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2. Mose 15,26

2. Mose 15,26

Andachten

Ich bin der Herr, dein Arzt.
Trockenen Fußes war Israel durchs rote Meer gezogen, aber kaum drei Tage, nachdem der Lobgesang über die wunderbare Errettung verklungen war, murrte das Volk bei der ersten kleinen Glaubensprobe. Gott half wieder und sprach: „Wenn du meiner Stimme gehorchen und alle meine Gebote halten wirst, so will ich der Krankheiten keine auf dich legen, die ich auf Ägypten gelegt habe!“ Weil aber die Erfüllung der Bedingung und darum der Verheißung sehr unwahrscheinlich war, so fügte er gleich hinzu: „Ich bin der Herr, dein Arzt!“ Wahrlich, solche Liebe ist nur bei dem zu finden, der sich als Heilbringer anerbietet, ehe nur die Krankheit zum Ausbruche gekommen ist.

Gott will in seinem Erbarmen Israels Murren und den kommenden Ungehorsam als eine Krankheit ansehen und sich als Arzt beweisen. Je nach der Not, die er wenden soll, will er Arzt oder Erlöser sein, Führer oder Herr der Heerscharen, Vorbild oder Opferlamm, und bietet somit für jeden Fall die richtige Hilfe; deshalb soll Israel und sollen wir alles an ihm haben, und nie Fleisch für unsern Arm halten.

Wenn auch die Schrift hie und da von den Ärzten nicht rühmlich redet, so tut sie es um der Gefahr willen, dass die menschliche Hilfe auf Kosten des Glaubens an Gott überschätzt würde. Aber die Worte Christi stellen das Amt der Ärzte und die von ihnen geleistete Hilfe doch als etwas anzuerkennendes, jedenfalls unverbotenes voraus. Freilich muss der Christ nie vergessen, dass alle Hilfe von Gott kommt, denn Gott ist der Arzt und kann ohne menschliche Ärzte und Mittel helfen, wenn er will. Wer sich so aus freien Stücken als ein Kind ihm in die Kur gibt, der darf nicht getadelt werden. Aber doch beweist das noch nicht eine höhere Stufe des Glaubens, und der Gebrauch der Medizin kann gar wohl neben vollem und kindlichem Vertrauen auf Gott bestehen. Sind wir für alles, was zur Erhaltung unsres von Gott erschaffenen Leibes dient, auf die Stoffe der Erde angewiesen, warum sollte es dann unrichtig sein, sie unter Gottes Segen auch zur Stärkung gesunkener oder zur Wiederherstellung gestörter Kräfte zu brauchen? Aber über allem steht der lebendige Gott, als der Arzt aller Menschen nach Leib und Seele; seine Kenntnis der Krankheit ist ganz untrüglich, seine Liebe unerschöpflich; er ist an keine Stunden gebunden, und hat für jeden hilfesuchenden die richtige Medizin.

Wenn unsre ganze Welt einem Krankenhause gleicht, so ist daran nicht die Menge der Krankheitserscheinungen und noch weniger etwa die Unzulänglichkeit des himmlischen Arztes schuld, sondern der Mangel an Vertrauen, der uns verhindert, ihn zu fragen und seine angeratenen Mittel richtig zu gebrauchen. Warum bringen viele ein unbegrenztes, ja abgöttisches Vertrauen einem irrtumsfähigen, wenn auch wohlmeinenden menschlichen Arzte entgegen, während ein Misstrauen wider Gott sie erfüllt? An leiblicher Krankheit hat niemand Freude, der Schmerz treibt, sich nach Hilfe umzusehen; leider aber ists manchem im Elend geistlicher Krankheit wohler, als in einer von Gott geschenkten geistigen Gesundheit. Lügenkräfte des Feindes betören eben immer noch so viele Glieder unsres Geschlechtes.

Gott unser Heiland, du erbietest dich mir und allen meinen Lieben und allen, für die ich besonders beten will, als Arzt. Stärke unser aller Vertrauen und unsern Gehorsam, du bist unfehlbar in deinem Wissen, liebend in deiner Gesinnung, weislich und treu, wenn auch oft wunderbar in deinem Helfen. Drum muss es dir doch gelingen, wenn auch die volle Gesundheit erst dann gegeben wird, wenn du zur Auferstehung rufst! Amen. (Rudolf Wenger)

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