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1. Mose 3,18

1. Mose 3,18

Andachten

Dornen und Disteln soll er dir tragen.
So wird in der alten Urkunde, in der Genesis, das Entstehen auch von Dornen und Disteln im Reiche der Natur dem ersten Sünder von Gott selbst erklärt und wir wollen die Schmerzen des Lebens, deren sprechendes Sinnbild sie sind, immer noch zu den ungelösten Rätseln zählen? Ach, nach dem großen Schöpfungswunder gibt es eigentlich nur ein Rätsel, die Sünde, den schneidenden Misston in dem herrlichen Schöpfungsliede, die sittliche Unordnung im Reiche des allmächtigen und heiligen Gottes. Aber da nun einmal die Sünde besteht und herrscht, was Wunder, dass alles, was in der großen Welt da draußen und in der kleinen da drinnen eigentlich und uneigentlich unter dem Namen „Dornen und Disteln“ zusammengefasst wird, mittelbar oder unmittelbar aus dieser unseligen Quelle entsprossen ist? Es ist ein wahres Wort: „Der Weltacker bringt Herzeleid hervor“ und ebenso unzweifelhaft wahr ist dieses: „Ohne Sünden keine Wunden“.

Dies ist der Unterschied zwischen Gottes Weisheit und der Weisheit der Welt. Diese sagt dir: Der schwache Mensch ist von Natur gut, aber sein Elend auf dieser armen Erde ist der Quell seiner Sünde. Mache sein Dasein erträglich, und er selbst wird gleich besser werden.

Jene sagt: Der Mensch ist gefallen, und seine Sünde ist der Quell des Elendes, die Wurzel der schärfsten Dornen, über die ein heiliger und gerechter Gott das „Wachst und mehrt euch“ ausgesprochen hat. „Wie murren denn die Leute im Leben also? Ein jeglicher murre wider seine Sünde.“ (Klagl. 3, 39.) Der Dorn in deinem Fleisch, die Distel vor deinem Fuß, jedes Unkraut auf deinem Herzensacker, in deinem Hause, in deinem Leben stammt her von ihr und immer wieder von ihr. O, wenn man dies wirklich glauben und vor allen Dingen besser bedenken wollte, wie viel weniger Bitterkeit, wieviel mehr Demut würde in dem trauernden Herzen sein, und wieviel begieriger würde wohl manche Hand wieder nach der alten Trostbibel greifen!

„Dornen und Disteln soll dir der Acker tragen!“ Ach, es ist so, und es kann und darf auch nicht anders sein, und es wird auch nicht anders werden, so lange noch nicht alles neu geworden ist. Aber, gottlob, auch noch ein andres prophetisches Wort steht zu unserm ewigen Troste geschrieben (Jes. 55, 13): „Es sollen Tannen für Hecken wachsen und Myrten für Dornen“. Dort klingt der Fluch der Sünde, hier rauscht der volle Trost der Gnade uns entgegen. Möchte uns der barmherzige Gott ein aufrichtiges Verlangen nach diesem Troste geben, möchte er's uns schenken, dass wir diesen Trost so erfassen, so genießen und ihn vor andern so preisen könnten, dass das Wort: „Selig sind, die da Leid tragen“ beides an ihnen und an uns selbst reichlich erfüllt würde! (Oosterzee, Johannes Jacobus van)

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