! Paulus hat gesagt: du kannst dir selbst das Gesetz sein, kannst dir selber vorhalten, was Gottes Gebot verlangt, und dich mahnen und ermuntern, dass du es tust. Wie ich mir das Gesetz sein kann, so kann ich mir auch der Evangelist sein und kann und soll mir vorhalten: „Der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erlöset und dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit.“ Wenn ich aber mir selbst zum Evangelisten geworden bin, dann beginnt und schließt mein Gespräch mit meiner Seele damit, dass ich ihr zurufe: Lobe den Herrn, meine Seele. Sie hat es nötig, dass ein Evangelist sie besuche und sie zum Lob Gottes ermuntere. Denn sie trägt mancherlei Bürden und hat doch nur schwache Schultern. Sie klebt am Leib und dieser füllt sie mit seinen starken Reizen. Sie kennt ihre Not und Schuld und trägt schwer daran. Sie hat vielerlei Wünsche und hätte gern Flügel, damit sie eilig dahin gelange, wohin sie ihr Begehren zieht. Über all dem verlernt sie das Loben. Nun sorge dafür, dass deine Seele den Evangelisten nicht entbehre. Sie braucht nicht zu warten, bis die Glocken läuten und von der Kanzel aus das Evangelium zu ihr kommt oder bis ein Volksmissionar und Evangelist anlangt und es dir sagt. Sei du selbst der Evangelist deiner Seele. Halte ihr das göttliche Wort, das ihr Gottes Gnade zeigt, vor und mahne sie: Lobe den Herrn, und wenn du deine Seele mit dem Evangelium mahnst, wird sie dir zustimmen und aus dem Befehl: lobe den Herrn! entsteht dann wirklich und gläubig Gottes Lob.
Ich habe mich mit dem Psalmisten gemahnt und will seiner Mahnung gehorchen und dir, Vater, danken und mich zu Deiner Schar gesellen, die im Himmel und auf Erden ohne Unterlass Dich preist. Bleibt mein Wort dürftig, weil meine Seele müde ist, so bist Du gnädig und barmherzig; darum darf dich auch meine Seele loben so, wie sie ist. Amen. (Adolf Schlatter)


Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen. Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.
„Wenn wir Gott wollten Dank für jede Wohltat sagen, wir fänden gar nicht Zeit, noch über Not zu klagen!“ Gar nicht Zeit und wohl auch nicht den Mut! Denn wer sind wir? Ermangeln wir nicht allzumal des Ruhmes vor Gott? Es fehlt am Danken, weil‘s an der Demut fehlt. Die Wohltaten Gottes fehlen bei keinem, aber dein Herz, o Mensch, das sie empfängt, ist hart in seinem Stolze. Du findest keine Ursache zum Danken, weil du in deiner Selbstgerechtigkeit sie meinst fordern zu dürfen; weil dir der Gedanke der Buße fremd ist: Ich bin deren Keines wert. Was wäre aus mir geworden, wenn Gott mir vergolten, nach dem ich's verdient! Von Gottes- und Rechtswegen habe ich's doch immer noch viel zu gut. Wir erfahren die rettende, bewahrende Hand Gottes, aber es heißt nicht am Schluss solcher Erfahrungen bei uns: „Und das Alles aus lauter väterlicher, göttlicher Güte und Barmherzigkeit, ohne all' unser Verdienst und Würdigkeit.“ Darum mag Gott die Menschen überschütten mit seinen Segnungen, sie kommen nicht dazu Gott zu loben. Ach, die Armen, die Unglücklichen! Denn was haben sie davon? Wenn's ihnen gut geht, Sattsein und Überdruss. Wenn's ihnen schlimm geht, Sorge und Unzufriedenheit. Nun so lasst von ihnen uns abwenden, lasst uns all der Tausenden zum Trotz, die nicht Gott loben, sprechen: Ich will den Herrn loben allezeit, sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein. (Adolf Clemen)


Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen; lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat, der dir alle deine Sünde vergibt, und heilt alle deine Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit, der deinen Mund fröhlich macht, und du wieder jung wirst, wie ein Adler. Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte. Er wird nicht immer hadern, noch ewiglich Zorn halten. Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden, und Vergilt uns nicht nach unserer Missetat. Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, lässt er seine Gnade walten über die, so ihn fürchten; so ferne der Morgen ist vom Abend, lässt er unsere Übertretung von uns sein. Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der Herr über die, so ihn fürchten. Denn er kennt, was für ein Gemächt wir sind; er gedenkt daran, dass wir Staub sind. Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras, er blüht wie eine Blume auf dem Felde; wenn der Wind darüber geht, so ist sie nimmer da, und ihre Stätte kennt sie nicht mehr. Die Gnade aber des Herrn währt von Ewigkeit zu Ewigkeit über die, so ihn fürchten, und seine Gerechtigkeit auf Kindeskind.
Barmherziger Gott, der du mich (unsre liebe Mutter, Schwester) abermals den Tag meiner (ihrer) Geburt hast erleben lassen, wir danken dir für alle Gnade, die du mir (ihr) im verflossenen Lebensjahre geschenkt hast, und bitten dich, du wollest in diesem neuen Jahre mich und mein ganzes Haus (sie und uns Alle) reichlich segnen. Wir sind nicht wert aller Barmherzigkeit und Treue, die du an uns getan hast. In deine gnädige Obhut befehlen wir uns auch für die Zukunft. Unsre Zeit steht in deinen Händen. Und obwohl unser Leben wie nichts ist vor dir, so sind wir doch getrost in dir, denn du hast uns aus Gnaden das ewige Leben geschenkt. Erhalte uns nur im rechten, einigen Glauben und erfülle uns mit der Kraft deines heiligen Geistes. Gib uns einst ein seliges Ende, und lass uns im Frieden dahinfahren und zur ewigen Ruhe der Heiligen eingehen, durch Jesum Christum. Amen. (Nach Dieffenbach.) (Adolf Clemen)


Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen; lobe den Herrn, meire Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.

Lob des Herrn ist ein wichtiges und liebliches Thema. David hat es fleißig getrieben, und andere Heilige Gottes haben es ihm nachgetan. Lob des Herrn ist die Freude und Wonne der obern Gemeinde; auch wir müssen hier unten loben lernen, wenn wir einst eingereiht werden wollen in jenen höhern Chor, vor Gottes und des Lammes Thron. David will aus vollem Herzen loben; Alles, was in ihm ist, soll den Herrn loben. Es ist eine alte Klage, dass wir Christen zu wenig loben, und es ist leider wahr. Das wahre Lob, das Lob aus vollem Herzen wächst aus der Erfahrung der Gnade und Liebe Gottes in Christo heraus. Ein völlig begnadigter Mensch, der einen Heiland hat, muss loben, weil er fröhlich ist. Da fehlt es bei manchem Christen: seine Harfe ist nicht gestimmt worden auf Golgatha; er ist kein fröhlicher Mensch, der singen kann: Gott ist die Liebe, er liebt auch mich. Es nützt auch nicht viel, wenn wir einander ermahnen zum Lobe Gottes, es sei denn, dass wir die überschwängliche Liebe Gottes in Jesu dem Gekreuzigten im Glauben erkennen. Es geht uns eben wie dem Vogel, der lieber auf einem Baum in Gottes freier Natur sein Lied singt, als im Käfig. Im Käfig unseres Schuldbewusstseins erwächst kein Loblied, sondern in der Freiheit der Gnade und Liebe Gottes. Dahinein musst du kommen. Auch Begnadigte können Sie Harfe wieder an die Wand hängen, wenn sie untreu werden. David hat es auch erfahren, dass Sünde und Untreue den Mund schließt. Darum müssen wir wachen. Ein gutes Mittel zu freudigem Lob ist auch die Erinnerung an alles Gute, das der Herr an uns getan hat: Stille Stunden, in denen wir zurückschauen auf Gottes Liebeserweisungen in unserem Leben, werden zu Lobestunden. Je völliger du in der Liebe Jesu lebst, desto voller wird dein Lob.

Anbetungswürdige, ewige Liebe! Ich lobe Dich für Alles, was Du auch an mir getan hast. Stimme Du selber meine Harfe, Dich noch besser zu loben. Amen. (Elias Schrenk)


Lobe den HErrn, meine Seele! der dir alle deine Sünde vergibt rc.
Gleichwie die Sünde eine Ursache und Ursprung ist alles unsers Unheils und Verderbens; also ist die Vergebung der Sünden ein Ursprung und Ursache alles unsers Heils und Seligkeit und ein Fundament und Hauptgrund aller göttlichen Wohltaten, ja das höchste Gut. Denn Lieber! was ist doch aller Welt Gut ohne Gottes Gnade? Es ist eitel Verderben, Fluch und Zorn, wenn es noch so köstlich wäre vor der Welt; denn Gottes Gnade macht alle Dinge gut. Ist nicht allen denen, so dieser Welt Herrlichkeit gehabt haben, ihr Gut zum Fluch und Verdammnis worden, dieweil sie keinen gnädigen Gott gehabt haben, als wir vom reichen Mann lesen? Luk. 16, 20. Was hilft es einem Menschen, wenn er alles hat und hat Gott nicht? Der aber hat Gott nicht, der Seine Gnade und Vergebung der Sünden nicht hat; denn unsere Sünden scheiden uns und unseren Gott voneinander. Wo die Sünde nicht vergeben ist, da ist eitel Zorn, Fluch und Tod. Ist demnach nichts schrecklicheres, als einen ungnädigen Gott haben; und nichts tröstlicheres denn einen gnädigen Gott und Vergebung der Sünden haben. Darum ist nun dieses der Gläubigen Freude und Herrlichkeit, dass der heilige Geist allhier spricht: Der dir alle deine Sünde vergibt! Nicht allein Petro, Paulo rc. sondern dir, dir, dir insonderheit und nicht nur eine, zwo, hundert, tausend, sondern alle deine Sünden. Darum liebe Seele! sei nun wieder zufrieden, der HErr tut dir Gutes, Ps. 116, 7. (Johann Arnd)


Lobe den Herrn meine Seele, und was in mir ist seinen heiligen Namen. Lobe den Herrn meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat; der dir alle deine Sünden vergibt und heilt alle deine Gebrechen.
Das Finden einer verlorenen Seele ist allemal eine große Begebenheit im Himmel und auf Erden. Es freuet sich das Herz des Vaters, denn es jammerte um den verlorenen Sohn, und er schließt ihn nun in seine Arme. Bald tönt sein Haus vom fröhlichen Reigen, denn sein Sohn war verloren und ist wieder gefunden; er war tot, und nun ist er lebendig worden. Es freut sich das Herz Jesu, des guten Hirten; es freuen sich alle Engel im Himmel über einen Sünder, der Buße tut. Es freut sich aber auch das Herz des geretteten Sünders und bricht aus in heilige Lobgesänge. Wovon hat die begnadigte Seele zu singen? Davon, dass der Herr ihr alle Sünden vergibt und heilt alle ihre Gebrechen. Darum soll alles, was in ihr ist, in dieses Lob mit einstimmen, alle ihre Erkenntnis, all' ihre Willenskraft, ihr Gedächtnis, alle ihre Gefühle, ihre Phantasie. - Selig, wer solches an sich erfährt und in dieses Lob mit einstimmen kann! (Herzbüchlein von M. Frommel.)


Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen!
Wach auf, meine Erinnerung, und erzähle, was Gott in vergangenen Tagen an mir getan hat. Blicket zurück, ihr Gedanken, auf die Wohltaten Gottes in meiner Kindheit und Jugend. Singt von der Langmut Gottes, die mir auf meinen Irrwegen nachging und mit meinem Ungehorsam Geduld hatte. Bringt mir wieder vor die Augen die selige Stunde, als ich zum ersten Mal den Herrn kennen lernte, und erzählt noch einmal die unvergleichliche Geschichte von seiner Gnade. Komm, mein Geist, und erwäge seine Liebe und Güte. Sieh, ob du seine Gnadenerweisungen zählen kannst, ob du den Reichtum seiner Güte und Weisheit zu ergründen vermagst, den Gott in seiner unaussprechlichen Gabe, in Jesus Christus, dir geschenkt hat. Verkünde seine ewige Liebe, zähle die Schätze des ewigen Bundes, den er mit dir gemacht hat. Rühme laut die göttliche Weisheit, die deine Erlösung erdacht, die Liebe, die sie geplant, die Gnade, die den Plan ausgeführt hat. Lobe den Herrn, meine Seele! Lobt ihn nicht die ganze Natur um mich her? Soll ich allein schweigen? Lobt ihn nicht der gewaltig rollende Donner? Rühmt ihn nicht der Wald, wenn er im Winde rauscht? Schreibt nicht der Blitz seinen Namen in feurigen Zeichen auf das mitternächtige Dunkel? Hat nicht die ganze Erde eine Zunge und soll ich, kann ich schweigen? Lobe den Herrn, meine Seele! (Charles Haddon Spurgeon)


Lobe den Herrn, meine Seele, und Alles, was in mir ist, seinen hochheiligen Namen! Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan; der alle deine Missetat verzeiht und heilt alle deine Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erlöst und dich krönt mit Gnade und Erbarmen, der deinen Mund mit Gutem sättigt, dass deine Jugend erneut wird wie die eines Adlers.
Vater des Lichtes, bei welchem ist keine Veränderung, noch Wechsel des Lichtes und der Finsternis, du hast am großen Schöpfungsmorgen gesprochen: Es werde Licht und siehe, es ward Licht. So sprichst du jetzt noch jeden Morgen wieder: Es werde Licht! Und siehe da, es wird Licht. Die Sonne steigt herauf strahlend wie eine Königin, wie ein Held, der seinen Weg wandelt, ohne sich umzusehen. Ein Meer des Lichts ergießt sich über Tal und Höhen, dass die Finsternis der Nacht weichen muss und ein Strahl des Lichts hinabdringt in die dunklen Klüfte. Alles erwacht zu neuem Leben; es macht sich auf, dein Licht zu empfangen. Die Blumen öffnen ihre Kelche, das Vöglein verlässt sein Nest, die Menschen erheben sich fröhlich zu ihrem Tagewerk. Auch der arme Kranke, dem die Stunden der Nacht nur langsam hingeschlichen sind, er begrüßt dankbar den ersten Strahl des neuen Morgens. Wie? sollten nicht auch wir uns aufmachen, um dich im ersten Morgenlicht zu begrüßen und selber Licht zu werden in deinem Lichte. Vater, so sprich denn auch über unserm Herzen und über unserm Leben: es werde Licht! Erleuchte unser Inneres durch die Sonne deiner Wahrheit. Vertreibe alle trüben und unlauteren Gedanken aus unserm Herzen. Verscheuche die düstern Sorgennebel, lass uns fröhlich sein und auf dich vertrauen, der du speisest die Vögel des Himmels und kleidest die Lilien des Feldes. Lass fliehen aus unserm Gemüte alle finstern Regungen und Anschläge, Unmut, Neid und Bitterkeit, und lass uns mit Wohlwollen und Freundlichkeit allen Menschen begegnen. Lass uns keine Werke vollbringen, welche dein und des Menschen Auge scheuen müssen, sondern gib, dass wir lauter und ehrbar wandeln als am Tag. Auf ihn lass uns schauen, der das Licht der Welt ist, auf dass auch wir ihm nachfolgen, nicht wandeln in Finsternis, sondern das Licht des Lebens haben. Lass auch das Kreuz, das du uns auferlegt hast, unsere Seelen nicht niederdrücken, sondern lass uns deinen Segen in der Trübsal erkennen. Ob Manches uns auch dunkel sei in unserm Leben, lass nimmer erlöschen das Licht der Hoffnung, dass einst uns Alles klar werden und Alles zu unserm Frieden dienen wird. So lass uns getrost auch durchs dunkle Tal wandern, bis der Morgen der Ewigkeiten anbricht und wir dich erkennen werden, gleich wie wir selbst erkannt sind. Amen. (Robert Grubenmann)


Lobe den Herrn, du meine Seele, und Alles, was in mir ist, lobe seinen heiligen Namen.
So ist denn von unserer Lebenszeit wieder eine Woche verstrichen und ladet uns ein zum Danke gegen dich, den Allgütigen, dessen Hand auch in diesen Tagen über uns gewesen ist, dessen Treue mit jedem Morgen neu war. Ja, Dank sei dir gesagt für alle Wohltaten, im Leiblichen und im Geistigen, die du uns beschert, für die vielfältigen Segnungen, die du uns gewährt hast. Du hast uns Leben und Gesundheit, Nahrung, Kleidung und Obdach verliehen, Freunde geschenkt und mannigfache Freuden bereitet, wofern wir nur einen für sie empfänglichen Sinn besaßen; du hast es uns an Gelegenheit und Mitteln, Gutes zu tun, nicht fehlen lassen und auch durch Ungemach und Schmerz uns nur zu dir zu ziehen, nur weiser und besser zu machen gesucht. Wenn wir reicher geworden sind am inneren Menschen, wenn wir Fortschritte auf dem Wege der Tugend und des Heiles gemacht haben, auch das ist nicht bloß durch unsere menschliche Kraft geschehen, sondern ist dein Werk in uns, ist die Frucht deines Geistes, der unser Herz bewegte, ist gewirkt durch die aus dir stammende Macht der Wahrheit, Liebe, Gerechtigkeit, ist ein Geschenk deiner Gnade, für welches wir dir nicht genug danken können. Aber sind diese Fortschritte in der Tat so groß gewesen, wie sie hätten sein sollen, haben wir so viel gewonnen von den Schätzen, welche weder Motten noch Rost fressen, wie wir hätten gewinnen können, sind wir dir in dieser Woche wirklich näher gekommen? So müssen wir zugleich uns an diesem Abend fragen, der uns unwillkürlich zum Stillestehen nötigt, zu einem Rückblick auf unser Tun und Lassen in der vergangenen Woche und damit zur ernsten Einkehr in uns selbst. Wenn wir mit Gedanken, Worten und Werken wider dich und deine Gebote, wider unsere Mitmenschen, vielleicht wider die uns am nächsten stehenden, wider unsere Pflichten in Haus und Beruf, wider die Forderungen der Wahrheit, Treue, Liebe, Barmherzigkeit irgendwie gefehlt haben, wenn das Fleisch zuweilen mächtiger in uns war als der Geist, so lass uns unsere Verschuldung einsehen in ihrer ganzen Größe, aber schenke uns auch den Trost deiner Vergebung, der jedem reuig umkehrenden Kinde zu Teil wird, ziehe uns aufs Neue an dein Vaterherz und verleihe uns den Frieden eines versöhnten Gewissens, wie die Kraft zu ernstlicher Besserung. Lass uns dergestalt wohl vorbereitet entgegengehen deinem zeitlichen Sabbat, der nach den Anstrengungen dieser Woche nun unser harrt mit seinen Erquickungen und Freuden, und lass uns dereinst ebenso wohl vorbereitet uns zur Ruhe legen für den ewigen Sabbat mit seinem Frieden und seiner Verklärung, den du uns bereitet hast nach dieses Erdenlebens Mühen und Kämpfen. Amen. (Robert Grubenmann)

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