„Das Blut soll euer Zeichen sein an den Häusern, darin ihr seid, dass, wenn Ich das Blut sehe, Ich vor euch vorübergehe und euch nicht die Plage widerfahre, die euch verderbe.“
Am letzten Abend vor dem Auszug aus Ägypten mussten die Israeliten das Osterlamm schlachten und in Reisekleidern essen, weil der Aufbruch den Morgen darauf erfolgen sollte. Es war ihnen gesagt, dass Gott nun zum Schluss eine Plage kommen lassen werde, die an Schrecklichkeit alle andern überbieten und welche die Ägypter nötigen werde, um jeden Preis sich nun selbst die Israeliten vom Halse zu schaffen. Es sollte nämlich in jener Nacht alle Erstgeburt in Ägypten geschlagen werden. Auch Israel konnte bedroht sein; und um nicht derselben Plage anheimzufallen, sollte jedes Haus mit dem Blut des geschlachteten Lammes bestrichen werden, damit, wenn dies geschehe, der Würgeengel schonend vorübergehe.
Es gehörte für das Volk viel dazu, so große Dinge fest zu glauben und daraufhin sich zu rüsten und auf einen Abmarsch sich bereitzuhalten; man konnte sich ja gar nicht denken, wie es sich machen werde! Das ganze Volk zählte über 600.000 Mann, Greise, Weiber und Kinder abgerechnet. Man überlege, wie schwer es ihnen sein musste, sich eine Abreise zu denken, ohne recht zu wissen, wohin es gehen würde, noch weniger, wovon sie leben sollten! Auch die angekündigte Plage und die Art, wie sie selbst verschont bleiben sollten, war eine nicht geringe Glaubensaufgabe für sie. Aber sie waren doch schon geübt im Glauben, opferten daher im Glauben, bestrichen ihre Türpfosten mit dem Blut im Glauben und feierten in Reisekleidern ihr Mahl im Glauben. Darum hat der Engel, der als Verderber über Ägypten kam, an allen vorübergehen können, die im Glauben das Geforderte getan hatten. Wie herrlich führte der HErr dann noch weiter über alle nachfolgenden Schwierigkeiten hinüber!
Wir nun haben auch ein Osterlamm und müssen immer denken, wir sind dem Verderber ausgesetzt, wenn wir an dieses „Lamm Gottes“ nicht glauben und nicht dadurch gleichsam mit Seinem Blute besprengt sind. Würde das Opfer Christi mehr vor unsrer Seele stehen, würden wir mehr unsre Hoffnung darauf gründen, dass Er um unsrer Sünden willen gestorben sei, und würden wir solches mehr mit gläubiger Zuversicht schätzen, so könnten wohl auch manche Plagen an uns vorübergehen, welche andere treffen; denn wir würden vor dem HErrn gelten als mit Seinem Blute besprengt!
In der Christenheit aber nimmt der Glaube an den Versöhnungstod Christi als das Mittel zur Vergebung der Sünden vollends mehr und mehr ab; Zweifel und Bedenken werden allerwärts herrschend, und alles pocht mehr auf eigene Gerechtigkeit oder will sich halten an eine Vergebung der Sünden, die nur auf bloße „Liebe“ Gottes gegründet ist, nicht auch auf Seine (das stellvertretende Opfer Christi erfordernde) Gerechtigkeit.
Wenn das so ist: Können wir da als mit dem Blute Christi besprengt gelten? Und kann da der Verderber. wenn Gottes Zorn ihn aussendet, schonend an den durch Zweifelsucht verzagten Seelen vorübergehen?
Ach, dass wir doch wieder mehr Sinn und Verstand für den Heilsrat Gottes, wie er vor uns liegt, bekämen - zu unserer zeitlichen und ewigen Errettung! (Christoph Blumhardt)
Geliebte in dem HErrn! Viele von Israel, die dem Verderben Ägyptens entronnen sind, gingen nicht ein zur verheißenen Ruhe, und verloren sie darum, dass sie nicht glaubten.
„Aber noch ist eine Ruhe vorhanden dem Volke Gottes.“ O, lasst uns fürchten, dass wir die Verheißung nicht versäumen, einzugehen in diese letzte Ruhe, auf dass keiner dahinten bleibe! „Wir haben einen so barmherzigen Hohenpriester, der da Mitleid hat mit unserer Schwachheit; darum lasst uns halten am Glauben und am Bekenntnis; lasst uns hinzutreten mit Freudigkeit zum Gnadenstuhl, auf dass auch wir Barmherzigkeit erlangen und Gnade finden auf die Zeit, wenn uns Hilfe not sein wird!“ Wir sind, die wir einst ferne waren, nahe geworden durch das Blut Jesu Christi, und erlöst von unserem eitlen Wandel, nicht mit vergänglichem Gold und Silber, sondern mit dem heiligen und teuren Blut Christi, als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes; darum lasst uns wandeln wachsam und betend, treu unserer Berufung, auf dass wir allezeit erfunden werden stehend in der Gnade und im Glauben; auf dass wir, wenn unser letztes Stündlein schlägt, unser Haupt in die Arme der rettenden und beseligenden Verschonungsgnade legen können, und dass noch unser letztes Bekenntnis sei:
„Christi Blut und Gerechtigkeit,
Das sei mein Schmuck und Ehrenkleid.
Damit will ich vor Gott bestehn,
Wenn ich in Himmel werd' eingeh'n!“ Amen. (Theodosius Harnack)
Wenn ich das Blut sehe, will ich an euch vorübergehen.
Dass ich selber das kostbare Blut sehe, ist zu meinem Troste, aber dass der Herr es sieht, ist das, was meine Sicherheit verbürgt. Selbst wenn ich nicht im Stande bin, es zu sehen, so blickt der Herr darauf und geht deshalb an mir vorüber. Wenn ich nicht so ruhig bin, wie ich es sein sollte, weil mein Glaube trübe ist, so bin ich doch ebenso sicher, weil des Herrn Auge nicht trübe ist und Er beständig das Blut des großen Opfers anschaut. Welch Freude ist dies!
Der Herr sieht die tiefe, innere Bedeutung, die unendliche Fülle alles dessen, was der Tod seines lieben Sohnes bezeichnet. Er sieht es mit ruhiger Erinnerung daran, dass die Gerechtigkeit befriedigt und alle Seine unvergleichlichen Eigenschaften verherrlicht sind. Er sah die Schöpfung in ihrem Fortschreiten und sprach: „Es ist sehr gut!“ aber was sagt Er von der Erlösung in ihrer Vollendung? Was sagt Er von dem Gehorsam, selbst bis zum Tode Seines geliebten Sohnes? Niemand kann seine Freude an Jesu beschreiben, und seine Ruhe in dem süßen Geruch, den Jesus darbrachte, als Er sich selber ohne Flecken Gott opferte.
Nun ruhen wir in stiller Sicherheit. Wir haben Gottes Opfer und Gottes Wort, das ein Gefühl vollkommener Geborgenheit in uns schafft. Er will, Er muss an uns vorübergehen, weil Er unsren glorreichen Stellvertreter nicht verschonte. Die Gerechtigkeit reicht der Liebe die Hand, um ewiges Heil für alle Blutbesprengten zu sichern. (Charles Haddon Spurgeon)
Wenn ich das Blut sehe, gehe ich vor euch über.
Das teure Blut unsres Herrn Jesu Christi, welches Er für uns am Kreuz vergossen hat, ist wohl einer besonderen Betrachtung wert. Denn auf dieses Blut ist unsere ganze Hoffnung der Seligkeit gegründet. Schon im Alten Bunde verschonte der Herr Israels, als Er alle Erstgeburt der Ägypter schlug, um des Opferblutes Willen, dass sie an die Pfosten ihrer Türen hatten streichen müssen, aber Er achtete dieses Lammesblutes nur, weil es ein Angeld auf das Menschenblut war, welches auf Golgatha geopfert werden sollte. Denn menschliches Unrecht kann eben nicht durch Tiere, sondern nur durch Menschen gesühnt werden, und Bürge für einen Schuldigen kann nur ein solcher Mensch werden, der selbst ohne Schuld ist. Und das war Christus, dem Niemand ein Unrecht nachweisen kann, dessen unschuldiges Blut besser redet, als Abels Blut, welches zu Gott von der Erde um Rache schrie, während Jesu Blut beständig schreit: Barmherzigkeit, Barmherzigkeit! Am Kreuze hat aber nicht bloß ein völlig unschuldiger Mensch gehangen, wiewohl auch dies schon ein Wunder ohne Gleichen wäre, sondern in diesem Menschen hatte der Sohn Gottes selbst menschliche Gestalt angenommen, und die göttliche und menschliche Natur waren in seiner Person so eng verbunden, dass das Blut, welches Er vergossen hat, auch Gottesblut genannt werden kann: Ein Blut von unendlichem Werte, hinreichend um als Lösegeld für die Sünden einer ganzen Welt zu dienen. Und dazu war dieses Blut von Gott selbst im Voraus angeordnet. Dieses teure Blut und seine sühnende Kraft hatte Gott vor Augen, da Er sprach: Lasst uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei. Und wiewohl Er wusste, dass sein Bild am Menschen durch die Sünde bald verwischt werden würde, unterließ Er es doch nicht, den Menschen zu schaffen, in Erwägung der Arznei, welche Er für ihn bereit hatte. Und da nun das Blut geopfert war, blieb es auch nicht ohne göttliches Zeugnis, dass es als Sühngeld für die Sünden der Welt angenommen sei. Denn am dritten Tage führte Gott den, der sein unschuldiges Leben dargebracht, aus dem Tode heraus und erweckte den heiligen Leib wieder, welcher sein kostbares Blut vergossen hatte, und versiegelte also dies Blut als wahrhaftiges Sühnblut für die Sünden der Welt. Darum auf, o armer Sünder, zerschlagenes Gewissen, auf, und lass dich mit diesem Blute besprengen, und wasche dich rein und mache deine Kleider helle im Blute des Lammes, welches Gott selbst dargestellt hat als ein Sühnopfer für die Missetat der Welt. Setze es als ein Malzeichen auf deine Stirn, wie Israel das Blut des Passahlammes an seine Türpfosten streichen musste, damit der Würgengel vorübergehe. Siehe, dies Blut kann dich wahrhaft versöhnen, aber auch nichts anders als dies Blut. Auf dieses Blut musst du dich gründen, und sonst auf Nichts. Weder deine Gerechtigkeit noch dein gutes Herz werden dir aus dem Gerichte helfen, welches Gott halten wird, denn diese eitlen Gebilde stolzer Herzen werden dort wie Rauch zergehen. Und wehe dir, wenn du dies Blut, das Blut des Neuen Testamentes, für unrein hältst oder es verschmähst. Siehe, wenn deine Sünden auch bergeschwer wären, so wiegt doch ein Tropfen von diesem kostbaren Blute schwerer, und zieht die Waagschale der göttlichen Gerechtigkeit zu deinen Gunsten tief, tief herab, wenn du es angenommen hast; aber wenn du es verachtest, so wird dieser Tropfen in die andere Waagschale gelegt und die Last deiner Schuld dadurch vertausendfacht. Denn du hast dann nicht nur gegen die göttliche Gerechtigkeit, sondern auch gegen Gottes Barmherzigkeit gefrevelt. O, dass du das Leben erwähltest und nicht den Tod! (Anton Camillo Bertoldy)