Lieder zu Psalm 119
Erasmus Alber
WEr Gotts Wort hat und bleibt dabei
und hüt sich für Abgötterei,
Das ist fürwar eyn Selger Mann,
der auch den Teuffel trotzen kan.
Er hellt Gotts Wort für keyn Gedicht,
zum HERREN hat er sein zuversicht,
Denselben rufft er täglich an,
das er bleib auff der rechten ban.
Nach Gottes Wort verlangt ihn sehr,
er fragt nichts nach unnützer Lehr
Und mag nit hörn das loß Geschwetz,
sonder hat lust an Gotts Gesetz.
Des Worts kan er gar nit entpern,
drumb muß er Gotts Wort täglich lehrn;
Darauff wend er sein höchsten fleiß,
des HERRN Wort ist sein täglich speiß.
Täglich bitt er den lieben Gott,
das er beharr bei seim Gebott,
Das ist ihm lieber weder Gold,
dem Wort ist er von hertzen hold.
Keyn grösser freud ihm widerfehrt
dann das ihm Gott sein Wort beschert,
Nach Gotts Gesetz er fleißig tracht,
des Worts begert er tag und nacht.
Unnd wann jhm unglück kompt zu hauß
und weyß nicht, wo er soll hinauß,
Als bald er seine Zuflucht hat
zu Gottes Wort, da findt er Rath.
Er fragt nichts nach der Heuchelei,
Gotts Wort hat er, da bleibt er bei;
Vertreibt damit die böse zeit,
der Welt haß unnd des Teuffels neid.
Das Wort Gotts ist das rechte Schwerd
unnd Waffen, damit er sich wehrt,
Wann sein der böse feind begert;
das Schwerdt ist aller Ehren werdt.
Das reyne Wort von Jesu Christ
vil süsser weder Honig ist,
Dasselbig Er vil höher acht
dann aller Welt Gut, Ehr und Pracht.
Das Wort macht ihn zum frommen Mann,
das Er hlfft, wem er helffen kann,
Und hellt sich so fein erbarlich,
das ander Leuth auch bessern sich.
Er dancket Gott durch JEsum Christ,
das jhm sein Wort bescheret ist,
Drumb lobt er Gott und opffert stäts
dem HERRN das Opffer seins Gebetts.
Von gantzem Hertzen sucht er Gott,
das er nur bleib bei seim Gebott,
Unnd bitt den Vatter umb genad,
auff das ja sein Wort wol gerath.
Er bitt auch Gott, das er noch mehr
mit seinem heylgen Wort bekehr,
Unnd das des Teuffels Reich vergeh
und Er in allen schanden steh.
Hört er eyn Kind von diser Welt,
das Gottes Wort für nichtig hellt,
Das thut ihm weh und bittet Gott,
das er beharr bei seim Gebott.
Er fragt nichts nach der bösen Rott,
die Gotts Wort achten für eyn spott,
Läßt sich auch keyne Tyrannei
von Gott treiben, wie groß sie sei.
Er weyß, es wirdt nicht lang bestehn,
die Spötter müssen undergehn,
Wo sie sich wöllen bessern nicht:
Gotts zorn hat sie bald hingericht.
Ob sie die Christen plagen sehr
von wegen diser guten Lehr,
So bleibt gleichwol die Christenheyt
und bringt daruon die Seligkeyt.
Bei Gott findt sie eyn sichern Ort,
das ist das Heylig ewig Wort,
Dadurch geschaffen ist die Welt,
die noch das ewig Wort erhellt.
Das Wort ist Frid, Freud, Liecht unnd Trost,
durch Gotts Wort ist die Welt erlößt,
Das Wort verlaßt uns nimmermehr,
dieweil wir suchen Gottes ehr.
Das Wort Gotts heylsam sitten lehrt
und jmmerdar den Sünden wehrt,
Und ob jemand gestrauchelt hat,
bei Gotts Wort findt man wider Rath.
Das Wort Gottes ist lauter und reyn,
und reyniget das Hertz alleyn,
Das Wort Gotts macht die Albern weiß,
dem Wort sei ewig ehr und preiß!
Matthäus Greiter
Retribue servo tuo.
HIlff, Herre Got, dem deinen knecht,
auf das ich auch mög leben recht
und halten deine worte!
Thu auff mein augen, das ich sech,
das ich die grossen wunder spech
deins gsatz an allen orten!
Ich bin doch nur ain gast auff erd,
und bitt, das nit verborgen werd
vor mir deine gebotte;
Mein seel falt vor verlangen ab,
das ich nach deinn gerichten hab
allzeyt, O Herre Gotte!
Die stoltzen thust du schelten hie,
verfluchet seind auch alle, die
an deinn gebotten feelen.
Wend ab von mir all schand unnd schmach,
dann deiner zeügknuß kumm ich nach
und thu es nit verhelen.
Die fürsten raten wider mich,
aber dein knecht der übet sich
an deinen worten blossen;
So hab ich grossen lust zu hand
an dein zeügknussen allen sampt,
die seind meins radts genossen.
Mein seel klebt an dem staub der erd,
mach, das ich leb und selig werd
nach deinem wort ye mere!
Hab meine weg erzelen thon,
so hastu mir geantwurt schon,
dein rechte du mich lere!
Den rechten weg zayg du mir an
deines gehayß, so will ich dan
von deinen wundern sagen;
Mein seel vor angst erliget gar:
sterck mich in deinen worten klar,
Herr Gott, erhör mein klagen!
Den falschen weg nymm von mir hin,
verleich mir du die gnade dein
in deim gesetz zu leben!
Den waren weg hab ich erwölt
und hab in kain vergeß gestölt
deine gericht darneben.
Ich hang an deinen zeügnussen,
ich bitt, O herr, laß mich an den
nur nit zu schanden werden!
Ich lauff den weg deiner gebot,
du hast getröst, O Herre Got,
mein hertz allhie auff erden.
Matthäus Greiter
Beati immaculati.
ES seind doch selig alle, die
im rechten glauben wandlen hie,
im gsatze Gottes Herren!
Sy seind doch selig alle sampt,
die sein zeügknuß vor augen hond,
von hertzen jr begeren!
Dann welches übelthäter seind,
die wandlen nit als Gottes kind,
auff seine weg nit halten.
Ach Herre Gott von hymelreich,
du hast gebotten fleyssigkleich,
ja deine bott zu halten!
O Got, das alles leben mein
gerichtet wurd nach gfallen dein,
zu halten deine rechte!
Dann wurd ich nit zu schanden gan,
wann ich gantz fleyssig schawet an
deine gebott all schlechte.
So danck ich dir mit hertzligkait,
der ghricht deiner gerechtigkait,
die du mich lerst mit massen;
Dann deine recht ich halten wil,
mit deiner gnad du zu mir eil,
thu mich nit gar verlassen!
Wa bessert nun ain jüngling zart
seinn weg, dann so er sich bewart
nach deinen worten allen?
Hab dich von gantzem hertzen mein
gesucht, O Herr: nit laß mich hin
von deinn gebotten fallen!
So hab ich doch die rede dein
verborgen inn mein hertz hinein,
das ich vor dir nit sünde.
Gebenedeyt du, Herre Got,
leer mich durch deine gut und gnad,
das ich dein rechte finde.
Nun hab ich mit den lefftzen mein
alle gericht des mundes dein
bekennet und erzölet;
Im weg deiner zeügknuß, O Herr,
mit lust zu wandlen hab ich mer
dann all reichtumb erwölet.
In deim beuelch red ich allain,
dann menschen gsatz seind gar nitt rayn:
ich schaw auff deine pfade;
Nach deinen rechten lust mich vil,
dein wort ich nit vergessen wil,
verleych mir du dein gnade!
unbekannt - Das Wort des HErrn.
Das Wort des HErrn sei deines Fußes Leuchte Und sei ein Licht auf allen deinen Wegen! Denn ob's dir oft auch noch so dunkel däuchte, Es wandelt alles Leid sich um in Segen, Wenn nur dein Herz des Heilands Wort erreicht: „Mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht!“
Christian Wilhelm Spieker
Gedichte und Lieder
„Erquicke mich durch deine Gnade, dass ich halte die Zeugnisse deines Mundes.“
Das sei alle meine Tage
Meine Sorge, meine Frage:
Ob der Herr in mir regiert?
Ob ich in der Gnade stehe?
Ob zum rechten Ziel ich gehe?
Ob ich folge, wie er führt?
Ob ich recht in Jesu lebe?
Und als ein lebend'ger Rebe,
Kraft und Saft stets aus ihm zieh?
Ob mich Jesu Liebe reize?
Ob im Kummer ich zum' Kreuze
Und zu seinen Wunden flieh?
Ob mein Jesus, wo ich gehe,
Wo ich sitze, wo ich stehe,
Mir stets vor den Augen schwebt?
Ob er mir im Herzen lieget?
Ob mein Glaub' die Welt besieget
Und sein Kreuztod mich belebt?
Ob ich sorglos nichts versäume?
Nichts aus Lässigkeit vorträume?
Ob mein Herz sich nicht zerstreut?
Ob mich jegliches Vergehen,
Deren täglich viel geschehen,
Auf's Empfindlichste gereut?
Ob mir Christus Alles werde?
Ob mich eitle Lust der Erde
Nicht um's stille Seligsein
Im Genuss der Gnade bringe?
Ob ich trachte, streb' und ringe,
Jesu Eigentum zu sein?
Jesu, ach erbarm' dich meiner!
Mache mich von nun an deiner
Alle Stunden innigst froh!
Lass vor deinem Aug' mich wandeln,
Täglich würdiger mich handeln
Nach dem Evangelio.
Amen!
„Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinen Wegen.“
Noch ist es Nacht auf Erden,
Noch herrscht die Dunkelheit;
Spät, will es lichte werden
In dieser kalten Zeit.
Entzünde, Herr, mein Licht!
Mit deinem Glanz der Güte
Mir Strahlen im Gemüte,
Im Dunkeln lass mich nicht.
Aus Finsternis und Grauen
Errette mir den Geist;
Lass heller stets mich schauen,
Was mich zum Himmel weis't.
Lass aus der bangen Nacht,
In der wir irrig gehen,
Mich stets nach oben sehen,
Woher der Morgen lacht.
Lass deine Strahlen fallen
In meinen dunkeln Sinn:
Lehr' selbst den Weg mich wallen
Hu himmlischem Gewinn.
Herr, ohne deinen Strahl
Muss Dunkel mich verwirren,
Und immer müsst' ich irren
Im düstern Schattental.
O leite selbst den Blinden,
Dem eigner Glanz gebricht;
Und lass ihn Wahrheit finden
Und Wesenheit und Licht.
Senk' deinen Himmelsschein
Stets tiefer in die Herzen,
Dann werden Furcht und Schmerzen
Bald überstrahlet sein.
Dafür will ich dich preisen
In alle Ewigkeit
Mit immer höhern Weisen,
Du Glanz der Herrlichkeit.
Entflamme mir den Mut,
Und lass in Jesu Lehren
Mein inn'res Licht sich mehren
Zu frommer Lebensglut.
Hilf Allen, die befangen
In eigner Sorge Grau'n
Nur schwanken, irren, bangen
Und doch auf sich vertrau'n;
Hilf uns aus unsrer Nacht.
Lass Allen, die da weinen,
Die Freudensonne scheinen,
Die Alles selig macht.