====== Jesaja 60,20====== =====Andachten===== „**Deine Sonne wird nicht mehr untergehen, noch dein Mond den Schein verlieren, denn der Herr wird dein ewiges Licht sein, und die Tage deines Leides sollen ein Ende haben.**“ \\ Wir sind in den vorigen Betrachtungen Gottes über uns nachgegangen, wie Er von Ewigkeit her uns geliebt hat - wir haben auch etliche von den Gedanken Seiner Treue, Güte und Zärtlichkeit betrachtet, die Er noch heute über Sein leidendes, geängstetes, angefochtenes Volk hat. Wie aber Seine Gedanken von Ewigkeit sind, so sind sie auch für die Ewigkeit. Und hier sind insbesondere wieder diejenigen, die da Leid tragen, denen das Köstlichste dieses Gottesgedankens über die zukünftige Herrlichkeit als Erbteil anheimfällt. Eine hellstrahlende irdische Sonne ist ihnen untergegangen, ein teurer Stern, der bisher ihren Weg freundlich erleuchtet hatte, ist ihnen entschwunden. Stille deinen Schmerz, spricht Er, trockne deine Tränen. Diese untergegangene Sonne, dieser dunkel gewordene Mond, dieser ausgelöschte Stern - sie werden alle in einer unveränderlichen Welt dir als unwandelbare, helle Lichter leuchten, da, wo du deine Geliebten, die du hier verloren hast, ohne Ende lieben wirst, ohne je sie wieder zu verlieren. Ja, und was noch viel mehr ist: da wird ein herrlicheres Licht, eine unvergleichlich helle Sonne alles irdische Licht ersetzen, dass du keines andern mehr bedarfst. „Die Stadt bedarf keiner Sonne, noch des Mondes, dass sie ihr scheinen, denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie, und ihre Leuchte ist das Lamm.“ Offenb. Joh. 21,23. Möglich, dass auch noch andere Lichter da sind, und dass die alt gewohnten, geliebten Erinnerungen der Erde in der neuen Welt unverloren, neu belebt, fortgesetzt und geheiligt werden. Aber die Stadt und ihre Bewohner werden ihrer nicht bedürfen - man hat des schwachen Bächleins nicht weiter nötig, wenn man an dem Strom des lebendigen Wassers steht, das ins ewige Leben fließt. Gottes Wege und Seine Werte, Sein Wesen, Seine Vollkommenheiten, Seine Weisheit und Bundestreue, Seine allgenugsame Liebe und ewige Gegenwärtigkeit werden einen unerschöpflichen Grund zur Betrachtung darbieten. Das ewig neue Lied der Erlösten wird dasselbe Thema haben wie unser irdischer Lobgesang: „Wie köstlich sind vor mir, Gott! Deine Gedanken!“ „Und die Tage deines Leides sollen ein Ende haben!“ Ihr, die ihr hier Leid tragt, bedenkt dieses. Hier Tränentage, dort Freudentage - hier ein gedämpfter Lobgesang, dort die goldenen Harfen - hier eine wild bewegte, stürmische See, dort das gläserne Meer in ungestörter Klarheit. Die Tränen irdischen Schmerzes, funkelnd in den Strahlen der ewigen Sonne, werden wie tausend Lichter die Herrlichkeit Gottes abspiegeln, und kostbare Zeugnisse Seiner Treue und Liebe abgeben. Mag auch das Leben jetzt wie eine trübe Winterlandschaft vor dir liegen, seine einst sonnigen Täler und grünen Auen, alle Spuren des Frühlings und Sommers mit tiefem Schnee bedeckt - es wird bald ein herrlicher Auferstehungstag kommen, wo es heißen wird: „siehe, der Winter ist vergangen, der Regen ist weg und dahin, die Blumen sind hervorgekommen im Lande, der Lenz ist herbeigekommen, und die Turteltaube lässt sich hören in unserem Lande.“ O glückselige Aussicht! In Gottes Lichte sehen wir das Licht. Alle unverstandenen Gedanken Gottes im Licht jener nie untergehenden Sonne hell und klar durchschaut - keine Wolke, kein Nebel mehr an dem unendlichen Horizont. „Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunkeln Wort, dann aber von Angesicht zu Angesicht. „Jetzt erkenne ich's stückweise, dann aber werde ich es erkennen, gleichwie ich erkannt bin.“ Jerusalem, du schöne! \\ Ach wie helle glänzt du! \\ Ach wie lieblich Lobgetöne \\ Hört man da in stolzer Ruh! \\ O der großen Freud und Wonne: \\ Endlich geht auf die Sonne, \\ Endlich gehet an der Tag, \\ Der kein Ende nehmen mag! Da wird sein das Freudenleben, \\ Da viel tausend Seelen schon \\ Sind mit Himmelsglanz umgeben, \\ Dienen Gott vor seinem Thron; \\ Da die Seraphinen prangen \\ Und das hohe Lied anfangen: \\ Heilig, heilig, heilig heißt \\ Gott der Vater, Sohn und Geist! Da die Patriarchen wohnen, \\ Die Propheten allzumal, \\ Wo auf ihren Ehrenthronen \\ Sitzet der zwölf Boten Zahl, \\ Wo in so viel tausend Jahren \\ Alle Frommen hingefahren, \\ Da wir unserem Gott zu Ehr'n \\ Ewig Halleluja hör'n. Ach, ich habe schon erblicket \\ Alle diese Herrlichkeit! \\ Jetzo werd ich schön geschmücket \\ Mit dem weißen Himmelskleid; \\ Mit der güldnen Ehrenkrone \\ Steh ich da vor Gottes Throne, \\ Schaue solche Freude an, \\ Die kein Ende nehmen kann. (John Ross MacDuff) ---- „**Die Tage deines Leidens sollen ein Ende haben.**“\\ Das ist nicht so gemeint, dass man endlich stirbt und so erlöst wird, wie mans gewöhnlich in seinen Gedanken hat, da dann der Tod das Ende alles Leidens sein soll. So macht man aus dem Tod, der aufs Grausamste über alles verhängt ist, einen Friedens-Engel oder gar einen Erlöser und Heiland. So ist's aber nicht. Hier ist vielmehr von einer Neuzeit die Rede, die durch den Knecht des Herrn eingeleitet und vollendet wird, und zwar von einer irdischen Neuzeit, die allerdings von selbst in die himmlische Klarheit sich verliert. Auf Erden aber schon soll ein Paradieses-Zustand eintreten, bei welchem die massenhaften Leiden, die wir jetzt haben, nicht mehr vorkommen. Auch die vielen Schreckenssachen, die wir haben, sind eine böse Mitgift ins Leben herein, und kommen in den Tagen des Leidens viel vor, dass nur ein Schrecken, Plage und Schmerz ist, ohne im Geringsten etwas anderes zurückzulassen, als Jammer, Herzeleid und Erschütterung des Gemüts. Diese Tage unsres Leidens, oder die Leiden in unsern Tagen, sollen noch ein Ende bekommen. Da denken wir alle: „Wenn's nur schon wahr wäre!“ Es wird aber wahr werden, denn die Verheißung Gottes kann nicht trügen. Ja wir sind der guten Zuversicht, der HErr werde bald und rasch es zu diesem Ende bringen, und zwar um so gewisser, je mehr wir drum bitten und je mehr wir's mit Zuversicht als bald kommend vom HErrn erwarten. (Christoph Blumhardt) =====Predigten===== {{tag>MacDuff_John_Andachten Blumhardt_Christoph_Andachten}}