1. Samuel 1,9

Andachten

Da stand Hanna auf und war von Herzen betrübt und betete zum Herrn und weinte, und gelobte ein Gelübde und redete in ihrem Herzen; allein ihre Lippen regten sich und ihre Stimme hörte man nicht! Hanna aber sprach: ich bin ein betrübtes Weib und habe mein Herz vor dem Herrn ausgeschüttet.
Die Hanna ist ein rechtes Exempel für alle Diejenigen, welche einen brennenden Herzenswunsch oder eine beißende Sorge mit sich herumtragen, quälen und plagen sich damit bei Tag und Nacht, und tun doch nicht das Eine, was not ist. Hier haben wir nun ein armes Weib, das manchen starken Mann beschämt, indem es sein Anliegen auf den Herrn wirft, und zwar mit einem so gut gezielten, kräftigen, eindringlichen Wurf, dass es trifft. Freilich über Kinderlosigkeit braucht man nicht gerade so zu denken und Leid zu tragen wie Hanna, und mit Gelöbnissen ist es auch ein eigen Ding; das Erstere ist just keine Schande mehr, wie's dazumal geachtet ward, und bei Gelöbnissen soll man ja bedenken, dass das A-sagen leichter ist als das B-sagen. Bei alledem aber bleibt Das doch feststehen, dass Hanna sehr weislich gehandelt, als sie ihr Herz ausschüttete vor dem Herrn, und dass Diejenigen sehr töricht handeln, welche den Schlüssel zur reich gefüllten Schatzkammer haben, lassen ihn aber in der Tasche stecken, und tun, als wenn's gar keine Schatzkammer Gottes gebe. Zum andern: dass die Hanna es mit der heiligen Betkunst sehr wohl verstanden; denn sie hat diese edle Kunst mit Weinen geübt, weil sie's wohl gewusst hat, dass das Schloss und die Angeln an der Tür der Schatzkammer leicht einrosten, weil sie nicht fleißig genug gedreht werden, müssen darum, zwar nicht mit Öl, aber doch mit Tränenwasser angefeuchtet werden. Und endlich regen sich nicht bloß ihre Lippen, sondern sie redet in ihrem Herzen; also haben wir hier kein Mund - Geplärr und Lippendienst, sondern das Gespräch des Herzens mit Gott, und das ist sehr wohlgefällig vor Ihm. So gehe denn hin, Du herzbetrübtes Heer, und tue desgleichen. (Nikolaus Fries)


**Da stund Hanna auf, nachdem sie gegessen hatten zu Silo und getrunken. Und sie war von Herzen betrübt, und betete zum Herrn und weinte sehr. **
Hanna hatte durchs Unglück beten gelernt, oder, wenn sie vorher schon gebetet hatte, so betete sie jetzt mit viel mehr Inbrunst als früher. - O, wenn du einen geheimen Kummer hast, so lerne, wohin du ihn tragen musst, und trage ihn dann auch gleich an den rechten Ort. Lerne von Hanna! Ihre Zuflucht war der Herr. Sie schüttete das Geheimnis ihrer Seele nicht in ein menschliches Ohr, sondern sie legte es dem Herrn vor in seinem Haus. In der Bitterkeit ihrer Seele betete sie zum Herrn. Das ist die rechte Art, die Bitterkeit zu versüßen. Viele empfinden die Bitterkeit, aber sie beten nicht, und darum bleibt der Geschmack des Wermuts. O, dass sie doch weise wären und ihre Leiden als göttlichen Ruf zum Gebet ansähen! Der Sturm des Leidens soll unser Schifflein in den Hafen des Gebets treiben. Wenn wir betrübt sind, so ist dies ein Zeichen, dass wir das Gebet nötig haben. Unsere besten Gebete sind vielleicht im Trauerhause geboren. Wenn's uns äußerlich gut geht und wir gesund sind, werden wir gar zu leicht kalt und träg im Gebet; dann muss das Feuer mit dem scharfen Eisen der Trübsal geschürt werden. Manche Blume hält ihren Duft zurück, bis sie vom rauen Winde geschüttelt wird. Ein Angefochtener ist gewöhnlich auch ein Betender. Der Engel muss in der Nacht mit uns ringen, bis wir lernen, ihn festzuhalten und zu rufen: „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn.“ (Charles Haddon Spurgeon)

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